Von Ronny Krause 0

Fernseh- Film über die Geschichte von Marco W. - 247 Tage im Gefängnis in der Türkei


Der TV- Film zeigt Liegestühle an einem Urlaubsstrand in der Türkei. Dabei sieht man Jugendliche auf dem Sand Volleyball spielen. Die Stimmung ist ausgelassen und auch farbenfroh: „Schon wieder zwei Wochen vorbei. Es war schön“, sagt Marcos Mutter Martina. Die Film-Mutter Martina wird von Schauspielerin Veronica Ferres dargestellt. Aber der Schein trügt, und die Urlaubsidylle wird von einem dunklen Schatten überdeckt, denn kurz vor dem Rückflug kommt es zu einem verhängnisvollen Erlebnis, das die ganze Familie in eine Katastrophe stürzt. Der derzeit erst 17 Jahre alte Sohn Marco wird in der Türkei noch am Urlaubsort verhaftet. Grund: ein 13 Jahre altes Mädchen aus Britannien, beschuldigt Marco, sie in einem Hotel sexuell missbraucht zu haben.

Was in dieser verhängnisvollen Nacht jedoch wirklich passiert ist, wird in dem TV- Film „Marco W. - 247 Tage im türkischen Gefängnis“ nicht gezeigt. Der Drehbuchautor Johannes Betz hat Marcos gleichnamiges Buch für die Produzenten von „Zeitsprung Entertainment“ als Thriller ausgezeichnet und sehr emotional umgesetzt. Der Film hatte gestern, am Montagabend, in München die Premiere. Dabei waren Marco Weiss, seine Familie und der Hauptrollen- Darsteller Vladimir Burlakov anwesend. Das TV- Drama läuft bei Sat.1 am 22. März um 20.15 Uhr.

Es soll einen Übersetzungsfehler beim Verhör gegeben haben, der Marco letztendlich zum Verhängnis wurde, und der 17 Jährige kommt anschließend sofort ins Gefängnis. Dort herrschen Horror- Zustände. Im Gefängnis sitzen mehr als 30 Häftlinge in verschmutzten Zellen. Der Alltag der erwachsenen Schwerverbrecher ist von Gewalt und Drogen geprägt. Die emotionalen Bilder sind dunkel und blau-grün. Dabei werden Farben und Dialoge nur sparsam eingesetzt. Der Hauptdarsteller, Vladimir Burlakov, stellt den 17- jährigen Marco ausgezeichnet dar. Vor allem die Filmszenen, bei den immer neuen Haftprüfungsterminen vor einem undurchsichtigen Richter, die verzweifelten Versuche, vor den Eltern Haltung zu bewahren, zeigen eine gute schauspielerische Leistung.

„Die Zuschauer werden von ihm begeistert sein“, sagte die Filmmutter, Schauspielerin Veronica Ferres, über ihren Filmsohn Vladimir Burlakov. Auch der betroffene Marco Weiss ist von der Darstellung seiner Person begeistert: „Er hat sich super in die Rolle herein gefunden. Besonders die Gefühle und Ängste hat er gut gespielt“, so Marco Weiss. Obwohl die Rolle für Vladimir Burlakov die erste Hauptrolle war, spielt er den damals 17- jährigen Marco vor der seelischen Zerreißprobe so eindringlich, dass der über zwei Stunden laufende Film schon deshalb nie langweilig wird. Die Augen des 23- jährigen Schauspielers Burlakov, der schon in dem Krimi-Mehrteiler Dominik Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“, die Zuschauer und Kritiker begeisterte, scheinen beinahe so, als hätten sie schon viele Jahrzehnte Lebenserfahrung.

„Ich glaube, die Emotionalität, die ich in diesem Film erreiche, verdanke ich meiner Mentalität und meiner russischen Seele“, äußerte der in Moskau geborene Schauspieler Vladimir Burlakov gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. „Ich habe Marco auf Malta kennen gelernt und ausführlich mit ihm gesprochen. Das ist so emotional, das ist schon sehr berührend“, so der Schauspieler weiter.

Zahlreiche Filmszenen des TV- Dramas wurden in einem alten Gefängnis auf Malta gedreht. Die grausame Gewalt in der Gefängnis-Zelle wird nur einmal als explosiver Ausbruch gezeigt. Die permanent vorhandene Bedrohung wirkt beim Zuschauer jedoch umso eindringlicher. Die Stimmung spitzt sich dramatisch zu, als die Mitgefangenen aus der Presse erfahren, warum der 17- jährige Deutsche Marco Weiss im Gefängnis sitzt. Auch das Leben der Familie gerät durch den Medienrummel total aus den gewohnten Bahnen. Das Einfamilienhaus in Uelzen wird nach ihrer Rückkehr aus der Türkei von der Presse regelrecht umlagert. „Ihr Leben als Privatperson ist seit heute definitiv vorbei“, soll ein angeblicher Medienberater der betroffenen Familie seinerzeit geäußert haben.

Der leukämiekranke Vater Ralf, im TV- Film dargestellt von Schauspieler Herbert Knaup, muss für seine dringend notwendige Therapie wieder nach Deutschland zurück fliegen. Auch Mutter Martina kann nicht einfach monatelang in der Türkei bleiben. So musste die Familie ihren inhaftierten Sohn Marco in der Türkei zurücklassen. „Ich kann nicht mehr“, sagt Veronica Ferres im Film. „Wir müssen können“, antwortet der Darsteller von Marcos Vater, Schauspieler Herbert Knaup.

Der türkische Prozess von Marco W. endet mit einer Bewährungsstrafe. Dezember im Jahr 2007 kann der 17- Jährige endlich wieder ausreisen. Im Mai 2009 stellt die Staatsanwaltschaft Lüneburg die Ermittlungen wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs einer 13- Jährigen gegen Marco Weiss aus Mangel an Beweisen ein. Gegen seine Verurteilung in der Türkei hat Marco Weiss Berufung eingelegt.

Die stark traumatisierte Familie Weiss erhofft sich von dem TV-Film nun die Aufarbeitung ihrer dramatischen Geschichte. „Der Film wird auf jeden Fall auch eine Rehabilitation sein“, sagt Marco- Darsteller Vladimir Burlakov. Und was sagt Marco Weiss dazu? „Vergessen, denke ich mal, werde ich das nie. Verdrängen kann man es. Aber das begleitet mich immer noch. Ich komme wieder Stück für Stück im normalen Leben an. Die Alpträume werden weniger, die Ängste bleiben“…


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