Von Nils Reschke 0
Der Pool ist rund

Guten Rutsch! Die Bundesliga dreht jetzt schon mal durch

Von wegen besinnliche Weihnachtszeit: Die Bundesliga hat gerade erst die Pforten geschlossen, um ihre Winterpause einzuläuten, da dreht sich das Transferkarussell so mächtig wie selten zuvor. Das weiß auch unser Kolumnist Franz Kaiser in seiner letzten Ausgabe von „Der Pool ist rund“ in diesem Jahr.


Wenn eine Mannschaft in der Bundesliga nur neun Punkte in der Hinrunde holt, damit natürlich auf einem Abstiegsplatz steht und zudem auch erst ein Dutzend Tore kassiert und ein Heimspiel gewonnen hat, dann ist es meist der Trainer, der entweder selbst das Handtuch wirft oder aber eben vom Vorstand entlassen wird. Aber Coach Markus Weinzierl steht beim FC Augsburg, der exakt diese desolate Bilanz nach der Hinserie vorweisen muss, nach wie vor an der Seitenlinie. Stattdessen trennten sich die Schwaben völlig überraschend von ihrem Manager Jürgen Rollmann, der beim FCA gerade einmal zehn Wochen in dieser Funktion im Amt war. Was ist denn da los? So recht werden wir wohl kein Licht ins Dunkle bringen können. Rollmann selbst wollte sich nicht äußern. Stattdessen verwies der 46-Jährige auf seinen Anwalt. Trainer Weinzierl traf die Entscheidung wie ein Schlag. Er reagierte völlig überrascht, wusste von Rollmanns Rauswurf offenbar gar nichts. Und Jürgen Rollmanns Anwalt, Horst Kletke, ein Spezialist im Bereich Arbeitsrecht, sagt nur: „Wir äußern uns nicht, es ist ein schwebendes Verfahren.“ Der FC Augsburg spricht von „unüberbrückbaren Differenzen“ – was auch immer dahinter stecken mag. Im Schwabenländle bleibt es also auch während der Festtage spannend, wenn auch keineswegs besinnlich. Als sei die sportliche Bescherung nicht schon schlimm genug gewesen.

Nicht weit von Augsburg entfernt liegt Nürnberg mit seinem wunderschönen Christkindlmarkt. Doch auch in Franken stehen sie unter Schock. Denn der VfL Wolfsburg hat es schon wieder getan! Erst setzten die Niedersachsen ihren Trainer-Manager Felix Magath vor die Tür, dann warben sie Werder Bremen dessen Sportdirektor Klaus Allofs ab – und jetzt bedient sich der VfL in Nürnberg, wo das Wildern weiter geht. Dieter Hecking wurde als Übungsleiter verpflichtet und aus seinem bestehenden Vertrag herausgekauft. Moment mal? Hecking? Eigentlich wollten sie – bei allem Respekt – ja einen großen Namen in die VW-Stadt lotsen. Wer hätte zur Weihnachtszeit besser gepasst als Bernd Schuster, der „blonde Engel“, das personifizierte Christkind für den VfL? Bernd Schuster wird in Spanien vergöttert, führte Real Madrid als Coach auch schon einmal zum Meistertitel. Doch offenbar hat er sich verzockt. Schuster schwebte ein komplett neues Trainerteam vor, Neu-Manager Klaus Allofs wollte aber nur noch einem neuen Co-Trainer zustimmen. Und auf einmal platzte der fast schon sichere Deal. Jetzt kommt also Dieter Hecking, dessen Familie ohnehin nur rund 100 Kilometer von Wolfsburg entfernt wohnt. Im Hause Hecking darf also besinnliche Weihnachten gefeiert werden, während sie in Nürnberg nach eine schnellen Lösung suchten – und fanden. Glück für Wolfsburg: Hecking hatte eine festgeschriebene Ausstiegsklausel über 750.000 Euro. „Ansonsten hätte ich Dieter nicht ziehen lassen“, sagt FCN-Manager Martin Bader.

Bei Werder Bremen werden sie also tief durchatmen, denn nicht wenige hatten schon befürchtet, dass ihnen der VfL Wolfsburg jetzt auch noch Kult-Trainer Thomas Schaaf einfach so abwirbt. Doch ganz so besinnlich können sie an der Weser dann doch nicht das Fest genießen. Denn der nächste Ärger droht. Nicht Thomas Schaaf, aber Marko Arnautovic steht auf dem Wunschzettel der Niedersachsen. Das jedenfalls berichtet die Wolfsburger Allgemeine Zeitung. Man könne ja nicht ausschließen, dass es Transfers zwischen beiden Vereinen geben werde, hatte Klaus Allofs bereits direkt nach seinem Abgang aus Bremen betont. Jetzt macht er offenbar ernst und will den 23-jährigen Österreicher zu seinem neuen Verein lotsen. Wenn Wolfsburg und Allofs so weitermachen, werden sie in der Bundesliga jedenfalls bald nicht mehr gern gesehene Gäste sein. Na dann, frohe Weihnachten!


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