Von Nils Reschke 0
Geburtstagskind des Tages

Felix Magath wird 60: Mehr „Quälix“ als Europacup-Held

Er schoss das Tor, das den Hamburger SV in den 80er Jahren zum Champion in Europa krönte. Und trotzdem kommen vielen Fans beim Namen Felix Magath zunächst ganz andere Gedanken in den Kopf.

Felix Magath als Trainer beim HSV

Lang ist's her: Magath als HSV-Trainer anno 1996

(© Getty Images)

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Als die Champions League noch Europapokal der Landesmeister hieß, stand der HSV 1983 auf dem Gipfel seiner Vereinsgeschichte. Maßgeblichen Anteil daran hatte ein Mann, der heute seinen 60. Geburtstag feiert: Felix Magath. Gerade einmal acht Minuten waren im Olympiastadion in Athen im Finale dieses Wettbewerbs gespielt, da nahm Magath Maß.

Und zwar so exakt, dass das Leder zum 1:0 gegen Juventus Turin einschlug. Dabei blieb es auch bis zum Abpfiff. Die Rothosen waren am Ziel ihrer Träume. Und Felix Magath war der umjubelte Held von Athen. Trainer bei Juve war übrigens ein gewisse Giovanni Trapattoni. Dass Felix Magath einmal auch in seine Fußstapfen treten sollte und den Job an der Seitenlinie ausüben würde, daran war 1983 noch nicht zu denken. Doch genau so sollte es kommen.

Als Spieler alles gewonnen - bis auf die WM

Drei Jahre lang sollte Felix Magath noch beim Hamburger SV, mit dem er drei Mal Meister wurde, aktiv die Fußballschuhe schnüren. Es blieb sein letzter großer Titel als Spieler. In der Nationalmannschaft hatte er 1980 die Europameisterschaft gewonnen.

Bei der WM blieb ihm das verwehrt. 1982 und 1986 verlor das DFB-Team, zu dem seinerzeit auch der heute 60-Jährige gehörte, seine beiden Finals. Als die Knochen nicht mehr so recht wollten, löste Felix Magath beim HSV Günther Netzer als Manager ab. Seine Trainerkarriere startete er allerdings erst 1992 beim FC Bremerhaven – als Spielertrainer! In der Spielzeit 95/96 war die Zeit dann reif für den Übungsleiter Magath in der Bundesliga, natürlich beim Hamburger SV, seinem Stammverein.

Felix Magaths Coup beim VfL Wolfsburg

Schon damals erarbeitete er sich den Ruf des harten Hundes, der wenig mit den Spielern kommuniziert. „Quälix“ – so wurde Felix Magath irgendwann getauft. Jeder Profi in der Bundesliga fürchtete eine Vorbereitung auf die neue Saison unter Magath, der gerne Medizinbälle aus dem Schrank holte und jede steile Treppe in den Örtchen, wo Trainingslager gerne abgehalten werden, kannte. Irgendwie ist es schade, dass dieser Umstand, diese Methoden gerne ins lächerliche gezogen werden.

Denn nicht selten gab der Erfolg Felix Magath recht. Nur sechs Fußballer schafften es bisher, die Meisterschaft sowohl als Spieler als auch als Trainer zu gewinnen. Keinem einzigen gelang aber zwei Mal in Serie der Double-Sieg, also der Gewinn von Meisterschale und DFB-Pokal in einer Saison. Felix Magath brachte dieses Kunststück mit dem FC Bayern fertig.

Dass er es aber auch bei vermeintlich kleineren Vereinen kann, bewies er anschließend beim VfL Wolfsburg. Mit den Niedersachsen holte Felix Magath 2009 als Trainer nicht nur völlig überraschend die Schale – zum ersten Mal in der Geschichte der Wölfe –, sondern ließ dabei auch noch höchst attraktiven Fußball zelebrieren. Und das Stürmerduo Edin Dzeko und Grafite verzauberte die ganze Bundesliga.

Aktuell ist es ruhiger um Felix Magath geworden. Bleibt also ausreichend Zeit, seinen 60. zu feiern. Aber das ist nicht seine Sache. Und ein Comeback als Trainer? „Ich bin nicht sicher, ob ich das will. Diese Mühle aus permanentem internen und öffentlichen Druck, zurück in diese zum Teil ohnmächtige Abhängigkeit von Zufälligkeiten, ob Spieler X an diesem Tag den Ball nun trifft oder nicht“, sagt Felix Magath als wüsste er: Sag niemals nie.


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