Von Nils Reschke 0
Unser Star für Baku

Für Katja Petri ist der Weg nach Baku beendet

Die Kandidaten bei „Unser Star für Baku“ treffen nicht jeden Ton. Die Jury um Stefan Raab, Thomas D. und Alina Süggeler bei ihren Bewertungen leider auch nicht. Die Show wird härter, es geht ums Ganze. Raab und Co. fahren weiter Kuschelkurs.


Die Quoten gehen in den Keller. „Unser Star für Baku“ kommt nicht so recht in Fahrt. Woran aber mag das liegen, schließlich geht es doch darum, den deutschen Vertreter für den Eurovision Song Contest ESC 2012 in Aserbaidschan zu finden. Ein junger Musiker oder junge Musikerin, die vor Millionen Menschen am TV-Gerät auftreten und sich beweisen muss. An der neuen „Blitz-Tabelle“ wird es nicht liegen. Die verspricht nach wie vor Spannung, ja Dramatik. Das bewies auch das Viertelfinale, das am Donnerstagabend in der ARD ausgestrahlt wurde. Das Problem ist die Jury. Nicht etwa ihre unumstrittene Fachkompetenz, die vor allem Stefan Raab, aber auch Thomas D. und Alina Süggeler zweifelsfrei besitzen. Das Problem ist vielmehr, dass dieses Dreigestirn zu viel lobt, zu wenig kritisiert. Natürlich will man sich bei „Unser Star für Baku“ abheben und vor allem distanzieren von Casting-Shows, in denen es primär darum zu gehen scheint, Kandidaten niederzumachen. Doch sachliche Kritik und ein schärferer Ton ist willkommen. Die Quoten würden es gewiss honorieren.

Vielleicht liegen schwache Einschaltquoten aber auch einfach daran, dass Jury-Präsident Thomas D. bei seiner Vorauswahl der Kandidaten nicht immer die richtige Wahl getroffen hat. Zugegeben: Es kann und darf nicht einzig und alleine um Gesang gehen. Sonst hätte seinerzeit schon Max Mutzke den Sieg nach Hause getragen. Charisma und Ausstrahlung ist wichtig. Dem internationalen Publikum bleiben nur wenige Minuten. In denen muss der Funken überspringen. Lena schaffte dies einst in Oslo. Bei den bisherigen Shows für „Unser Star für Baku“ sprang dieser Funken bislang kaum und nur in wenigen Fällen über. Bei Roman Lob beispielsweise, dem „Schmusepeter“, der mit einer Eigenkomposition bewiesen hat, dass er durchaus auch anders kann. Hier stimmt Gesang, Ausstrahlung, einfach das Gesangspaket. Man nimmt ihm das ab, was er da tut. Bei Yana Gercke, am Donnerstagabend auf Platz zwei eingetrudelt, sieht die Sache schon kritischer aus. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Für die Rettungsassistentin bewegen diese sich in Richtung unlösbar.

Katja Petri traf es in einem packenden „Endspiel“: Sie war gesanglich top, und doch fehlte ihr die gewisse Ausstrahlung, die Zuschauer dazu bewegt, zum Hörer zu greifen. Die Diskrepanz zwischen Gesangsqualität und Ausstrahlung zeigte sich in ihrem Fall immer in der Sympathie-Abstimmung vor den Auftritten: Die Berlinerin musste stets das Feld von hinten aufräumen, mit ihren Songs überzeugen. Gestern reichte es dann nicht mehr ganz. Stattdessen bleibt Shelly Phillips im Rennen, weil sie vermutlich mehr Bühnenpräsenz ausstrahlt. Fachlich anständig löste als vierte Kandidatin, die das Halbfinale erreichte, Ornella de Santis ihre Aufgabe. Nicht mehr, nicht weniger.  „I'll be there“ von den Jackson Five und „I love the way you lie“ von Rihanna waren solide gesungen. Aber für Ornella wird es eng, wenn Pro7 sich am Montag ab 20.15 Uhr mit der Halbfinal-Show zurückmeldet. So viel ist klar...


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