Von Nils Reschke 0
EM 2012

Ein Sieg mit gemischten Gefühlen: Deutschland gewinnt 2:0

Vor ihrer Abreise zur Fußball-Europameisterschaft hat die deutsche Nationalmannschaft sich mit einem Sieg gegen Israel noch einmal frisches Selbstvertrauen geholt. Allerdings: Es war noch längst nicht alles Gold, was bei dieser durchschnittlichen bis guten, aber wahrlich nicht sehr guten Vorstellung glänzte.


Mit gemischten Gefühlen hat sich unsere Nationalmannschaft aus Deutschland in Richtung Polen und Ukraine zur Europameisterschaft verabschiedet, wo sie den großen Traum vom ersten Titel nach 1996 wahr werden lassen möchte. Gemischte Gefühle deshalb, weil zwar das Ergebnis stimmte nach 90 gespielten Minuten in der Red Bull Arena in Leipzig. Denn gegen das Nationalteam von Israel gewannen die Mannen von Joachim Löw ohne große Probleme bei strömenden Regen mit 2:0 (1:0). Aber irgendwie ließen sie in diesem letzten Test vor der Euro, bei der die Adlerträger am 9. Juni gegen Portugal in die Gruppe B starten, doch irgendetwas vermissen.

War es jetzt die letzte Konsequenz, die in vielen Aktionen fehlte, die eher schwachen Standardsituationen, die kaum Gefahr einbrachten, oder aber eben die Tatsache, dass Fragezeichen vor allem über den Leistungsstand der deutschen Defensive blieben. Denn gefordert wurde das Pärchen in der Zentralen, Holger Badstuber und Per Mertesacker, von über weiter Strecken harmlosen israelischen Spielern, so gut wie nie. Immerhin: Auch im neunten Match mit Badstuber und Mertesacker in der Innenverteidigung hat das DFB-Team nicht verloren, dazu nur ein einziges Gegentor kassiert. Alles deutet also darauf hin, dass auch Joachim Löw Per Mertesacker und Holger Badstuber für seine Startformation bei der Euro vorgesehen hat. Leidtragender wäre in diesem Fall der Dortmunder Mats Hummels.

Wie erwartet hatte Bundestrainer „Jogi“ Löw gleich sieben Spieler des FC Bayern München sein Vertrauen geschenkt. Und die müssen sich in der ersten Hälfte ein wenig vorgekommen sein wie beim Finale in der Champions League. Der Gegner trug blaue Trikots – und verschanzte sich wie schon der FC Chelsea am eigenen Strafraum. Die deutsche Elf probierte es deswegen vornehmlich über die Außen, was aber viel zu selten wirklich Gefahr brachte. Als in der Red Bull Arena die ersten Pfiffe zu hören waren, als es das DFB-Team ein erstes Mal durch die Mitte versuchte, da klappte es dann fünf Minuten vor der Pause dann doch noch. Sami Khedira hatte schon geschaut, wen er auf außen anspielen könne, probierte es dann allerdings mit einem Pass durch die Mitte auf Thomas Müller, der das Leder nur kurz touchierte und auf Mario Gomez weiterleitete. Der Bayern-Stürmer war bis dahin nicht in Erscheinung getreten und wuchtete den Ball mit reichlich Frust unter die Latte (40.).

Es war eine verdiente 1:0-Führung, denn von Israel wurde bis dato keine einzige Chance notiert. Wohl aber für Deutschland: Für die Hausherren hatte Jerome Boateng nach einer guten Viertelstunde die erste richtig gute Aktion, als er nach einer abgeblockten Flanke von Müller an den Ball kam, aus der Drehung mit links abzog, aber das Leder nur an den Pfosten klatschte (19.). Viel mehr boten anschließend auch die Deutschen nicht mehr, einmal abgesehen vom Tor zum 1:0 und einen Kopfball wenige Minuten davor aus kurzer Distanz durch Sami Khedira, der den Ball aber nicht mehr die entscheidenden Richtung zum Tor mit auf dem Weg geben konnte. Somit blieb es beim knappen Vorsprung.

Im zweiten Abschnitt durfte sich dann gleich zu Beginn Manuel Neuer im Tor zwei Mal gut auszeichnen, bevor sich Israel wieder weit zurückzog. Die Folge waren einige sehr gute, einige weniger geglückte Kombinationen – und eine Reihe richtig guter Chancen. Das zweite Tor ließ aber auf sich warten, bis der eingewechselte Andre Schürrle in der 82. Minute die Fans mit dem 2:0 erlöste. So schlecht, wie es viele Experten gesehen hatten, war dieser Test beileibe nicht. Denn Gelegenheiten gab es einige, das Ergebnis hätte auch ohne Übertreibung ein, zwei Tore höher ausfallen müssen. Aber: Es bleibt auch noch viel Arbeit, damit der Feinschliff am Ende passt, die Standards gefährlicher werden, Laufwege und Abstimmung passen. Deutschland ist auf einem ordentlichen Weg. Kein Grund zur Schwarzmalerei.


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