Von Kati Pierson 0
Sprungbrett für Konrad Wissmann

Konrad Wissmann: "Parole" - Mischung aus Leichtigkeit und Leidenschaft

Newcomer Konrad Wissmann ist heute unser Sprungbrett-Kandidat. Er hat eine bemerkenswerte Stimme, ein verschmitztes Lächeln und ein Debütalbum mit der Leichtigkeit und Leidenschaft der Franzosen Aznavours, Bécauds und Dutroncs. "Parole" heißt das Album.


Konrad Wissmanns Debütalbum flattert bei uns auf den Schreibtisch. "Parole" heißt der Silberling, der seit Freitag, den 31. Mai in den Regalen der Musikgeschäfte liegt. Beim Anblick des Plattencovers denken wir unwillkürlich an den jugendlichen Rebell der frühen 50er Jahre - Jeans Dean. Shirt und Jeans lassen einen trainierten Body erahnen. Die Lederjacke hat er lässig über die Schulter geworfen. Die Zigarette steckt angezündet im Mund. Der Typ ist was fürs Auge, keine Frage - aber auch was für's Ohr?

Konrad Wissmann - wer ist das bitte schön?

Das Album dreht sich im Player. Eine bemerkenswerte Stimme tönt uns da entgegen. Sie gibt den Texten der Titeln erst den richtigen Sinn. Einige Titel der CD kennen wir. Gilbert Bécauds "Nathalie" schallt uns aus den längst weit aufgedrehten Boxen auf Deutsch entgegen. Auch Götz Alsmanns "Du lässt dich gehen" klingt seltsam fremd und doch so unheimlich vertraut. Aber wer ist der Typ da auf der CD?

Wir recherchieren ein wenig. Wissmann ist ein waschechter Hamburger Jung. Er ist ein 28-jähriger Flaneur, gedankenvoll, selbstironisch, den Schalk im Nacken. Mit offenen Augen für die anderen und trotzdem ganz bei sich. Nur mit einem kann er nicht dienen "Ich bin kein gebrochener Musiker mit schwerer Kindheit," lacht er, "tut mir leid, diese Geschichte habe ich nicht zu bieten. Ich hatte auch noch nie Lust, mir irgendeine Attitüde zuzulegen - Avantgarde, Independent, was auch immer."

Spaß ohne Zwang - wenn der Druck weg ist, dann ist die Musik da

"Mein größtes Glück ist die Freiheit, ich selbst sein zu dürfen." Nachlaufen musste der Norddeutsche diesem aber nicht. Musik ist sein Leben. Schon als Kleinkind werden Gegenstände zu Instrumenten. Hauptsache ihnen ist ein brauchbarer Ton zu entlocken. Seine Eltern wurden aber bald in ihrer Euphorie gedämpft. Der Versuch ihn mit Klavierstunden zu fördern scheiterte. "Das hat mit mir nicht funktioniert, Musik in so eine feste Struktur zu pressen", erklärt der Sänger. "Ich lebe Musik eben einfach, wie es mir gerade gefällt, und das war als Kind wohl auch schon so."

Mittlerweile könnte Konrad sich singend an Schlagzeug, Gitarre oder Bass begleiten, sogar am Klavier. Seine Ferien verbringt der Sänger regelmäßigen im sommerlichen Süden Frankreichs. So wird das savoir vivre und vor allem die Musik dieses Region ein Bestandteil seines Ichs. Aznavours, Bécauds, Dutroncs sind für Konrad mehr als nur Urlaubsuntermalung. "Diese Mischung aus Leichtigkeit und Leidenschaft ist bei mir auf ganz weit geöffnete Ohren gestoßen und hat sich schnell dort eingenistet", so Konrad. "Ich weiß nicht, ob das die Initialzündung war, aber ganz sicher reifte anschließend immer mehr die Idee, dass Musik meine Berufung sein könnte."

Vom der Band "Ruben Cossani" zur eigenen "Parole"

Es entstehen erste eigene Songs. Auf dem Hamburger Kiez trifft er auf Michel van Dyke. Gemeinsam mit ihm und dem Drummer Leo Lazar gründen sie die Formation "Ruben Cossani". Was ihm davon blieb ist die Bühnenerfahrung und die deutsche Sprache in der Musik. Nach dem finalen Live-Album von Ruben Cossani, das sie treffend mit „Zu gut für diese Welt“ betiteln, wartet er auf den Kuss der Muse und diese verfehlt ihr Ziel nicht.

Spielfreude und Urlaubserinnerungen seiner Kindheit und Jugend veranlassen ihn dazu dem Sound der alten französischen Garde ein frisches, eigenes Gesicht zu verpassen. So ist sein Solo-Erstling "Parole" entstanden. Es strotzt vor Ehrlichkeit und Direktheit, voll hintergründigem Humor und echtem Gefühl. Das Album ist Konrad Wissmann - ganz nach eigenem Gusto, ohne Kompromisse. Mit augenzwinkernder Nonchalance bedient er sich in den 50ern, 60ern, 70ern und den dem 21. Jahrhundert. Er spielt mit Stilmitteln aus Jazz, Chanson und heutigem Singer/Songwriter-Pop. Es entsteht eine eigene Mischung aus Leichtigkeit und Leidenschaft.

Anspieltipps der Redaktion: "Irgendwer hat's mir gesagt", "Nathalie", "Du lässt Dich gehn", "Sie", "was wird aus mir" und "Was hält Dich noch zurück"


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