Von Jasmin Freiberg 0
Serienstars als Kleiderständer

Leben wie Blair Waldorf in "Gossip Girl"? Ach, geht ja nicht!

"Ich möchte bitte auch jeden Tag neue Designerklamotten, einen Prinzen und eine eigene Dienstangestellte – vor allem aber die Designerklamotten!"- eine Modekolumne.

Sind wir doch einfach mal ehrlich! Wir bekommen manchmal schon gar nicht mehr mit, wer bei "Gossip Girl" gerade mit welchem Ex-Freund von welcher Freundin und aus welcher Familie zusammen ist oder wer zur Zeit, wen mit wem betrügt und dabei noch 15 Hotels und 17 Firmen auf einmal eröffnet. Wir verpassen auch mal die neuste Intrige, die niemals und auf gar keinen Fall herauskommen wird und egal wie enorm sie war, doch keine langwierigen Konsequenzen mit sich bringt.

Auch die Tatsache, dass man daraus aus Prinzip nicht lernt, kann schon einmal verloren gehen. Wir ärgern uns meist gar nicht über den plumpen Fakt, dass jeder mal an jedem knabbern darf, sondern haben ein ganz anderes Problem..

Designerkleidung vs "Made in Blangladesh"

Oftmals sitzen wir steif neben unserer Lieblingsfreundin, in der Hand ein Glas Billig-Sekt, am Körper die Klamotten von der Stange und stieren mit glänzenden Augen auf das tausendste glamouröse Outfit unser Wunsch-BFF Blair Waldorf. Mit Verdruss nehmen wir den Traum eines Märchenkleides wahr und unser Blick gleitet langsam an uns herab. Zuerst fällt er auf den billigen Sekt, den wir aus unserem Glas aus dem Möbelhaus schlürfen. Bestürzt stellen wir ihn zur Seite und begutachten unseren "Made in Bangladesh" - Fummel. Ausziehen lohnt sich nicht, denn unsereins kann die Garderobe nicht mal so eben gegen Designerstücke tauschen. Seufzend wenden wir uns wieder dem Fernseher zu und schon kommt Serena van der Woodsen ins Bild gestackselt. Ihre Wallemähne entlockt unserer Freundin ein neidisches Grunzen und nachdem dann die gesamte Pracht ihres nächsten coolen, perfekt abgestimmten Outfits auf dem Flimmerkasten erscheint, geht das Gemecker los: "Wie können die es sich leisten, alle drei Minuten im neuen Designerkostüm aufzulaufen?", "Guck dir mal den kleinen Kleiderschrank von Serena hat, da ist ja total unrealistisch!", "Wieso sind wir bitte nicht Töchter einer reichen Upper-East-Side-Familie? Das hat Papa extra gemacht, um mich zu ärgern!" usw.

Carrie Bradshaw und ein Gehalt von 3 Millionen Dollar?

Ich kann euch beruhigen: Sie können es sich gar nicht leisten. Nehmen wir doch mal ein Uralt-Beispiel: Carrie Bradshaw. In dem US-Blog "The Frenemy" wurde enthüllt, dass auch ihr Leben totaler Humbug ist. Passt auf! Carrie schreibt genau eine Kolumne pro Woche. Zwar ist sie ein Star auf ihrem Gebiet, dürfte aber nicht mehr als 4000$ im Monat dafür bekommen. Zieht man ihre Steuern ab, verfügt sie über ein Monatseinkommen von 3.850$. Ihr kleines Appartement auf der Upper East Side dürfte um die 1.800$ kosten. Damit bleiben noch 2.050$ für tägliche Taxifahrten, ihre sündhaft teuren Lunchausflüge mit den Freundinnen und für ihren Lieblingscocktail, den Cosmopolitan, den sie sich fast jeden Abend hinterkippt. Auch ihre Männer schlagen zu Buche.

Bevor sie ihren Mr. Big fand, musste sie schließlich so einige Frösche küssen und da es nicht beim Küssen blieb, dürfte ihre Kondom-Rechnung nicht allzu gering ausfallen. Kommen wir auch zu einem nicht unwesentlichen Punkt: Ihrer Kaufsucht! Und die befriedigt sie nicht so wie wir bei "Zara" oder "H&M".. Betrachten wir doch nur mal Carries Lieblingsschuhe: Manolo Blahniks. Ein mehr als einfaches Paar kostet um die 1000$!! Aber wie ist es möglich, dass sie davon mehr als genug hat? Ihr Geld steckt schließlich schon in der Geldbörse des Taxifahrers und in Verhütungsmitteln? Seht ihr, völlig unrealistisch!

Nun ist Blair die Tochter einer Designerin und Serena ein bekanntes It-Girl, aus diesem Grund kommen die beiden leicht an kostenlose Designerware. Allerdings dürfte das und auch ihr eigener Geldbeutel nicht reichen, um täglich neue, edle Kleidung zu präsentieren. Sogar Leighton Meester, die Blair verkörpert, sieht das so und fände es selbst schwierig, jeden Tag eine andere Tasche hervorzuzaubern.

Eine Kindergärtnerin mit Designerklamotten

Aber dieses Klamotten-Phänomen gibt es nicht nur in den Serien, die irgendwie auch darauf ausgelegt sind. Auch die fünf Freunde von "How I Met Your Mother" tragen, mal abgesehen von Ted und seinen roten Stiefeln, selten dasselbe Outfit zwei Mal. In einer Folge wurde diese Thematik sogar aufgegriffen. Dort ging es um Lilys vollen Kleiderschrank, der aus einem hohen Schuldenberg gewachsen ist. Begeistert über ein so realitätsnahes Problem waren wir wahrscheinlich alle gespannt, was die Lösung des Problems ist. Ganz ausgezeichnet war es dann, als herauskam, dass das Problem nicht durch den Verkauf ihrer Klamotten beseitigt wurde.

Lily kam einfach an ausreichend Geld, indem sie ein Bild bzw. den wertvollen Rahmen dazu verkaufte. Damit war das Problem dann auch aus der Welt und kam nie wieder zur Sprache. Super, gehen wir doch alle Designersachen shoppen und malen dann ein Bild!

Fakt ist jedenfalls, dass wir keinen Grund zum Neid auf unsere Lieblingscharaktere haben. Im echten Leben funktioniert der sekündliche Designerwechsel einfach nicht und auch die größten Stars können sich ein Leben à la Blair Waldorf schwer leisten. Und die Frage ist ja auch noch, zu welchem Preis? Ich für meinen Teil, trage lieber "Zara" und muss mich für meine Kleiderwahl nicht rechtfertigen, wenn sie mal in die Hose geht. Was sie natürlich nie tut.


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