Von Nils Reschke 0
Der Pool ist rund

Eine schöne Bescherung – nur nicht für Weihnachtsmann Rudi Völler

Kolumnist Franz Kaiser hat ein letztes Mal genau hingeschaut, weil zum Jahresausklang der Pokal noch einmal eigene Gesetze schrieb. Für den BVB endete eine schwarze Serie. Und die Wölfe siegen am liebsten gegen Leverkusen.


Zugegeben, in der Meisterschaft lief das Unternehmen Titelverteidigung für Borussia Dortmund bisher alles andere als optimal. In der Bundesliga liegen die Schwarz-Gelben zwar auf Rang drei und damit gut im Rennen um die Plätze für die Champions League. Doch der Rückstand auf den FC Bayern München beträgt schon ganze zwölf Punkte.

Trainer Jürgen Klopp ist das – zumindest wenn man seinen Worten Glauben schenkt – völlig schnuppe: „Dass wir die Bayern nicht mehr sehen ist uns aufgefallen, aber es macht uns nichts“, meinte der Übungsleiter, nachdem klar war, dass der BVB zumindest auch 2013 noch auf allen drei Hochzeiten tanzen wird – zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte!

Denn die Dortmunder sind neben der Meisterschaft auch noch in der europäischen Königsklasse im Rennen und stehen nun ebenfalls im Viertelfinale des DFB-Pokals, wo sie süffisanterweise zu den Bayern reisen müssen. Das verspricht also einen tollen Jahresstart, sofern die Welt bis dahin nicht tatsächlich untergegangen ist.

Sollte sich die Prophezeiung der Mayas indes bewahrheiten, so wird allen Fans der Borussia ein furioser Abschluss des Fußballjahres in Erinnerung bleiben. Denn im Achtelfinale im DFB-Pokal zauberte der BVB gegen Hannover 96 noch einmal, was das Zeug herhielt. 5:1 besiegten die Schwarz-Gelben das Team aus Niedersachsen und freuten sich über eine Weltklasseleistung von Nationalspieler Mario Götze. Besser hätte es nicht kommen können, schließlich feierte der Borussia Dortmund am Mittwochabend auch seinen 103. Geburtstag. 

Götze, der alles umjubelte Held in der Pokalpartie gegen die 96er blieb hinterher in den Interviews bescheiden, doch mit drei Treffern hatte er natürlich maßgeblichen Anteil an dieser vorgezogenen Bescherung. Besonders raffiniert: Sein Freistoßtor zum 3:0. Alle hatten damit gerechnet, „Super Mario“ würde des Leder um die Mauer schnippeln, so wie man es nun mal als guter Freistoßschütze macht.

Doch Götze schlenzte nicht, er schoss das Leder zur Überraschung aller flach ins kurze Eck, sagte hinterher: „Das war natürlich Glück, dass ausgerechnet die Spieler hochgegangen sind, unter denen ich durchschießen wollte.“ In jedem Fall entstand so ein Treffer, der die ganze Raffinesse dieses tollen Kickers und Schlitzohrs demonstrierte.

Dass der BVB gegen die 96er das Viertelfinale im DFB-Pokal erreichen würde, davon war im Vorfeld nicht unbedingt auszugehen gewesen. Denn noch nie hatte Dortmund Hannover zuvor im Cup geschlagen. Dieser Fluch wäre hiermit auch zu den Akten gelegt.

Eine andere Statistik sorgte unterdessen in Wolfsburg für Furore, wo Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner seine Mannen einzeln und ausgiebig herzte. Und zwar so, als nehme er Abschied. Da muss also etwas ganz Besonderes passiert sein. Und genau so war es auch! Zum einen vermelden einige Medien bereits, dass der VfL einen neuen Trainer für Felix Magath gefunden habe, somit müsste Köstner, der bislang einen sehr guten Job gemacht hat, zurück ins zweite Glied.

Zum anderen lagen die Wölfe gegen Bayer Leverkusen schon mit 0:1 im Hintertreffen. Christian Träsch allerdings hatte in der 78. Minute ausgleichen können, ehe Bas Dost in allerletzten Minute einen krassen Patzer von Toprak zum alles entscheidenden 2:1 genutzt hatte. In der Liga gewann der VfL Wolfsburg bisher nur ein einziges Spiel in der heimischen Volkswagen-Arena. Und zwar ausgerechnet gegen Leverkusen.

Jetzt sorgte die Werkself dafür, dass in Wolfsburg versöhnliche Weihnachten gefeiert werden kann. Bayers Sportchef Rudi Völler, neuerdings mit weißem Bart wie der Weihnachtsmann höchstpersönlich, dürfte es kaum geschmeckt haben, dass der sichere Sieg in der Schlussphase doch noch aus der Hand gegeben wurde.

Schön auch, dass mit den Kickers aus Offenbach, die jetzt auf die Wölfe im Viertelfinale des DFB-Pokals treffen, noch ein Underdog im Rennen ist. So ist genug Potenzial vorhanden, damit auch im neuen Jahr möglichst bald verrückte Geschichten aus der Welt des Fußballs erzählt werden können. Wir freuen uns darauf!


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