Von Mark Read 4
Finale der Castingshow

Ein 26-Jähriger ist "Der klügste Deutsche 2011"

Gestern abend endete die etwas andere Castingshow mit einem furiosen Finale. "Der klügste Deutsche 2011" wurde kurz vor Mitternacht endgültig gefunden. Er heißt Sebastian Runde und ist gerade mal 26 Jahre alt. Allerdings hätte sein Final-Kontrahent den Sieg genauso verdient gehabt.


Um etwa 23:35 Uhr verkündete Moderator Kai Pflaume das Ergebnis des Telefonvotings, mit dem die ARD-Zuschauer über den "Klügsten Deutschen 2011" entscheiden konnten. Sebastian Runde, der sympathische 26-Jährige aus Duisburg mit verblüffenden Ähnlichkeiten zu Sänger James Blunt gewann das Voting mehr als deutlich mit 86,3%. Als Preis winkten satte 100.000€, die der verdutzte Sieger laut eigener Aussage "mit seinen drei Geschwistern teilen will". Fairerweise muss man allerdings sagen, dass das Ergebnis objektiv betrachtet viel zu deutlich war. Rundes Kontrahent Michael Buscher, ein 44-jähriger Versicherungskaufmann, konnte auch gestern wieder mit seinem überragenden Fachwissen in wirklich allen Bereichen punkten. Er war gewiss nicht so viel schlechter als Runde, wie es das Ergebnis ausdrückt und hätte den Sieg genauso verdient gehabt.

Und genau das war das Problem dieser Castingshow. Die ARD sieht Klugheit als eine Mischung aus Fachwissen und praktischem, logischen Denken, welches in verschiedenen Tests geprüft wurde. Der Titel der Show suggeriert, dass man Klugheit wie eine Zahl messen könnte und der Sender geht offenbar davon aus, dass sich wirklich alle klugen Leute Deutschlands beim Casting beworben und der Sieger somit wirklich der Hellste aller hellen Köpfe ist. Das ist natürlich blanker Unsinn. Zwar wussten alle Kandidaten, die gestern im Finale standen, wirklich enorm viel aus allen möglichen Fachbereichen. Und auch bei einigen der Praxistests offenbarten sie erstaunliche Fähigkeiten im logischen Denken und Auffassen von Sachverhalten. Doch ob das alles wirklich "Klugheit" ausmacht?

Immerhin muss man der ARD lassen, dass die Finalshow enorm unterhaltsam war. Viele der Zuschauer daheim vor den Fernsehschirmen werden in der Fragerunden selbst ihr Wissen auf die Probe gestellt haben und sich nun besser fühlen, weil sie doch mehr gelernt haben als sie dachten. Auch die Jury war insgesamt gut besetzt. Judith Rakers entwickelt sich langsam von der reinen Nachrichtensprecherin zur Allzweckwaffe, Matthias Opdenhövel versucht immer mehr, den Makel des Privatfernsehens loszuwerden - und sogar Eckart von Hirschhausen war gestern nicht so nervig wie sonst. Insgesamt war "Der klügste Deutsche 2011" sicherlich eine Castingshow der besseren Sorte, von der man im nächsten Jahr gerne eine Fortsetzung produzieren darf.


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