Von Nils Reschke 0
Champions League

Galaktisch! Borussia hält Real Madrid im Bernabeu in Schach

Drei von 27 Spielen hatte Jose Mourinho als Trainer von Real Madrid bislang in der Champions League verloren. Ein Mal gegen Barcelona, ein Mal gegen die Bayern – und am dritten Spieltag der europäischen Königsklasse bei Borussia Dortmund. Um ein Haar wäre es dem BVB gelungen, Senor Mourinho und seinen Königlichen Pleite Nummer vier beizubringen.


Mesut Özil hatte ganz genau Maß genommen. Es lief bereits die 89 Minute im Santiago Bernabeu. Nachdem zwei Minuten zuvor ein glückloser Cristiano Ronaldo den Ball nur in die Mauer gedroschen hatte, durfte der deutsche Nationalspieler ran. Und der zirkelte das Leder ganz genau zum 2:2 ins untere Eck. Real Madrid kam in der Gruppe D gegen den deutschen Meister Borussia Dortmund noch einmal mit einem blauen Auge davon. Allerdings ging der Ausgleich nach 90 Minuten auch völlig in Ordnung. So fair muss man sein. Für Dortmund ist es dennoch schade, denn so wurde der vorzeitige Einzug ins Achtelfinale in dieser bärenstarken Gruppe vertagt. „Das war ein Spiel von zwei Mannschaften, die mal so richtig Gas gegeben haben. Gerade die erste Hälfte war von meiner Elf gnadenlos gut gespielt“, ärgerte sich Jürgen Klopp hinterher ein bisschen – aber eben nur ein klein wenig. „Schade. Denn ich glaube, der letzte entscheidende Freistoß war keiner.“

Nach einer knappen halben Stunde war es dann passiert. Einen langen Ball von Lukasz Piszczek verlängerte sein polnische Landsmann Rober Lewandowski per Kopf – und zwar genau in den Lauf von Marco Reus. Der zog aus halbrechter Position knüppelhart ab, so dass Iker Casillas zwar noch leicht mit der Hand rankam, aber das Leder nicht mehr entscheidend parieren konnte (28.). Der BVB lag 1:0 in Front, aber die Freude über diesen Vorsprung währte nicht lange. Real Madrid zog das Tempo jetzt an, die Dortmunder konnten sich nicht so recht aus der Umklammerung befreien. Eine Flanke von Mesut Özil fand genau den Kopf von Pepe, der nur noch einnicken musste (34.). Der Ausgleich machte die Königlichen sicher – zu sicher. Denn der deutsche Meister hatte noch eine Antwort im Köcher: Wieder schraubte sich Lewandowski nach einem Abschlag von Roman Weidenfeller in die Höhe, verlängerte auf Kevin Großkreutz, der den Ball gefühlvoll auf Mario Götze weiterleitete. Der setzte sich toll gegen Arbeloa durch und lupfte das Leder gefühlvoll über Iker Casillas hinweg zum 2:1 in Netz. Das nennt sich dann wohl ein Tor zum psychologisch günstigsten Zeitpunkt. Das Santiago Bernabeu jedenfalls versetzte dieser Treffer erst einmal in kollektive Schockstarre.

Im zweiten Abschnitt hatte der BVB zunächst das Glück des Tüchtigen. Gerade einmal zwei Minuten waren im zweiten Abschnitt verstrichen, das zappelte der Ball im Netz von Roman Weidenfeller. Jose Callejon hatte ihn dorthin befördert, wurde vom türkischen Unparteiischen allerdings beim Jubnel zurückgepfiffen. Aber ob das wirklich eine Abseitsstellung war? eingeschossen, doch das Tor zählt wegen Abseitsstellung nicht - knifflig. Real Madrid machte ordentlich Druck in der Anfangsphase, doch nach und nach bekamen die Schwarz-Gelben die Partie wieder unter Kontrolle. Dortmund spielte das gut. Real drehte erst in der Schlussphase noch einmal auf, in der Roman Weidenfeller ein Mal glänzend per Fußabwehr gegen Cristiano Ronaldo parierte.

„Vor dem Spiel wären wir sicherlich zufrieden gewesen mit dem Punkt. Wenn du aber solch ein Freistoßtor kurz vor Schluss kassierst, freust du dich nicht so richtig. Trotzdem: Bei einem Blick auf die Tabelle stehen wir ja nach wir vor glänzend da“, meinte Mannschaftskapitän Sebastian Kehl nach dem Abpfiff. Der hatte wegen einer Gesichtsverletzung mit einer Maske spielen müssen und sagte abschließend: „Wir maßen uns auch nicht an, hier im Santiago Bernabeu 90 Minuten lang Zauberfußball zu spielen.“ Die Maske sei eine kleine Einschränkung – aber das gehöre eben auch mal dazu. Wie wohl auch einen späten Gegentreffer zu kassieren. Das passiert eben im Fußball. Erst recht kann das gegen eine Weltauswahl wie jener aus Madrid passieren. Schade um den Sieg, aber Respekt für diesen Punktgewinn, Borussia!


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