Von Mark Read 0
Das Album ist da

Lana Del Rey: "Born to Die" - die Wiedergeburt des Entdeckertums

Sie kam aus dem Nichts und eroberte die Charts mit einer interessanten Mischung aus Retro-Optik und Lolita-Charme. Nachdem Lana Del Reys Single "Video Games" bereits im Dezember die Spitze der deutschen Charts eroberte, legt die Amerikanerin nun mit ihrem ersten Album "Born to Die" nach.


Bilder von Newcomerin Lana Del Rey

Die Erwartungen an das lang erwartete Album sind groß. "Video Games" war der ungewöhnlichste, aufregendste Pop-Hit seit langem. Hier schien endlich einmal eine Sängerin von der Erfolgs-Formel abzuweichen und mit einer ungewöhnlichen Mixtur aus Retro-Klängen und verführerischer Stimme eine eigene Nische zu suchen. Schafft es Lana Del Rey auf "Born to Die", das in der Single gemachte Versprechen einzulösen?

Nun, jedenfalls lässt sich festhalten, dass die Amerikanerin auf dem Album ihrem Stil treu bleibt. Mit ihrer eindringlichen Stimme singt Lana Del Rey Texte, die zwischen unerfüllter Liebe und düsterer Weltanschauung pendeln. Die Musik dazu ist geprägt von sanften, getragenen Beats. Orchester und elektronische Soundschnipsel umarmen sich, während Elizabeth Grant die nihilistische Lolita gibt.

"Born to Die" ist definitiv kein Album für Jedermann und es verlangt dem Hörer etwas ab. Leicht Kost hört sich anders an. Doch lässt man sich auf den Soundcocktail ein, den die 25-Jährige gebraut hat, wird man schnell abhängig. Schon das Titellied, mit dem das Album eröffnet wird, saugt den Hörer in die düstere Klangwelt ein. Im nachfolgenden "A Day at the Races" zirpt die Sängerin einen fast schon zuckersüßen Refrain, der in schönem Kontrast zu den schleppenden Strophen steht.

"Blue Jeans", das zusammen mit dem Hit "Video Games" vorab veröffentlicht wurde und Lana Del Reys Aufstieg einleitete, ist schon fast das beschwingteste Stück auf der Platte. Im weiteren Verlauf hat das Album noch einige Überraschungsmomente parat. Etwa "National Anthem", wo die Mischung aus Pop, Hip-Hop und 60s-Soul besonders gut funktioniert. Dazu noch leichte Sozialkritik: "Money is the reason we exist / It's a fact, Kiss kiss"

Auch das düster scheppernde "Dark Paradise" mit seinem starken Refrain oder das schräge schunkelnde "Million Dollor Man" wissen auf Anhieb zu Gefallen. Wenn mit "Summertime Sadness" dann auch noch die schwungvolle Hymne für alle jene folgt, denen die Sommer-Party-Kultur zuwider ist, kann eh nichts mehr schief gehen. "Born to Die" hält also, um die Frage vom Anfang aufzugreifen, das Versprechen, das "Video Games" abgegeben hat. Es ist das erste Pop-Album 2012, das dem Hörer viel zu entdecken gibt und das eine eingehende Beschäftigung lohnt. Mit Lana del Rey ist, das kann man nun festhalten, ein großes Talent auf die Bühne des Musikgeschäfts getreten. Der Hype war in diesem Fall ausnahmsweise mal berechtigt.

Bilder von Newcomerin Lana Del Rey


Teilen:
Geh auf die Seite von: