Von Kathy Yaruchyk 0
Musiklegenden

Einfluss aus der Vergangenheit: 4 Musiker, ohne die es Musik in der heutigen Form nicht gäbe

Jimi Hendrix - tot mit 27

Jimi Hendrix

(© Getty Images)

Was haben Buddy Holly, Jimi Hendrix, Lemmy und Sam Cooke gemeinsam? Ohne ihre Arbeit gäbe es Musik, wie wir sie heute kennen, schlicht nicht. Wir zeigen einige der Namen, die hinter der Liste von Vorbildern stehen, die heutige Promis bei Preisverleihungen nennen.

Man muss nicht selbst Musiker sein, um musikalische Vorbilder zu haben: Michelle Obama (52), Ehefrau des scheidenden US-Präsidenten nannte vor nicht allzu langer Zeit Sängerin Beyoncé (35) ein großartiges Vorbild für ihre beiden Töchter. Rihanna (28) sagt von sich selbst, dass nur Whitney Houston (†48) in dem damals noch unbekannten Mädchen die Leidenschaft für Musik entfachte. Vorbilder gibt es viele, aber einige Musiker waren so einflussreich, dass ihr Wirken bis heute nachhallt – selbst wenn ihr letzter Charterfolg eventuell schon Jahrzehnte zurück- und sie selbst vielleicht gar im Grab liegen. Der folgende Artikel zeigt einige dieser Persönlichkeiten – wenn auch ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit.

Sam Cooke

Don't know much about history, don't know much biology“ mit diesen Textzeilen, mit denen er seine eigene Bildungssituation beschrieb, nur um gleich darauf zu singen „but I do know that I love you“ wurde Sam Cooke (†33) weltberühmt. Doch auch wenn viele deutschsprachige Musikfans nur seinen Song „Wonderful World“ kennen, war das nicht das einzige Vermächtnis des 1964 verstorbenen Musikers.

Sam Cooke kann nämlich für sich in Anspruch nehmen, die Wurzel dafür gelegt zu haben, dass farbige Musiker in den USA heute mit der gleichen Selbstverständlichkeit auf der Bühne Preise entgegennehmen, wie weiße. Anfang der Sechziger gründete er als erster Afro-Amerikaner ein unabhängiges Label – SAR Records - zu einer Zeit, in der die großen Konzerne und praktisch alle Radiostationen schwarze Musik bestenfalls ignorierten. Dass Cooke ganz selbstverständlich neben Ikonen wie Otis Redding (†26) und James Brown (†73) als „King of Soul“ bezeichnet wird, unterstreicht nur, welche Bedeutung der Mann mit der warmen Stimme auch neben dem Business hatte und hat. Sein Name steht in der Rock and Roll Hall of Fame, der Songwriters Hall of Fame und das einflussreiche „Rolling Stone“-Magazin nannte ihn an 16. Stelle ihrer Liste der größten Musiker aller Zeiten – ein weiter Weg aus Cookes Geburtsörtchen im US-Staat Mississippi.

Buddy Holly

Ein Rebell, der ganz und gar nicht wie einer aussah. Zu einer Zeit, in der rebellisch zu sein, schon bedeutete, zuzugeben, dass man Rock´n´Roll spielte – das war Buddy Holly (†22). Der Amerikaner, der 1959 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, ist vielleicht die einflussreichste Persönlichkeit der Musikgeschichte überhaupt. Denn nicht nur sein schlaksiges, beinahe spinnenbeiniges Aussehen, sondern auch das sich auf Insekten stützende Image seiner Band The Crickets (Die Grillen) waren der Grund dafür, dass die Beatles sich erst diesen Namen zulegten – und dass die Pilzkopf-Briten für praktisch alle modernen Musikformen die Wurzeln legten, sollte bekannt sein. Unter anderem John Lennon (†40) gab zu Protokoll: „Ohne Buddy Holly hätte ich nie den Mut gehabt, mit einer Brille auf die Bühne zu gehen“.

Als Buddy Holly, der gebürtig Charles Hardin Holley hieß, auf die Bühnen trat, formte sich im Rock ´n´ Roll zum ersten Mal etwas wie eine Mainstream-Jugendsubkultur. Wie prüde die Zeiten waren, lässt sich vielleicht am besten durch eine der Legenden um Holly beschreiben. Bei einem Interview verriet er: „Falls dich einer fragen sollte, was für eine Musik Du spielst, sag ´Pop´. Sag bloß nicht ´Rock´n´Roll´, sonst lassen Sie dich nicht mal ins Hotel rein“. Und genau nach dieser Maxime arbeitete er - außen brav mit Anzug und Hornbrille und dabei ein treibender Beat, leicht anzügliche Texte – beides zuvor unbekannt in der heilen Mainstream-Musikwelt der Fünfziger. Er war einer der ersten angeschobenen Dominosteine, die zeitgenössische Musik vor allem in die Hände der Jugend legten.

