Von Martin Müller-Lütgenau 0
Farewell

Dieter Hildebrandt ist tot - Das deutsche Kabarett trägt Trauer

Dieter Hildebrandt ist im alter von 86 Jahren verstorben. Wie seine Frau bestätigt, erlag der berühmte und geschätzte Kabarettist in der Nacht zum Mittwoch einem Krebsleiden. Sein Tod reißt eine große Lücke.

Dieter Hildebrandt

Dieter Hildebrandt

(© Getty Images)

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Er war der wichtigste und für viele auch der beste Kabarettist Deutschlands. Im Alter von 86 Jahren ist Dieter Hildebrandt, das Gesicht des ‟Scheibenwischers“ , nach Informationen von "Spiegel-Online" an einem Krebsleiden gestorben. Wie seine Frau Renate bestätigt, starb Hildebrandt in der Nacht zum Mittwoch. Erst am gestrigen Dienstag war bekanntgeworden, dass er schwer an Krebs erkrankt war.

Schockdiagnose im vergangenen Sommer

Die Diagnose Prostatakrebs hatte Hildebrandt nach Informationen der Münchner "tz" erst im Sommer bekommen. Im Anschluss hatte er alle Auftritte abgesagt. Sein Zustand hatte sich in den vergangenen Wochen soweit gebessert, dass Hildebrandt zunächst wieder nach Hause durfte. Anfang der Woche ereilte ihn ein schweren Rückschlag und er musste erneut in die Klinik. Das politische Kabarett verliert mit Hildebrandt einen Visionär und Vordenker. Er wird eine tiefe, nicht zu schließende Lücke hinterlassen.

Ein Leben für das Kabarett

Hildebrandt wurde am 23. Mai 1927 in Bunzlau/Niederschlesien geboren. Im April 1944 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Dass er seine Unterschrift zu einem Parteibeitritt bei der NSDAP gegeben hat, bestritt Hildebrandt vehement. Verschwiegen hat er jedoch nie, dass er HJ-Mitgleid war. Nachdem Krieg holte Hildebrandt sein Abitur nach und studierte von 1950 bis 1955 Literatur- und Theaterwissenschaft in München.

Über den Studentenjob auf die Bühne

Bei einem Nebenjob im Münchner Nachkriegskabarett ‟Kleine Freiheit“ lernte Hildebrandt sein Vorbild Werner Finck kennen. Daraus resultierte ebenfalls 1955 die Gründung des Studentenkabaretts ‟Die Namenlosen“. Ein Jahr später gründeten Sammy Drechsel und Hildebrandt die ‟Münchner Lach- und Schießgesellschaft“, in der er 17 Jahre lang regelmäßig auftrat.

‟Politischer Giftmischer“ im ‟Scheibenwischer“

Ab 1980 kommentierte Hildebrandt im ARD ‟Scheibenwischer“ das politische Leben in Deutschland – und dies durchaus bissig. Aufgrund dessen warf ihm der bayrische Ministerpräsident Franz Josef Strauß ‟echte politische Giftmischerei vor“. Krönung des Ganzen: Der Bayerischen Rundfunk nahm die Ausstrahlung der ARD wegen ‟nicht gemeinschaftsverträglicher“ Elemente vorübergehend aus dem Programm.

"Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung"

Trotz der niederschmetternden Krebsdiagnose im Sommer blieb Hildebrandt stets optimistisch. ‟Ich werde kämpfen bis zum Schluss. Noch bin ich nicht tot“, zitierte ihn am gestrigen Dienstag die ‟tz“. Bereits 2003 gab der für sein Lebenswerk mit dem Bremer Till-Eulenspiegel-Satire-Preis und insgesamt vier Grimme-Preisen ausgezeichnete Hildebrandt nach 145 "Scheibenwischer"-Sendungen seine Abschiedsgala in Berlin. Er wird nicht vergessen werden.


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