Von Olga Lügenscheidt 0
Ghetto-Retro-Chic?

Lana Del Rey: Königin der ausgelutschten Retro-Herzen

Seit dem Megahit "Video Games" und spätestens seit Erscheinen ihres Albums "Born to Die" gilt: Alle Reden über Lana Del Rey. Da will natürlich auch unsere knallharte Modebloggerin Olga Lügenscheidt nicht nachstehen. Sie widmet sich in ihrem neuesten Erguss dem Ghetto-Retro-Chic, den die Amerikanerin zur Schau trägt.


Nein, das ist keine neue Schlager-Musikerin, die sich einen Namen a lá Route 66 American Golden Days ausgesucht hat. Es ist die gute Lizzy, die ihre Musikkarriere etwas ins Rollen bringen wollte und sich gedacht hat: würfle ich mal alle Mode- und Musikstile zusammen, irgendetwas wird schon dabei heraus kommen!

Tolle, voluminöse Haare, Kusslippen und eine Stimme, die so sexy, so rauchig, so einlullend ist, dass die Welt seit ihrer Entdeckung auf dem Kopf steht. Ja, ich spreche hier von der amerikanischen Kitsch-Sängerin Lana Del Rey. Alles im Leben der schönen Nachtigall scheint wirklich perfekt zu sein. Die Gute schneidet ihre ersten Videos selbst und stellt sie auf Youtube online, haucht zart ins Mikrophon und haut einen Spitzentrack nach dem anderen raus. Sehnlichst wartete die Musikwelt auf ihr erstes Album "Born to Die", das nun endlich vor wenigen Tagen erschienen ist. Alle halten den Atem an, während große Fashion-Magazine wie Vogue oder Elle das neue Popgesicht in den Himmel heben und die Lobeshymnen gar nicht mehr aufhören wollen!

Bilder von Newcomerin Lana Del Rey

Aber sich ein Vogelnest auf den Kopf zu setzten und im roten BH durchs Video zu tänzeln, während man an nem Joint zieht, ist doch reichlich fantasielos. Da würde ich Lady Gaga und ihren untragbaren, aber oftmals sehr unterhaltsamen Outfits noch mehr Exklusivität zusprechen als Del Rey, die auf einem Thron zwischen zwei Tigern sitzt. Retro, künstliche Nägel und ein bisschen Chic des alten Hollywoods sind doch alles schon längst ausgelutschte Trends, die immer wieder kommen und nicht gerade für Innovation stehen.

Ich weiß, ich weiß, viele werden jetzt aufschreien und die süße, vollmundige und blutjunge neue Indiequeen in Schutz nehmen, aber hört euch erst einmal an, was ich zu sagen habe und urteilt – wie ich – immer erst danach!

Nicht genug, dass diese Neuentdeckung fünf Mal am Tag auf jedem Radiosender, in jeder Musik-Tv-Sendung rauf und runter gespielt wird und auf jedem Blog sich mindestens drei Tags mit ihrem Namen finden, jetzt steigt Del Rey auch noch ins Modebusiness ein und darf bei Next Model Management neben It-Girls wie Alexa Chung und Alice Dellal im Modezirkus mitmischen! Alles ziemlich fad. Ein hübsches Gesicht hat sie, auch schöne Haare, aber wirklich bekannt für ein hervorragendes Fashiongespür ist die Sängerin doch nicht, oder? Ein bisschen Make-Up, abgeschnittene Jeans und ein Print-Shirt, das wird nicht wirklich die Modewelt verändern! Natürlich gönne ich dem schönen Mädchen den Erfolg, aber einen Menschen seit einem halben Jahr derart zu hypen ist einfach zu viel! Elizabeth Grant hat anfangs versucht mit dem Namen Lizzy Grant bekannt, entdeckt zu werden und musste zu sehen, wie ihre Anstrengungen erfolglos blieben. So wurde der Name mit einer eher weniger gewöhnlichen und nach nichts klingenden Variante umgetauscht – und geboren wurde die verruchte Ghetto-Hipster-Braut Lana Del Rey! Hört sich irgendwie auch nicht geil an. Aber naja, lässt sich eben wahnsinnig verkaufen und viel besser promoten als eine schüchterne, kleine Lizzy!

Lana hat es geschafft, uns alle in Sekundenschnelle zu verzaubern, aber ist der Ghetto-Schick mit gefakten Glitzer-Nägeln und immer gespitzten (und vielleicht aufgespritzten) Lippen ein modischer Style, den es nachzumachen gilt? Ich denke eher nicht, denn Musik und gute Stimme hin oder her, alles was so heiß gekocht wird, ist schon längst wieder out und wird nicht mehr gebraucht!

Ich kann auch wirklich keinen Artikel mehr über die neue Hipster-Queen lesen, bei dem sie das Interview nach 17 Minuten abbricht, weil sie einen negativen Vibe gegenüber ihrer Musik verspürt und so nicht arbeiten kann! Höre ich da etwa Diva-Allüren heraus? Ach, Lana, nicht jeder kann deine zum Teil aufgesetzte, exzentrische Art und kitschigen Lieder ab! Nicht jeder hat das letzte halbe Jahr an deinen Lippen gehangen und jeden Schritt verfolgt, den du gemacht hast! Es zählen auch andere gute Musiker, andere schöne Frauen, denn die Fashionwelt sollte vielfältig sein und sich nicht um einen Stern drehen.

So genug von Miss Del Rey geredet, demnächst werden wir uns auch wieder wichtigeren Themen und größeren Fashionfauxpas widmen, wenn es wieder heißt, Olga Lügenscheidt und ihr großes Mundwerk! Bis dahin eine schöne Woche. Bisous.


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