Von Mark Read 0

Deutschlands Aus bei der Frauen-WM: Abruptes Ende des Sommermärchens


Zwei Tage nach dem Ausscheiden der deutschen Frauen-Nationalelf bei der WM im eigenen Land sitzt der Schock immer noch tief. Niemand hatte damit gerechnet, dass das "Sommermärchen" schon im Viertelfinale sein Ende finden könnte. Nun fragen sich Beobachter, Fans und Experten: Woran lag es? War der öffentliche Druck zu groß? War es das ungewohnte Millionenpublikum? Oder war Gegner Japan einfach zu stark?

Am gestrigen Sonntag verabschiedeten sich die deutschen Spielerinnen voneinander und fuhren in den Sommerulaub - viel früher als geplant. Eigentlich war der Einzug ins Finale in einer Woche fest eingeplant gewesen. Doch dann versäumten es die Spielerinnen von Silvia Neid, trotz eindeutiger Feldüberlegenheit den Ball ins Tor zu tragen. Die Japanerinnen waren nicht unschlagbar, erwiesen sich aber als zähe, schwer zu überlistende Gegner. Nach 90 Minuten stand es 0:0, in der Verlängerung kassierte Deutschland dann das entscheidende Gegentor - es war die einzige richtig gute Torchance der Japanerinnen. Nach Abpfiff kullerten die Tränen und der gesamte DFB-Tross verfiel in kollektive Schockstarre. Auch Trainerin Silvia Neid wirkte am Tag danach noch sichtlich angeschlagen.

Im Interview mit "Spox.com" versuchte die Chefin, das Geschehene richtig einzuordnen: "Im Augenblick mache ich mir gar keine Vorwürfe. Im Moment bin ich einfach nur traurig, dass wir ausgeschieden sind, obwohl wir nicht die schlechtere Mannschaft waren. Aber so ist Fußball: Wenn man vorne die Tore nicht macht, kann ein Konter das Spiel entscheiden." Nach dem Spiel hatte die Trainerin ihre geschockten Spielerinnen im Mittelkreis versammelt und eine Ansprache gehalten. Was sie dort gesagt habe? "Ich habe die Spielerinnen getröstet. Ich habe ihnen gesagt, dass es so etwas im Fußball eben gibt und dass wir das jetzt verkraften müssen. Ich mache ihnen überhaupt keinen Vorwurf, sie haben alles gegeben. Wir müssen jetzt respektieren, dass Japan eine Runde weiter ist."

Zweifellos steht nach dem enttäuschenden Ausscheiden bei der WM im eigenen Land nun ein Umbruch an. Superstar Birgit Prinz beendet ihre Karriere auf die schlimmste Art und Weise. Nach zwei schwachen Vorstellungen zu Turnierbeginn verfolgte sie die letzten beiden Partien von der Bank aus. Auch weitere Spielerinnen werden wohl nicht mehr dabei sein. Auch eine Lira Bajramaj, die eigentlich zum Superstar dieser WM hätte werden sollen, muss sich erst einmal neu empfehlen.

Japan bekommt es im Halbfinale nun mit Schweden zu tun. Das zweite Halbfinale bestreiten die USA und Frankreich. Am Samstag steigt das Spiel um Platz drei, am Sonntag das Finale. Leider ohne Deutschland.


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