Von Nils Reschke 0
Der Pool ist rund

Deutschlands beste Elf – oder: Jammern auf ganz hohem Niveau

Es wird geklagt, geätzt, gestänkert – und trotzdem wird auch gewonnen. In welcher (Fußball-)Welt leben wir eigentlich, dass uns das Erreichen eines Halbfinales oder Endspiel nicht mehr reicht? Diese Frage muss jetzt, da es für Deutschlands Kicker mal wieder um wichtige Quali-Punkte geht, in unserer Kolumne „Der Pool ist rund“ einfach auch mal gestellt werden.


Nach ihren beiden Auftaktsiegen in der WM-Qualifikation mit 3:0 gegen die Färöer und mit 2:1 in Wien gegen Österreich hätte doch eigentlich alles „in Butter“ sein sollen. Mochte man meinen. Doch bevor sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Irland mit 6:1 den Frust von der Seele schoss, brodelte es an allen Ecken und Enden. Da war beispielsweise Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß, der sich mal wieder genötigt sah, mächtig dazwischenzuhauen und im Prinzip alles in Frage stellte, was in den vergangenen Jahren unter Bundestrainer Joachim Löw aufgebaut wurde. Hoeneß wurde sogar persönlich und griff Stürmer Miroslav Klose an. Bastian Schweinsteiger eröffnete derweil eine neue Diskussion zum Thema „Stimmung innerhalb der Mannschaft“. Und selbst der Bundestrainer goss zusätzliches Öl ins Feuer, indem er Linksverteidiger Marcel Schmelzer auf ungewohnte Art und Weise öffentlich scharf kritisierte. Wer die Ergebnisse der ersten beiden Spieltage in der Gruppe C der WM-Qualifikation nicht kannte, der musste fast meinen, dass Deutschland einen Fehlstart par excellence hingelegt hatte.

Natürlich ist klar: Ganz Fußball-Deutschland sehnt sich nach einem Titel. 1990 feierte das DFB-Team unter Teamchef Franz Beckenbauer seinen letzten großen Triumph bei einer Weltmeisterschaft. 1996 schafften Berti Vogts Buben den Sieg bei einer Europameisterschaft. Seitdem herrscht Flaute. Groß bleibt nur die Sehnsucht. Ein zweiter oder dritter Platz zählt einfach nichts mehr. Joachim Löw wird in Frage gestellt. Jürgen Klinsmann, der nach der WM 2006 im eigenen Land den Rückzug antrat, möchte man nachträglich applaudieren: Alles richtig gemacht! Vielleicht nicht alles richtig gemacht, aber zumindest vieles, hat Jogi Löw. Was gerne vergessen wird, das sind die desolaten Vorstellungen bei den EM-Endrunden 2000 und 2004, die nur durch den eher glücklichen Finaleinzug bei der WM 2002 kaschiert wurden. Aber sind wir doch mal ehrlich: Richtig Spaß machen die deutschen Spiele doch erst wieder seit der Weltmeisterschaft im eigenen Land, wenngleich das „Sommermärchen“ ohne ein Happy End auskommen musste.

Von Stagnation zu sprechen, ist maßlos übertrieben. Im Vergleich zu 2006 lieferte die deutsche Elf bei der WM 2010 fantastische Matches gegen England und Argentinien ab, die zweifelsohne zu den besten Auftritten in der Geschichte deutscher Nationalmannschaften zählten. Joachim Löw hat aber auch nicht den Fehler vieler seiner Vorgänger begangen, es beim Kader diese Mannschaft einfach so zu belassen. Er hat weiter gefahndet nach neuen Talenten und guten Spielern. Hätte er es nicht getan, dann stünden heute auch nicht Mario Götze oder Marco Reus nicht im Aufgebot. Der Kader einer Nationalmannschaft ist also idealerweise ein steter Prozess der Weiterentwicklung. Und solch eine Entwicklung braucht eben seine Zeit, bis die perfekte Mannschaft gefunden ist. Eine, die alle schlagen kann. Solch eine Elf haben in den vergangenen Jahren eben die Spanier gestellt. Es ist keine Schande, dass das DFB-Team im EM-Finale 2008 oder im WM-Halbfinale 2010 gegen eben jene Iberer verloren hat. In Fußball-Deutschland täte man gut daran, auch den Besseren zu respektieren. Dass dann im Halbfinale der EM 2012 gegen Italien verloren wurde, weil alle Fehler gegen den Angstgegner gemacht haben, muss akzeptiert werden. Auch andere, sehr starke und top besetzte deutsche Nationalmannschaften sind in der Vergangenheit schon an den Italienern gescheitert.

Deutschland ist auf einem guten Weg. Auf einem sehr guten sogar. Spieler wie Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger haben ihren Zenit noch längst nicht überschritten. Keeper Manuel Neuer schon einmal gar nicht. Damit einher geht die Tatsache, dass neben dem FC Bayern nun auch Borussia Dortmund auf internationalen Parkett, sprich: in der Champions League, bessere Vorstellungen abliefert. Siehe den Auftritt bei Manchester City. Auch das bringt die Nationalmannschaft einen Schritt weiter. Möglicherweise diesen einen Schritt, der noch fehlt, um Spanien und seine erprobten Profis von Real Madrid und vom FC Barcelona einzuholen. Und trotzdem bleibt im Fußball auch immer noch das Restrisiko. In 90 Minuten kann viel passieren. Sieg und Niederlage liegen dicht beieinander. Genau das macht diesen Sport doch aus. Wir sollten das Jammern endlich einstellen. Die nächste WM kommt bestimmt. Und mit ihr der Erfolg.


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