Von Mark Read 0
Im Promipool-Check

"I'm With You": Die Wiedergeburt der Red Hot Chili Peppers

Das zehnte Studioalbum der Red Hot Chili Peppers ist für die US-Band eine Art Neubeginn. Die Band nutzte den Abschied von Gitarrist John Frusciante, um ihren üblichen Sound ein wenig zu verändern. Herausgekommen ist ein interessantes, unterhaltsames Album - aber auch eines, das einigen alten Fans eher weniger gefallen dürfte.


Über Jahre hinweg war John Frusciante eine integrale Figur im Sound der Red Hot Chili Peppers. Der Gitarrist feierte 1999 nach sieben Jahren sein Comeback bei den Funkrock-Helden und war seitdem am Megaerfolg der Band maßgeblich beteiligt. "Californication" (1999), "By the Way" (2002) und zuletzt "Stadium Arcadium" (2006) waren echte Blockbuster-Alben, die Frusciante mit seinem unverwechselbaren, melodischen Gitarrenspiel prägte. Doch spätestens beim Doppelalbum "Stadium Arcadium" zeigte sich, dass Frusciante und der Rest der Band unterschiedliche musikalische Vorstellungen hatten. Das Ergebnis war ein stellenweise großartiges, oft aber auch langweiliges Album mit auffallend viel Füllmaterial. Frusciante verließ 2009 die Chili Peppers zum zweiten Mal - diesmal ohne Streit und diesmal endgültig. Nun können sich die Fans davon überzeugen, ob es auch ohne den Star-Gitarristen und mit seinem Nachfolger Josh Klinghoffer funktioniert.

Vorweg gesagt: Ja, es funktioniert. Das neue Album "I'm With You" klingt stellenweise durchaus nach den alten Chili Peppers, ist aber trotzdem anders als alle seine Vorgänger. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Klinghoffer ein anderer Gitarrist ist als Frusciante. Er setzt sein Instrument viel sparsamer ein, und generell ist die Gitarre im Vergleich zu früher eher im Hintegrund. Wichtiger sind für die Band nun andere Instrumente, zum Beispiel das Klavier. Der dramatische Song "Even You, Brutus?" etwa überrascht mit abgehackten Piano-Akkorden und einer düsteren Atmosphäre. Anders ist auch, dass Anthony Kiedis nun in seinen Texten vermehrt ernste Themen anspricht. Als Beispiel sei hier das wunderschöne "Brendan's Death Song" genannt, eines der absoluten Highlights auf diesem Album. Die Chili Peppers zollen in ihrem mittlerweile 29. Dienstjahr dem Alter Tribut, und das auf eine würdevolle Art und Weise.

Doch das soll nun keineswegs heißen, dass sie nicht mehr zu rocken verstehen. Wer die wüsten, dreckigen Funk-Stücke von früher vermisst, wird auf "I'm With You" zwar wieder nicht fündig werden, doch trotzdem gehen Lieder wie "Monarchy of Roses", das ungerade "Ethiopia" oder "Look Around" klar nach vorne. Sie sind tanzbar und trotzdem nicht seicht. Überraschenderweise ist die Vorabsingle "The Adventures of Rain Dance Maggie" im Vergleich zu einigen anderen Liedern fast schon schlecht. Zumindest weniger interessant im Vergleich zu einem wunderbar melodischen Stück wie "Police Station".

Insgesamt ist "I'm With You" ein überraschend gutes Album geworden, das um einiges interessanter ist als sein Vorgänger. Vielen Fans der älteren Generation dürfte der Weg zwar nicht gefallen, den die Chili Peppers hier eingeschlagen haben, doch er ist nur konsequent und die Band geht ihn souverän. Es mag erstaunlich klingen, und man hätte es nicht für möglich gehalten, doch: Eigentlich vermisst man John Frusciante gar nicht.

Highlights: Monarchy of Roses, Brendan's Death Song, Police Station, Even You Brutus?


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