Von Nils Reschke 0
Der Pool ist rund

Hamburger SV, FC Bayern & Mainz 05: Ein Killer und Queen Sylvie für die Bundesliga

Freddy Mercury besang sie einst, die „Killer Queen“. Der Song taugt in diesen Tagen durchaus als inoffizielle Hymne der Fußball-Bundesliga. Denn der Killer ist zurück und stürmt jetzt in Mainz. Königin Sylvie winkt wieder in Hamburg. Achja, und Rafael van der Vaart ist auch wieder da. Unserer Fußball-Kolumne „Der Pool ist rund“ begrüßt heute allerlei Prominenz und Adel im Oberhaus des deutschen Fußballs. Fehlt eigentlich nur Prinz Harry. Aber vielleicht überlegt der sich ja einen Einsatz als Flitzer. Mal abwarten...


Streng genommen gibt es beim Hamburger SV ja schon lange keine Superhelden mehr. Und irgendwie möchte es auch keiner sein. „Ich bin kein Supermann“, dämpfte also der „verlorene Sohn“ Rafael van der Vaart nach seiner Rückkehr zu den Rothosen die Erwartungen vorsichtshalber. Und als habe Sportdirektor Frank Arnesen von diesem Interview abgespickt, ließ auch er gleich wissen: „Ich bin kein Supermann.“ Aha! „Ich mache auch Fehler, nicht viele, aber ich mache sie.“ Spätestens jetzt ist der letzte HSV-Fan aufgeschreckt. Es geht ja wohl kaum um die Quantität, als vielmehr um die Qualität eines Fehlers.

Verwundert tuschelt die halbe Liga hinter vorgehaltener Hand jedenfalls schon einmal, wie die – zugegeben: relativ blanke – Schatzkammer des HSV sich einen Transfer von 13 Millionen Euro leisten kann. So viel musste für Rafael van der Vaart nämlich hingeblättert werden. Dazu reichlich Geld für Petr Jiracek und Milan Badelj – auch hier kamen noch mal acht Millionen Euro zusammen, plus 2,5 Millionen für den Karlsruher Hakan Calhanoglu vom Karlsruher SC, der allerdings erst im kommenden Sommer an die Elbe wechselt. Ein Königreich für einen Bundesligisten – fragt sich nur, ob das alles reicht, um weiter im Oberhaus mitzumischen.

Als Hofnarr betätigt sich derweil Trainer Thorsten Fink. Ob Rafael van der Vaart auch Abstiegskampf könne? Zu viel der Fragen für Fink: „Diese Frage stellt sich nicht, weil wir nicht gegen den Abstieg spielen werden“, polterte der Übungsleiter los. Gegen Werder Bremen im Nordderby sah das allerdings ganz anders aus. Okay, da fehlte „König Rafael“ noch. Zumindest auf dem grünen Rasen. Denn angereist war er ins Weserstadion mit einer ganzen Gefolgschaft. Ja, auch Königin Sylvie ist wieder zurück im hohen Norden. Wenigstens eine Person, die in trüben Hamburger Tagen für ein wenig Glitzer-Glitzer sorgt. Toll anzuschauen, attraktiv wie eh und je, eine Augendweide. Alles Dinge, die von der Hamburger Mannschaft nicht behauptet werden können.

Wie es richtig geht, zeigte dann auch im Nordderby ausgerechnet Werder Bremen den Rothosen. Viele junge Spieler, Transfers, die eingeschlagen sind und Sinn und Verstand haben, neuer Angriffswirbel in Grün-Weiß: Werder hat sich zurückgemeldet. Nach König Otto und den glanzvollen Jahren schwingt jetzt auch wieder König Thomas das Zepter mit voller Begeisterung. Und der Hofstaat in der Ostkurve schnalzt mit der Zunge. Davon haben sie zwei karge Jahre lang geträumt: Endlich taugt Werder Bremen wieder zu ganz viel Offensiv-Spektakel.

Das gilt übrigens auch für die Entthronten vom FC Bayern München. Der Krösus der Liga ließ die finanziellen Muskeln spielen. Rund um die Säbener Straße haben sie keine Bauchschmerzen, wenn ein 40-Millionen-Mann wie Javi Martinez präsentiert wird. Die Bayern zeigen, wo es lang geht. Und reizen sollte man sie nicht. Der VfB aus Stuttgart hatte das mit dem 1:0 durch Martin Harnik getan. Die Münchner Antwort: Ein Sixpack, fein in Häppchen serviert. Gegen die Schwaben sparten die Bayern nicht mit Toren und Furore. Auffällig: Kaum ist „Prinz Javi“ da, spielt die vermeintliche Konkurrenz auf seiner Position nicht nur gut, sondern trifft auch noch. Luiz Gustavo, Toni Kroos sowieso. Selbst Bastian Schweinsteiger meldete sich zurück aus dem „Off“.

Fast vergessen: Der „Killer“ ist auch zurück. Ivan Klasnic, jahrelanger Torgarant bei Werder Bremen, stürmt jetzt für den 1. FSV Mainz 05. Ob sich der Mann, der einst eine Niere von seinem Vater transplantiert bekam, gleich als Torschützenkönig empfehlen kann, sollte abgewartet werden. Die Sympathien fliegen ihm schon jetzt zu. So wie Sylvie und ihrem Rafael eben in Hamburg. Viel los also in der royalen Bundesliga.


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