Von Nils Reschke 0
EM 2012 Viertelfinale

England und die Elfmeter: Das Trauma bleibt bestehen

Dass sich Italien mit 4:2 im Elfmeterschießen gegen England durchsetzte, ist zunächst keine große Überraschung. Doch die Three Lions hatten im Shoot-out anfangs sogar die Nase vorne, scheiterten dann aber – wieder einmal – an ihren Nerven.


Eigentlich lief ja alles nach Plan für die Three Lions. Als nämlich der Italiener Riccardo Montolivo zum Elfmeter schritt und den Ball neben das Gehäuse bugsierte, schien England tatsächlich sein Trauma ablegen zu können. Einmal bei einem Elfmeterschießen in einem großen Turnier weiterkommen, dafür hatten die Engländer sogar Extraschichten eingelegt, die Schüsse aus elf Metern geübt. „Aber Druck kannst du nicht trainieren“, musste Trainer Roy Hodgson nach dem Shoot-out dann doch zugeben. Denn das Blatt wendete sich, als Ashey Young antrat, den Ball mit aller Wucht an die Querstange hämmerte. Als dann auch noch Ashley Cole das Leder dem italienischen Keeper Gianluigi Buffon praktisch in die Arme schon, hatte es Italien doch geschafft. Und England war – wieder einmal – ausgeschieden. Noch vor dem Halbfinale. Deutschlands Gegner am Donnerstag heißt also Italien.

Alles überragender Mann auf dem Platz war Andrea Pirlo vom italienischen Meister Juventus Turin gewesen. Der Altmeister sorgte mit seinen Zuckerpässen immer wieder für die Nadelstiche, wenn er beispielsweise Mario Balotelli in Szene setzte, der nach 24 Minuten bei der zweiten großen italienischen Chance aber im letzten Moment von John Terry gebremst wurde. Wie gut Pirlo noch tatsächlich ist, beweist auch sein verwandelter Strafstoß – per Lupfer, unverschämt lässig, aber auch unnachahmlich gut. Italien war die bessere Mannschaft und hatte sich das Weiterkommen schlichtweg auch verdient. Wenngleich ein Sieg in der Elfer-Lotterie auch immer ein wenig vom Glück abhängig ist.

Aber Daniele de Rossi hatte ein attraktives viertes Viertelfinale schon in der dritten Minute mit einem Pfostenkracher eingeleitet. Im ersten Durchgang kamen die Three Lions ebenfalls noch zu ihren Möglichkeiten, doch nach dem Seitenwechsel schwanden die Kräfte bei Englands Nationalmannschaft zusehends. Die Squadra Azzurra hatte bei einem weiteren Pfostenschuss von Diamanti in der Verlängerung (101.) eine weitere Großchance. England war nur noch darauf bedacht, das Elfmeterschießen zu erreichen – das wiederum hielt kein Happy End für die Three Lions bereit.


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