Von Nils Reschke 3
Old Ideas World Tour 2012

Leonard Cohen begeistert, bewegt und rührt zu Tränen

Schade eigentlich. Mit zwei umjubelten Konzerten auf der Waldbühne in Berlin und im Warsteiner Hockey Park in Mönchengladbach hat Singer- und Songwriter Leonard Cohen im Rahmen seiner „Old Ideas World Tour 2012“ Deutschland bereits verlassen. Den 77-Jährigen zieht es weiter durch die Welt. In London spielt er drei Konzerte im Wembley Stadion, dann ist Dublin mit fünf Terminen dran. Machen Sie es gut, Mister Cohen.


Irgendwie erinnerten die Konzerte von Leonard Cohen in Berlin und Mönchengladbach ja an ein Fußballspiel. Es gab eine erste Hälfte, die mit Liedern wie „Sisters of Mercy“ oder „Bird on Wire“ an Höhepunkten nicht gerade arm war. Dann folgte nach einer kurzen Pause die zweite Hälfe, die mit Klassikern wie „Suzanne“ oder „I`m Your Man“ das Niveau noch einmal steigerte. Und als alle dachten, Leonard Cohan habe mit „Halleluhja“ schließlich den viel umjubelten Siegtreffer erzielt, ging es doch noch in die Verlängerung. Zwei Zugaben gab es zu beklatschen. Gänsehautstimmung inklusive, vor allem auf der Waldbühne, als Cohen sang: „First, we take Manhattan...“ und das restlos begeisterte Publikum antwortete: „Then we take Berlin.“

Überhaupt: Dieser Leonard Cohen, 77 Jahre alt – und der 78. Geburtstag steht unmittelbar bevor – sprintete wie ein Youngster auf die Bühne, als ein gefühlvolles, emotionales und unvergessenes Konzert „angepfiffen“ werden sollte. Dankbar blitzten seine Augen, nach der Pause freute er sich darüber, „dass noch alle da geblieben“ seien, schließlich sei es ja kalt geworden. Aber wer wollte dieses einmalige Konzert schon vorzeitig verlassen? Ganz gewiss nicht, Mister Cohen! Mit seiner tiefen Stimme riss der Kanadier alle Zuhörer vom ersten Song an in seinen Bann und erzählte die tief-traurigen Geschichten, die das Leben schreibt. Mit „Dance Me To The End Of Love“ beginnt ein grandioser Abend. Cohen schrieb dieses Lied einst, als er erfuhr, dass Häftlinge im Konzentrationslager klassische Konzerte geben mussten, während andere brutal umgebracht wurden. Hinter diesem Hintergrund blieb gleich in den Anfangsminuten den ersten Menschen im Publikum ein Kloß im Hals stecken.

Im Gegensatz zu seinen letzten Besuch in Deutschland fehlten dieses Mal auf der Setlist „Chelsea Hotel No. 2“ und „Closing Time“. Dafür hatte Leonard Cohen auch Songs aus dem aktuellen Album „Old Ideas“ mit im Gepäck – eine gute Idee! An „Going Home“ denkt aber noch lange keiner der Zuhörer, „Come Healing“ und „Darkness“ sind ebenfalls auf dem neuen Album zu finden, und keine Spur schlechter als die Klassiker, die der Kanadier an diesem Abend zum Besten gibt. Etwa „Hallelujah“, viel kopiert und gecovert, aber nie so erreicht, wie Cohen es selbst interpretiert – und eigens für das Konzert auch gerne ein wenig abändert: „I did my best / it wasn't much / I couldn't feel, so I tried to touch / I've told the truth, I come to Berlin just to fool you“. Und berührt hat der fast 78-Jährige jeden an diesen Abend.

Was bleibt von diesem Abend? Die Erinnerung. Sollte es das letzte Mal gewesen sein, dass der Altmeister in Deutschland aufgetreten ist, so wusste jeder einzelne auf der Waldbühne und auch im Hockey Park, dass er dafür auf ewig dankbar sein werde, Leonard Cohen noch einmal gehört zu haben. Doch die Hoffnung, den Kanadier noch einmal hierzulande begrüßen zu dürfen, stirbt bekanntlich zuletzt. Vielen Dank für diese unvergesslichen Momente, Mister Cohen.

Diese Songs spielte Leonard Cohen am 5. September auf der Waldbühne Berlin: Dance Me to the End of Love – The Future – Bird on the Wire – Everybody Knows – Who by Fire – Darkness – Sisters of Mercy – Amen – Come Healing – In My Secret Life – Waiting for the Miracle – Going Home – Anthem – Pause – Tower of Song – Suzanne – Night Comes On – Heart with No Companion – The Gypsy's Wife – The Partisan – Democracy – Coming Back to You (gesungen von den Webb Sisters) – Alexandra Leaving (gesungen von Sharon Robinson) – I'm Your Man – Hallelujah – Take This Waltz – Zugabe: So Long, Marianne, First We Take Manhattan – Zweite Zugabe: Famous Blue Raincoat, Save the Last Dance for Me. 


Teilen:
Geh auf die Seite von: