Von Nils Reschke 0
Fußball-Kolumne

Die Bundesliga sitzt der englischen Premier League schon im Nacken

Es gab ja einmal Zeiten, da wurde Fußball-Deutschland in der vielbeachteten Fünf-Jahres-Wertung der UEFA durchgereicht auf Platz vier – hinter England, Spanien und Italien. Mit einem Startplatz weniger in der Champions League war die Bundesliga in Europa damit nur noch „zweite Klasse“. Doch das Oberhaus des deutschen Fußballs hat aufgeholt, Italien überrundet und spielt in der europäischen Königsklasse wie auch in der Europa League eine dominierende Rolle.


Und zwar nicht nur der FC Bayern München. Jetzt greift die Bundesliga sogar England und Spanien an. Am Dienstagabend haben die Bayern zwar wenig brilliert in Valencia. Aber: Der deutsche Rekordmeister hat durch das 1:1 in Spanien einen Spieltag vor dem Abschluss der Gruppenphase bereits das Achtelfinale erreicht und zudem beste Chancen, aufgrund des direkten Vergleichs sich den Gruppensieg zu holen. Am Mittwoch war dann das Ruhrgebiet an der Reihe, es den Münchnern nachzumachen.

Was soll ich sagen? Was war das für ein Fest in Amsterdam, wo der amtierende Deutsche Meister aus Dortmund Ajax mit 4:1 vom Feld fegte und es damit den Königlichen von Real Madrid gleich tat, die ebenfalls in den Niederlanden 4:1 gewonnen hatten. Das war schon bärenstark, was Jürgen Klopps Mannen da auf dem grünen Rasen von Amsterdam präsentierten. Marco Reus und Mario Götze wirbelten im Mittelfeld, erzielten das 1:0 und 2:0. Götze bewies anschließend auch Passqualitäten, indem er zwei Mal Goalgetter Robert Lewandowski einsetzte. Das war Harmonie in Vollendung, ein gelungener Mix aus schnörkellos die Angriffe nach vorne spielen und technischer Raffinesse. Viva Borussia!

Der BVB hat damit nicht nur wie die Bayern bereits das Achtelfinale erreicht. Nein, Dortmund steht nach dem 1:1 zwischen Manchester City und Real Madrid sogar schon als Gruppensieger fest und geht damit auf jeden Fall im Achtelfinale schon mal dem großen FC Barcelona aus dem Weg. Real Madrid wird es auch nicht werden. Der FC Malaga im Übrigen ebenso wenig. Der spanische Erstligist ist wohl eine der Überraschungen bisher in der europäischen Königsklasse und hat Platz eins ebenfalls sicher.

Borussia Dortmund ist also Erster. Da hat man den Bayern etwas voraus. Nur eines bekommen die Schwarz-Gelben noch nicht hin: die Balance zwischen Bundesliga und Champions League. Im letzten Jahr schied die Klopp-Elf sang- und klanglos in Europa schon nach der Vorrunde aus, zelebrierte dafür in der Liga. In dieser Saison ist das andersherum. Der BVB hat alle Mühe, mit dem FC Bayern Schritt zu halten. Neun Punkte liegt der Titelverteidiger hinter München. Beobachten wir also gespannt, ob es eine Aufholjagd der Dortmunder geben wird.

Eine Aufholjagd der Bundesliga auf die Premier League hat stattdessen in Europa schon begonnen. Denn nach dem fünften Spieltag in der Champions League sieht der Stand der Dinge wie folgt aus in der Fünf-Jahres-Wertung der UEFA: Der Vorsprung der Premier League ist für die Saison 2013/14 geschmolzen. Von derzeit 4,2 Punkten Vorsprung auf dann nur noch 1,9 Punkte. Wenn Titelverteidiger FC Chelsea in der Gruppe E tatsächlich vorzeitig die Segel streichen sollte, wäre das natürlich nur mehr als gut für die Bundesliga. Manchester City ist bereits jetzt schon ausgeschieden und muss sogar darum bangen, in der Europa League nach der Winterpause weiterspielen zu dürfen.

Dass die Bilanz der Bundesligisten so gut aussieht, ist auch mit ein Verdienst des FC Schalke 04. Das wollen wir nicht außer Acht lassen. Der 1:0-Sieg gegen Olympiakos Piräus war zwar „schmutzig“, aber er bedeutet eben auch drei Punkte und damit außerdem die Qualifikation für das Achtelfinale. Das ist eben der Unterschied zu den vergangenen Jahren. Auch wenn es mal nicht so rund läuft, punkten die Bundesligisten trotzdem. Und drei deutsche Teilnehmer, die sich schon vor dem letzten Spieltag in der Champions League für das Achtelfinale qualifiziert haben – wann hat es das zuletzt gegeben? Langsam, aber sicher macht es sich bezahlt, dass die deutsche Liga immer darauf gesetzt hat, möglichst seriös zu wirtschaften und nicht jeden Wahnsinns-Transfer auf Biegen und Brechen zu realisieren. Wo andere Teams dringend abhängig von Ölbaronen werden, da holt die größtenteils unabhängige Bundesliga auf. Freuen wir uns auf ein packendes Achtelfinale!


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