Von Steffen Trunk 0
TV-Kritik

„Mama Mia“: Warum konnte die RTL-Kuppelei nicht überzeugen?

Das hat sich RTL sicher anders vorgestellt. Die Datingshow „Mama Mia“, in der die Mütter für ihr Söhne nach der großen Liebe suchen, konnte beim TV-Publikum nicht überzeugen. Mit Lukas möchte auch ein schwuler Kandidat seinen Traummann finden. Was müsste man am Format ändern, damit es beim Zuschauer ankommt?


Mama Mia“ sollte anders als die anderen Dating-Formate des Kölner Privatsenders werden. Man verzichtete zwar weitgehendst auf die Bloßstellung der Kandidaten und war auch sonst eher vom RTL-bekannten Trash entfernt, doch der Sendung fehlt noch das wichtige Salz in der Suppe.

Man wählte mit der Sommer-Sonne-Location die gewohnte „Der Bachelor“-Atmosphäre, in der der attraktive Junggeselle nach seiner Traumfrau sucht. Gezieltes Einspielen von Musik („Deeper Underground“) oder typisch eingeschnittene Wiederholungen machten allerdings an der einen oder anderen Stelle sichtbar, dass das Kuppelformat ähnliche Pfade zu „Bauer sucht Frau“ und „Schwiegertochter gesucht“ aufwies.

Welchen Einfluss haben die Mütter?

Das Konzept ist einfach und verständlich, dennoch nicht konkret umgesetzt: Mama und ihr Sohn wählten gemeinsam aus acht Frauen „die Richtige“ aus. Doch inwieweit die Mütter genau Einfluss haben, bleibt ungeklärt. Die Verantwortlichen müssten hier schärfer am Sendeablauf feilen.

Dennoch konnte das Format aber mit seiner Natürlichkeit überraschen und verzichtete auf gestellte Dialoge. Die Männer waren wie normale Jungs von Nebenan, die beispielsweise Pizza-Bäcker sind und noch bei Mutti wohnen und auch die Mehrheit der Liebes-Anwärterinnen begeisterte mit Authentizität sowie Ungezwungenheit.

Konfliktpotential fehlte völlig

Selbstverständlich musste man auf fiese Zickenkriege, eifersüchtige Mitstreiterinnen und die Einzelinterviews nicht verzichten; alles eben wie bei den bekannten Kuppel-Shows. Lediglich mit den Einschätzungen der Mütter brachte RTL innovative Züge mit in das neue Format. Verspricht die meist vernünftige Meinung der Mutter noch Konfliktpotential? Wir warten noch drauf!

Vermutlich ist die Sendung dem Zuschauer zu gewöhnlich, denn an Fremdschäm-Aspekten, die vor allem aus „Schweigertochter gesucht“ bekannt sind, mangelte es völlig. Das Format ist somit kein Trash, aber was ist es dann? Eine vermeintlich heile Welt wird nämlich ebenso wenig vorgegaukelt, sondern das normale Leben steht im Fokus der Sendereihe. Doch gerade diese Begebenheiten führten zu Langweile und könnten zum Misserfolg führen.

Es steckt zwar Potential in „Mama Mia“, doch dieses wird noch nicht ausgeschöpft. Das Format muss die richtige Richtung nämlich noch finden. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät, denn nur 2,20 Millionen Menschen sahen am Mittwoch den Auftakt des Formats.


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