Von Mark Read 0
"Greatest Hits Vol. 1"

Mando Diao: "Greatest Hits", die diesen Namen auch verdient haben

Normalerweise bringen Bands ihre Best-Of-Compilations immer pünktlich zum Weihnachtsgeschäft heraus, um die Verkäufe anzukurbeln. Mando Diao haben damit bis kurz nach Neujahr gewartet. Gut so, denn so bleibt mehr Zeit, um das großartige Schaffen der schwedischen Rocker in den letzten zehn Jahren zu würdigen.


Zehn Jahre! Ist es tatsächlich schon zehn Jahre her, dass Mando Diao mit ihrem Debütalbum "Bring 'Em In" ein erstes dickes Ausrufezeichen setzten? Ich erinnere mich noch deutlich daran, wie ich das Video zu "Sheepdog" zum ersten Mal sah. Auf dem Dach eines Hochhauses rockten sich fünf Jungspunde einen ab, zu einem irren Mix aus Punk-Gitarren und 60s-Orgeln. Verrückt, wie die Zeit vergeht.

Die Schweden aber sind, trotz musikalischer Weiterentwicklung, jung geblieben. Im Laufe der Jahre wandelte sich Mando Diaos Sound zwar vom dreckigen, ruppigen Garagenrock des Debüts hin zu einem wunderbar melodischen Alternative-Rock, der auch gerne in Britpop- oder Folk-Gefilde abdriftet. Doch die Band um die Sänger Björn Dixgard und Gustaf Norén ist immer noch verdammt aufregend. Parallel zur musikalischen Reife reihten Mando Diao seit 2002 Hit an Hit. Bei kaum einer Band war ein Greatest-Hits-Album so überfällig wie bei den Schweden. Gut, dass es nun endlich auf dem Markt ist.

Wer die Musikszene in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt hat, wird die allermeisten Lieder auf "Greatest Hits Vol. 1" ohnehin schon kennen. Wer Mando Diao erst mit ihrem 2009er-Megahit "Dance With Somebody" kennenlernte, dürfte überrascht feststellen, dass die Band noch reichlich weiteres Top-Material in Petto hat. Vor allem die Hits des zweiten Albums "Hurricane Bar" (2005) haben kein bisschen Staub angesetzt. "Down in the Past" und der rupppige Soul-Rock "God Knows" sind zwei Kracher, die nach wie vor jede Indie-Disco binnen Sekunden zum Brodeln bringen.

Doch auch der lässige 2006er-Hit "Long Before Rock'n'Roll" oder das leicht psychedelische "If I Don't Live Today, I Might Be Here Tomorrow" zaubern einem sofort ein Lächeln auf die Lippen - und zwar nicht nur wegen der seligen Erinnerungen, die man vielleicht an diese Jahre hat. Wenn dann die großartige Schunkelballade "Mr. Moon" in den Ring geworfen wird, ist die Schlacht schon längst gewonnen. Da ist es auch zu verschmerzen, dass der einzige neue Song "Christmas Could Have Been Good" eher überflüssig, weil banal ist. "Greatest Hits Vol. 1" ist nicht nur eine toll zusammengestellte Compilation, sondern von vorne bis hinten der Beweis für das außergewöhnliche Talent einer lange Zeit unterschätzten Band. Vielleicht wird dieses Greatest-Hits-Album für Fans guter Rockmusik in ein paar Jahren das, was Bob Marleys "Legend" für Reggae-Fans ist: Der Konsens, auf den sich alle einigen können.

Highlights: Sheepdog, Down In The Past, God Knows, Mr. Moon


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