Von Kati Pierson 0
Echo 2012

Ina Müller: Das ist ihr Echo-Album "Das wär' dein Lied gewesen"

Ina Müller, die Quasselstrippe aus dem Schellfischposten in Hamburg, hat am Donnerstag mit ihrem aktuellen Album den Echo abgestaubt in der Kategorie "Pop/Rock national". Ihr kennt das Album noch nicht?


Das war ihr Abend. Zusammen mit Barbara Schönemann moderierte Ina Müller dieses Jahr die Echo-Verleihung. Wie schon im vergangenen Jahr sorgte die Moderatorin von "Ina's Nacht" - der ARD-Show aus dem Hamburger Schellfischposten - für einiges Aufsehen.

Letztes Jahre eroberte sie galant den Schoß von Sony-Chef Edgar Berger und EMI-Chef Wolfgang Hanebrink udn wollte wissen, ob es eine Frau mit 45 noch schaffen kann sich hoch zu schlafen auf Platz eins.  Dabei hat sie das ja gar nicht nötig. Das schafft sie auch mit ihrer Musik und quirligen Moderationen.

A propros Musik: Die wollen wir jetzt vorstellen. 2004 kommt ihr erstes Solo-Album auf den Markt, "Das große Du". 2006 legt sie nach mit "Weiblich, ledig, 40". 2008 kommt Solo-Album Nr. drei mit dem schönen Namen "Liebe macht taub". Nach einem Abstecher 2009 ins Plattdeutsche mit "Die Schallplatte - nied opleggt" veröffentlicht sie am 18. Februar 2011 "Das wär Dein Lied gewesen".

Für "Weiblich, ledig, 40" und "Liebe macht taub" hat sie bereits Gold und Platin erhalten und daran arbeitet sie mit der neuen Platte auch gerade.  Wobei sie Goldschon erreicht hat.

Ihre Alben sind aus dem Leben gegriffen - vielleicht macht das ja ihren Erfolg aus. Beim aktuellen Album erlebt man Antworten auf die wichtigsten Fragen des Lebens aber auch klare Ansagen an vergangene Liebesbeziehungen.

Gleich der erste Song und auch der Namensgeber ist so eine knallharte Abrechnung. "Das wär Dein Lied gewesen" ist der Versuch ein Liebeslied über eine große Liebe zu schreiben, aber es fällt partou nichts erwähnenswertes ein. Wieso war ich eigentlich mit dem zusammen?

Doch wer jetzt auf ein Herz-Schmerz-Album hofft, der wird enttäuscht. Die einzelnen Stücke des Albums könnten vom Text und auch von der Musik unterschiedlicher kaum sein.

Frech und spritzig und auch ein wenig kopflos kommt sie in "Die Nummer" daher. PIN? Telefon-Nummer? Schuhgröße? Nummerschild? Hausnummer? - Fehlanzeige! "verdammt die einzige Nummer, die ich mir heute merken kann - ist die gestern mit dir."

"Ja ich will" - aber leider nicht so wie der Antragsteller. Kennen sie das auch peinliche Anträge mit geschmetterten schrägen Liebesarien und überdimensionalen Leuchtreklamen? Ina Müller kann davon jedenfalls ein Lied singen.

Aber auch bei ihr gibt es eine andere eine melancholische Seite und die findet sich in der wunderschönen Ballade "Fast drüber weg" wieder. Das perfekte Lied für Selbstmitleid bei Liebskummer.

Die ganzen B-Promis, die alles anstellen um auf die Titelseiten der Illustrierten zu gelangen, werden in "Paparazzia" auf's Korn genommen. Wie heißt ein Sprichwort: "Jüngere Männer sind dankbarer" - diese Erfahrung hat wohl auch Ina Müller gemacht - denn in "Mit Mitte 20" beschreibt sie die Vorzüge jüngerer Liebhaber charmant, witzig und genießerisch.

Frauen heischen derzeit nach "Gleichberechtigung" und wem geht das am meisten auf die Nerven? - Richtig anderen Frauen. Ina singt's in einer peppigen Nummer und etwas überspitzt, aber sie trifft den Nagel auf den Kopf.

Das ist "Mr. Right". Das ist der Prinz der Träume! Und dann? - Dann springt dieser blöde Funken nicht über? Er ist einfach perfekt! Aber das Herz hat "Gar nicht gepeilt". Kennen sie noch Oasis? Diese Britpop-Band aus England? In "Brittpopp" wird diese Invasion der 90er Jahre textlich und musikalisch auf die Schippe genommen.

Die "Handtaschen" der Frauen sind ein Mysterium für so machen Mann. In dieser poppigen-verschmizten Up-Tempo-Nummer wird auch dieses letzte Geheminis der Frauen gelüfftet.

Die stärkste Nummer des Albums ist eindeutig "Fremdgehen". Es ist eine gefühlvolle Ballade, die eigentlich nur die Sehnsucht nach dem Neuentdecken des aktuellen Partners. Sich einmal nicht kennen, keine vorgezeichneten Weg, keine Alltagstrott - zwei Unbekannte im billigen Hotel, ein Spiel mit dem Feuer. Solange tun als ob bis es sich anfühlt wie "Fremdgehen".

"Podkarsten" ist die süffisante Parodie über die Social Networks und die Leute, die gegen Spionage protestieren, aber dort alles online stellen.

Zum Schluss wird es noch mal wieder gefühlvoll. Die Ballade "Wenn Du das erträgst" beschreibt nicht das Album. Das lässt sich weit mehr als gut ertragen. Es geht um Lückenfüller - Menschen die nur da sind, weil man eigentlich gerade nichts besseres findet. Die ihrerseits aber schwer verliebt sind. Im eigenen Leben aber keine erste Rolle spielen.

Ihre Alben der Vergangenheit strotzten vor Kalauern. Das Album ist gefühlvoller und läd eher zum Schmunzeln und Augenzwinkern ein, denn zum Schenkelklopfen. Aber genau das macht dieses Album so herzlich ehrlich und saugut.


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