Lemmy Kilmister

Vor einigen Jahren hatte ein deutscher Late-Night-Show-Moderator einen hageren Kerl mit Backenbart, einer riesigen Warze auf der Wange und Cowboyhut zu Gast. Während des etwa halbstündigen Interviews, in dem es um ein neues Album ging, konnte man sehen, wie der Backenbart ganz nebenbei eine bereitstehende Flasche Jack Daniels bis fast zur Neige leerte – ohne dass man es ihm im geringsten angemerkt hätte. Das war Ian „Lemmy“ Kilmister (†70). Er hält vielleicht einen geheimen Rekord dafür, die meisten Bands der Rockgeschichte in irgendeiner Form beeinflusst zu haben:

  • Metallica
  • Ozzy Osbourne
  • Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters)
  • Slash (Guns ´n´Roses)

Das sind nur ein Paar der Musiker, die Lemmy bzw. seine Band Motörhead als den entscheidenden Faktor für ihre eigene Karriere nennen. Ohne Übertreibung lässt sich sagen: Lemmy war die Kultfigur der gesamten Rock-Szene. Jemand, mit dem sich jeder Rockmusiker und –fan irgendwie identifizieren konnte. Antipathien waren praktisch nicht vorhanden, weil die Band und insbesondere Lemmy als ihr Frontmann nicht nur Rock´n´Roll spielten, sondern seine Werte vorlebten.

Alleine seine Motörhead-Karriere überspannte 40 Jahre – zuvor war der Brite bereits bei anderen Bands, unter anderem Hawkwind. Er war der, der nur nach seinen eigenen Regeln spielte und sich nie nach Trends richtete – das lässt sich auf allen 22 Motörhead-Alben nachhören, denn jedes Album klingt unvergleichlich nach Motörhead. Diese Geradlinigkeit gepaart mit seiner „Live fast, die young“-Attitüde, die wohl viele andere ins Grab gebracht hätte, machte Lemmy unsterblich. Ohne ihn wäre die Rockgeschichte harmloser verlaufen. Übrigens gab auch Lemmy in seiner Biographie „White Line Fever“ unumwunden zu, dass Buddy Holly ihn schon als Kind fasziniert hat.

Jimi Hendrix

Wer die aktuellen Charts durchforstet, macht eine erstaunliche Entdeckung: Es gibt derzeit kaum einen Song, der noch primär auf die E-Gitarre als songtragendes Element vertraut. Einer der wenigen „Lichtblicke“ sind die Sportfreunde Stiller mit „Das Geschenk“. Selbst dieser Song, aufgenommen im Jahr 2016, enthält ein kleines Gitarrensolo – und zieht damit eine Linie durch rund fünf Jahrzehnte der Musikgeschichte direkt zu einem Mann namens Jimi Hendrix (†27). Nein, Hendrix erfand nicht das Gitarrensolo, aber er war vielleicht der beste, aber mit Sicherheit stilprägendste Gitarrist, der jemals auf einer Bühne stand.

Dabei war Hendrix kein klassischer Gitarrist. Im Gegenteil, er brachte sich das Spielen selbst bei – und wurde als Autodidakt so großartig und auch besessen von dem Instrument, dass er deswegen aus der Armee geworfen wurde. So wurde er, der aus zerrütteten Verhältnissen stammte, zum Musiker für damals gefeierte Stars wie Little Richard und die Isley Brothers.

Doch selbst diese Professionalität genügte ihm nicht. Sein unglaubliches Talent brachte ihn nicht nur dazu, hochkomplexe Akkorde, die damals höchstens im Jazzbereich Verwendung fanden, für den Rock zu adaptieren. Nein, er erfand dieses Instrument im Alleingang neu. Er spielte mit den Zähnen, verzerrte, ließ kreischen und spielte ganze Schlachtmotive nach.

In Hendrixs Händen wirkte die verkehrt herum aufgezogene Fender Stratocaster (Hendrix war Linkshänder) nicht wie ein Instrument, sondern ein ganz natürlicher Teil seines Körpers. Jeder Gitarrist, der nach ihm kam, musste sich mit seinen Fähigkeiten an dem 1,80 Meter-Mann aus Seattle messen lassen.

Und genau aus diesem Grund steckt auch heute noch in jedem kleinen Gitarrensolo ein Stückchen Jimi Hendrix – ob der Musiker es beabsichtigt hat oder nicht.

Fazit

Kein Musiker kommt ohne Wurzeln aus. Sie alle sind, ob bewusst oder unbewusst, das Ergebnis einer vielfältigen Erziehung, einer Mischung aus den Arbeiten unterschiedlichster Vorbilder. Es wird immer jemanden geben, der vorher da war oder nachher kam. Wer heute noch gefeiert wird, ist vielleicht morgen schon vergessen. Aber einige Talente ragen jedoch so sehr aus dieser riesigen, heterogenen Gruppe der Künstler heraus, dass sie auch noch Jahrzehnte später sichtbar bleiben. Ohne Sam Cooke, Buddy Holly, Lemmy und Jimi würde heutige Musik mit ziemlicher Sicherheit völlig anders klingen.

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