Von Nils Reschke 0
EM 2012 Finale

Furia Roja feiert Fiesta! Spanien macht mit Italien kurzen Prozess

Dass Spanien tatsächlich dieser Titel-Hattrick gelingen würde, damit war vielleicht noch zu rechnen, auch wenn Kritiker im Vorfeld dieses Endspiels der Furia Roja vorgeworfen hatte, wenig effektiv vor dem gegnerischen Tor zu agieren. Doch ausgerechnet im Endspiel der EM 2012 in Polen und der Ukraine demonstrierte Spanien genau diese Effektivität.


Wer bei der spanischen Nationalmannschaft von einer Goldenen Generation spricht, der muss sich fast schon den Vorwurf der Untertreibung gefallen lassen. Denn was Spanien da im Finale der 14. Fußball-Europameisterschaft gezeigt hatte, war mehr. Eine Demonstration dieses faszinierenden Spiels, eine Demütigung für Endspielgegner Italien. Mit sage und schreibe 4:0 (2:0) fertigte das Team von Vicente del Bosque den Herausforderer ab und setzte damit ein ganz dickes Ausrufezeichen an all diejenigen, die den Iberern vorgeworfen hatten, zu satt für den Titel zu sein. Das war ein dramatischer Irrtum. Denn noch hungriger kann sich eine Mannschaft wohl kaum präsentieren. Und weil das so war, schaffte es Spanien nicht nur als erstes Team, den EM-Titel zu verteidigen. Nein, der 4:0-Erfolg war zudem noch der höchste Sieg in einem Endspiel einer Europameisterschaft. Drei Titel in Serie, im spanischen Fall die EM 2008, die WM 2010, und jetzt eben auch noch die Euro 2012, war ohnehin noch keiner Nationalmannschaft gelungen. Mehr geht wirklich nicht mehr.

Neu in die Startelf der Spanier war Cesc Fabregas vom FC Barcelona für Negredo gerückt, und der sollte schon nach einer knappen Viertelstunde seine erste gute Szene haben, weil Andres Iniesta seinen Teamkollegen mit einem fantastischen Pass in Szene setze. Nicht weniger perfekt war der Rückpass von Fabregas auf David Silva, der mit dem Kopf den Ball dann aus sieben Metern über die Torlinie drückte und den Titelverteidiger somit früh in Front geschossen hatte (14.). So stellt man sich wohl einen Start nach Maß vor. Italien, wo Abate auf der rechten Abwehrseite für Balzaretti den Vorzug erhielt, brauchte einige Zeit, um sich von diesen Schock zu erholen. Dann wurde die Squadra Azzurra zwar ein wenig besser – doch nur mit Distanzschüssen war der Furia Roja nicht beizukommen. Zumal fast alles über Mario Balotelli lief und Antonio Cassano völlig untertauchte. Kein Wunder also, dass Cesare Prandelli Cassano schon in der Pause durch Antonio di Natale ersetzte. Der italienische Coach musste auch reagieren – denn da lag seine Mannschaft bereits 0:2 im Hintertreffen.

Was war passiert? Dieses Mal hatte Xavi einen genialen Pass in die Tiefe auf Jordi Alba gespielt. Der verwertete in vollem Tempo kurz vor der Pause zum 2:0 (41.). Das alles ging viel zu schnell für in der Defensive völlig überforderte Italiener. Der frisch eingewechselte di Natale war es aber, der direkt nach Wiederanpfiff die erste richtig gute Chance für die Italiener hatte, als er eine Flanke von Abate knapp über den Querbalken köpfte (46.) und auch kurz danach mit einem Drehschuss an Iker Casillas scheiterte (51.). Noch hatte sich Italien nicht aufgegeben. Als dann allerdings der gerade erst eingewechselte Thiago Motta das Feld schon wieder verletzt verlassen und die Squadra Azzurra fortan in Unterzahl spielen musste (Prandelli hatte drei Mal gewechselt), war dieses EM-Endspiel endgültig gelaufen, weil Spanien jetzt den Ball mustergültig durch die eigenen Reihen und die Italiener hinterher laufen ließ.

Xavi sah sechs Minuten vor dem Abpfiff erneut die Lücke in der italienischen Abwehr, der eingewechselte Fernando Torres machte mit dem 3:0 endgültig alles klar (84.). Es kam noch schlimmer für die Squadra Azzurra: Auch Juan Mata durfte noch einmal jubeln, weil Torres uneigennützig auflegte (88.). Und so stand am Ende ein überzeugender, ja glorreicher 4:0-Triumph der Spanier, die es ihren Kritikern gezeigt hatten. Die Furia Roja hat nicht nur den Titel-Hattrick geschafft. Ein Eintrag in die Geschichtsbücher des Fußballs ist ihr ebenso sicher.


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