Von Nils Reschke 0
EM 2012 Gruppe B

Deutschland – Portugal: Heute Abend wird es ernst für Jogis Löwen

Um 20.45 Uhr wird es für die deutschen Kicker ernst. Im ukrainischen Lemberg will Deutschlands Fußball-Nationalmannschaft mit einem Sieg starten in die Gruppe B starten. Dazu muss natürlich in erster Linie Portugals Superstar Cristiano Ronaldo ausgebremst werden. Unklar ist nur, wer diesen Job erledigt.


Es wurde alles gesagt. Manchmal sogar etwas zu viel. Wie im Fall von Co-Trainer Hans Flick, der sich einen verbalen Ausrutscher leistete, als er die Frage nach den Maßnahmen bei Cristiano Ronaldos Freistößen beantwortete mit „Stahlhelmen“, die man dann besser aufsetzen sollte. An Krieg, schon gar nicht an den Zweiten Weltkrieg, dachte Flick dabei natürlich nicht. Trotzdem sorgte dieses Statement für helle Aufregung in der internationalen Presselandschaft. Die Entschuldigung folgte auf dem Fuß. Die Wogen wurden so gerade eben noch geglättet.

 

Aus der Welt geräumt scheinen auch die Irritationen um Jerome Boateng, der sich derart dumm anstellte, um sich in der Nacht vor der Abreise ins DFB-Quartier nach Danzig von Fotografen mit Gina-Lisa Lohfink erwischen zu lassen. Das schmeckte dem Bundestrainer überhaupt nicht. Und das ließ Joachim Löw auch alle auf der Pressekonferenz wissen, betonte allerdings ebenfalls, dass „Jerome extrem konzentriert arbeite“. Trotzdem probte Jogi den Ernstfall, in dem er im Geheimtraining Lars Bender als Rechtsverteidiger testete. Ein Wink mit dem Zaunpfahl – oder eher ein Ablenkungsmanöver für die Portugiesen? Denn der Spieler von Bayer Leverkusen hat auf dieser Position noch nie gespielt. Und dann bei seinem Debüt ausgerechnet gleich gegen Superstar Cristiano Ronaldo – das scheint ein gewagtes Experiment. Vermutlich zu gewagt, auch wenn Löw Boateng gewiss gerne einen Denkzettel verpasst hätte, der Signalwirkung für die gesamte Mannschaft gezeigt hätte: Schaut her, wer sich dem Team nicht unterordnet, fliegt aus der Startelf oder wird für selbige nicht berücksichtigt.

Festgelegt, wer auf der linken Abwehrseite verteidigen wird, hat sich der Bundestrainer ebenfalls. Philipp Lahm von Bayern München wird diesen Job erledigen, auch wenn der sich bekanntermaßen auf der anderen Seite wohler fühlt. Aber als vorbildlicher Kapitän habe er kein Problem damit: „Ich stelle mich natürlich im Dienst der Mannschaft und spiele da, wo ich gebraucht werde“, sagte Lahm auf der Pressekonferenz. Doch eigentlich verwundert diese Marschroute von Löw, denn Lahm war es, der in der Vergangenheit gegen Ronaldo stets gut aussah. Ob nun im Verein mit den Bayern gegen Real Madrid, oder auch im Nationalteam gegen Portugal. Pokert der Bundestrainer also nur und schickt seinen Kapitän am Ende doch auf die rechte Seite? Derartige Spielereien im Vorfeld sind Joachim Löws Ding ja eigentlich nicht.

Deswegen wird er sich auch für Miroslav Klose im Sturm und damit gegen Mario Gomez entscheiden. Natürlich hat Gomez in der Bundesliga, aber auch in der Champions League groß aufgespielt. Doch auf Miroslav Klose war im DFB-Trikot stets Verlass. So bitter das für „Super Mario“ auch sein mag – Löw hat keinen Anlass, seinen Stoßstürmer zu tauschen. Erst recht wird er es nicht am Ehrentag von Miro tun, denn der Angreifer von Lazio Rom feiert heute seinen 34. Geburtstag, den er sich und seinem Team nach Möglichkeit natürlich mit ein, zwei Treffern als Sahnehäubchen auf der Geburtstagstorte versüßen möchte.

Rechtzeitig fit geworden ist auch die „Wade der Nation“, Bastian Schweinsteiger, der im Mittelfeld an der Seite von Sami Khedira von Real Madrid auflaufen wird. Davor wirbelt Khediras Vereinskamerad Mesut Özil Über die Außen greifen Lukas Podolski und Thomas Müller an. Die defensiven Außenbahnen haben wir mit dem Fragezeichen hinter Boateng bereits geklärt, dass Manuel Neuer den Kasten sauber halten soll, steht ebenso fest. Und in den zentralen Defensive hat Per Mertesacker vom FC Arsenal das Rennen wohl gegen den Deutschen Meister Mats Hummels gewonnen und wird neben Holger Badstuber von den Bayern auflaufen. Es ist also alles angerichtet. Was jetzt noch fehlt, ist ein Sieg zum Auftakt in der Gruppe B gegen die Portugiesen. Also högschde Konzentration, högschder Spaßfaktor, bitteschön!


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