Von Nils Reschke 1
Theater wegen Steuer

Gerard Depardieu: Der Schauspieler gibt seinen französischen Pass ab

Das Maß ist voll. Im doppelten Sinne. Gerard Depardieu will den neuen Spitzensteuersatz in Frankreich nicht bezahlen und zieht nach Belgien um. Die scharfe Kritik deswegen konterte der Schauspieler drastisch.


Gerard Depardieu darf mit Fug und Recht zu den wenigen französischen Schauspielern gezählt werden, denen es auch fern der Heimat gelungen ist, internationale Erfolge zu verbuchen. In der aktuelleren Gegenwart nimmt es mit ihm eigentlich nur noch Jean Reno auf. Für seine Rolle als Cyrano von Bergerac erhielt er sogar eine Nominierung für den begehrten Oscar. Frankreich hätte also allen Grund, stolz auf seinen Landsmann zu sein. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die französische Regierung brachte es sogar so weit, dass der Schauspieler jetzt seine französische Staatsbürgerschaft aufgeben will.

Stein des Anstoßes war die geplante Erhöhung des Spitzensteuersatzes in Frankreich. Das veranlasste Gerard Depardieu dazu, seinen Umzug nach Belgien zu planen. Das wiederum rief Regierungschef Jean-Marc Ayrault auf den Plan. Der bezeichnete das Verhalten des 63-jährigen Mimen als eine „erbärmliche Flucht“. Die Antwort von Depardieu ließ nicht lange auf sich warten. Und irgendwie hat der Mann ja auch nicht Unrecht. Denn in einem offenen Brief schrieb Depardieu in der Sonntagsausgabe des Magazins „Journal du Dimanche“ folgende Zeilen an Ayrault: „Ich überreiche Ihnen meinen Pass und meine Sozialversicherungskarte, derer ich mich übrigens niemals bedient habe.“

Doch damit war Gerard Depardieu noch lange nicht am Ende: „Ich habe in 45 Jahren 145 Millionen Euro Steuern bezahlt, ich beschäftige 80 Arbeitnehmer.“ Aus diesem Grund wollte er das Wort „erbärmlich“ zurückgewiesen wissen. Depardieu legte noch einen drauf: „Sie und ich haben nicht länger dasselbe Vaterland. Ich bin ein wahrer Europäer, ein Weltbürger, ganz wie es mir mein Vater immer eingeschärft hat.“ Tatsächlich war der 63-Jährige mehr als nur Schauspieler in den vergangenen Jahren. Ihm gehören drei Restaurants in der Hauptstadt Paris, dazu besitzt er auch einige Weingüter. Andere Unternehmer sind nach ihren bekannt gewordenen Umzügen aber längst nicht so scharf kritisiert worden wie Depardieu, der sich zu wehren weiß.


Teilen:
Geh auf die Seite von: