Von Nils Reschke 0
Schiffsverkehr 2012

Herbert Grönemeyer und der emotionale Abschied vom Ruhrstadion

Seine Tour „Schiffsverkehr“, die zweite nach 2011, ist gerade erst gestartet. Doch das Konzert in Bochum kann eigentlich gar nicht übertroffen werden. Es wird laut, es wird gefühlvoll. Und es wird ein emotionaler Abschied von dem Stadion, in dem Herbert Grönemeyer zu Hause ist.


Dienstagabend, kurz vor 19 Uhr: Noch eine Stunde bis zum Konzertbeginn, aber nichts geht mehr auf der Castroper Straße. Dort, wo das altehrwürdige Ruhrstadion mitten in der Stadt steht. Ganz Bochum ist auf den Beinen, 27.000 Menschen wollen den wohl bekanntesten Sohn der Stadt huldigen. Nachdem „Die Orsons“ das Vorprogramm gemeistert haben und „La Ola“ gleich mehrfach durch das Stadion schwappte, ist es um 20.15 Uhr dann endlich soweit: Herbert Grönemeyer betritt unter tosenden Beifall die Bühne, um das Konzert seiner Tour „Schiffsverkehr“ mit eben jenen Lied einzuläuten. Das erste von insgesamt 29 Songs und drei Stunden voller Energie. Herbert liebt Bochum, Bochum liebt seinen „Härbärt“ – das ist von der ersten Zeile an zu spüren. Das Konzert nimmt Fahrt auf. Diejenigen, die eigentlich einen Sitzplatz reserviert hatten, stehen trotzdem. Was viele da noch nicht wissen: Es wird Herbert Grönemeyers letzter Auftritt im Ruhrstadion, das heute Rewirpowerstadion heißt, sein. Konzerte wird es dort aus Sicherheitsgründen nicht mehr geben.

2012 soll sich also hier der Kreis schließen, nachdem die Stadt Bochum in Zukunft aus Sicherheitsgründen hier keine Konzerte mehr stattfinden lassen will. Dort, wo 1984 alles begann für Herbert Grönemeyer. Sein erster Besuch im Ruhrstadion, sein Album „4630 Bochum“, das den Durchbruch bedeutete. Da dürfen natürlich die Auskopplungen „Männer“ und „Alkohol“ nicht fehlen, die die Massen so richtig einheizen. Die Klassiker gehen eben immer, die Zuschauer gröhlen siegestrunken wie bei einem Sieg ihres VfL schon früh am Abend „Bochum“ mit, eingeleitet natürlich durch das Steigerlied. Und sie stellen sich die bange Frage: Spielt Herbert uns seine Liebeserklärung an die Stadt noch ein zweites Mal? Er wird es tun, doch vorher fragt Grönemeyer selbst: „Was soll das“? Und dann gibt es erst mal eine „Currywurst“.  Was für ein Abend, was für ein grandioses Wetter auf diesem Open Air. Dass Bochum „keine Schönheit“ sein soll, ist in den drei Stunden nun wirklich nicht auszumachen.

Platz bleibt auch für die ruhigeren Momente. Als Grönemeyer „Der Weg“ anspielt, horchen 27.000 Menschen gebannt zu. Keiner rührt sich, alle haben einen Kloß im Hals. Es ist Herberts Erinnerung an seine Frau Anna, die früh verstarb. Zwei Tage vorher war sein Bruder Wilhelm bereits gestorben. Über ein Jahr brauchte der Künstler, um diese Schicksalsschläge zu verarbeiten. 18 Songs sind absolviert, doch natürlich entlässt die begeisterte Menge ihren Herbert noch lange nicht. Erste Zugabe, Bochum „Land unter“. „Der Wind steht schief, die Luft aus Eis“ sorgen für Gänsehaut an diesem warmen Sommerabend. Die Sonne verabschiedet sich langsam, Grönemeyer macht weiter, lässt es bei „Demo“ kribbeln, die Menschen bei „Zeit, dass sich was dreht“ singen, bei „Mambo“ tanzen. Und bei „Flugzeuge im Bauch“ liegen sich die Pärchen in den Armen. Was für eine Stimmung, was für ein Konzert! Die Gefühle fahren bei so viel „Schiffsverkehr“ Achterbahn.

Eigentlich ist das alles nicht mehr zu steigern. Wenn da nicht noch ein Versprechen wäre. Es ist ja nicht so, dass Herbert Grönemeyer im Alter ein wenig weiser geworden wäre. 2007 war es, da hatte sich der Sohn der Stadt erdreistet, „Bochum“ nur ein Mal zu spielen im Ruhrstadion. Es prasselte herbe Kritik von den Medien und Fans gleichermaßen auf ihn ein. „Nur, damit das zwischen uns geklärt ist: Sollen wir das heute noch einmal spielen?“, grinst Herbert förmlich ins Mikro. Und wie er soll! Dabei braucht er dieses Mal auch gar nicht mitsingen, das erledigen die Fans im Alleingang. „Bochum, ich komm aus dir!“ dröhnt es zum Abschied vom Ruhrstadion durch die Arena. Herbert Grönemeyer lässt den „Vollmond“ aufgehen. Danach ist auch er sprachlos. „Wir sind hin und weg“, kann der Sänger sein Glück nicht fassen.

Dienstagabend, Castroper Straße, kurz vor Mitternacht. Die Straßenbahnen überfüllt, glückliche Gesichter, wohin man schaut. Besser hätte ein Abschiedskonzert für das altehrwürdige Ruhrstadion nicht inszeniert werden können. Danke, Herbert! Glück auf, Bochum!

Diese Lieder spielte Herbert Grönemeyer in Bochum: Schiffsverkehr – Kreuz meinen Weg – Musik nur wenn sie laut ist – Halt mich – Bochum – Stück vom Himmel – Zu dir – Männer – Was soll das – Der Weg – Die Härte – Kopf hoch, tanzen – Wäre ich einfach nur feige – Alkohol – Mensch – Bleibt alles anders – Currywurst – Liebe liegt nicht. Erste Zugabe: Land unter – Demo – Zeit, dass sich was dreht – Zum Meer – Flugzeuge im Bauch – Glück. Zweite Zugabe: November – Ich will mehr – Mambo. Dritte Zugabe: Bochum – Vollmond.


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