Von Mark Read 0
Albumkritik

Ivy Quainoo: Karriere-Start mit einem dicken Ausrufezeichen

Im Februar gewann sie bei "The Voice of Germany", nun hat Ivy Quainoo ihr Debütalbum "Ivy" veröffentlicht. Der übliche Castingshow-Plastikpop? Oder doch eine positive Überraschung? Wir haben genau hingehört - und sind schwer beeindruckt!


"The Voice of Germany" trat mit einem klaren Vorsatz an. Man wollte anderes sein als die Castingshow-Platzhirsche von DSDS oder Popstars. Anstatt nach Vermarktungspotenzial zu casten, sollte die Stimme der Kandidaten im Vordergrund stehen. Ivy Quainoo entwickelte sich erst spät zur Top-Favoritin der Show, holte sich aber dann völlig verdient den Sieg. Die 19-jährige Berlinerin deutete im Finale mit einem großartigen Duett mit Florence + The Machine und dem selbst geschriebenen Siegertitel an, dass in ihr viel Potenzial schlummert.

Besagter Siegertitel "Do You Like What You See" eröffnet das Album, und unterstreicht noch einmal, dass Ivy Quainoo aus zumindest etwas anderem Holz geschnitzt ist als andere Castingshow-Sieger. Die geschmeidige Soul-Rock-Nummer wird von verzerrten Gitarren und starken Bläsern getragen und empfiehlt sich als Titellied für den nächsten James-Bond-Film. Hätte man sich einen Pietro Lombardi oder Daniel Schuhmacher mit einer solchen Debütsingle vorstellen können? Nein, und man will es auch gar nicht.

Danach geht es weniger abenteuerlich weiter: "Shark in the Water" ist eine konventionelle, aber gut gemachte Pop-Nummer, und mit "Break Away" kommt die unvermeidliche Ballade. Allerdings zeigt sich schon hier, dass Ivy mit ihrer ausdrucksstarken Stimme auch aus herkömmlichem Material viel herausholen kann. Von kitschigem Tränendrücker-Pop ist "Break Away" jedenfalls weit entfernt.

"Walk Man" geht richtig nach vorne. Unterstützt von feurigen Backgroundchören, versucht Ivy, ihre innere Kratzbürste ans Tageslicht zu locken. In "You Got Me" geht es ebenfalls um die verflossene Liebe, allerdings wird Ivy im Refrain hier ein wenig zu dramatisch. In "I Say a Little Prayer" schauen Ivys Coaches aus "The Voice of Germany". Und auch wenn man von The BossHoss halten kann, was man will, der Song ist locker und geht sehr gut ins Ohr - auf nicht anbiedernde Weise.

Schade, dass "Whatever You Do" ein eher banaler Sommersonne-Hit kommt, den Ivy so nicht nötig hätte. Das beweist sie im wesentlich besseren "Glass Houses", einer dramatischen und gut arrangierten Pop-Nummer. Gegen Ende hin leistet sich das Album keine Ausreißer mehr nach unten. Mit "Richest Girl" stellt Ivy sogar eine richtig schöne Schunkelpop-Nummer auf die Beine. "Soul Suckers" lässt noch einmal wohlige Gänsehaut-Atmosphäre aufkommen.

Und dann der Bonus-Track: "Shake it Out"! Das Duett mit Florence + The Machine aus dem "The Voice"-Finale. Auf höchstem Niveau spielen sich Ivy und Florence Welch hier die Bälle zu. Das ist ganz großes Kino und der endgültige Beweis dafür, dass Ivy Quainoo mehr draufhat als die herkömmliche Castingshow-Siegerin. Sie ist kein Produkt, sie ist eine Künstlerin mit Ambitionen und eigenen Ideen. Das merkt man ihrem Debütalbum "Ivy" zu jeder Sekunde an. Mag auch nicht jedes Lied in höchsten Sphären schweben, so ist das Album als Ganzes sehr gut anzuhören und hat mehr Anspruch als alle DSDS-Sieger-Veröffentlichungen zusammen. Es bleibt Ivy nur zu wünschen, dass sie ihr Potenzial auf den hoffentlich noch folgenden Veröffentlichungen noch weiter ausreizt.

Highlights: Do You Like What You See, Break Away, Walk Man, Castles


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