Von Nils Reschke 0
Unheilig

„Der Graf“ und sein Kampf gegen das Stottern

Die gleichnamige Tour zum neuen Album „Lichter der Stadt“, das heute erschienen ist, beginnt am 30. Juni in Meppen. Auf den Frontmann von Unheilig warten dann wieder zahlreiche Bewährungsproben, denn „Der Graf“ kämpft bis heute gegen das Stottern.


„Such dir einen Beruf, in dem du vor niemanden reden musst. Sonst lachen dich alle aus.“ Vielleicht war es ja sogar ein gut gemeinter Ratschlag, dem ein Lehrer ihm einst gab. Viel geredet hat er vor Menschen zwar nie, dafür aber gesungen: In ausverkauften Hallen vor Zehntausenden, die dem Frontmann der Band Unheilig zujubelten. Bernd Heinrich Graf, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, nennt sich schlicht und einfach „Der Graf“. Und er musste erst einmal mit einem Trauma leben können – ganz besonders dann, als der Erfolg von Unheilig immer größer, die Band immer populärer wurde.

Die Musik war es aber auch, die ihm geholfen habe. Denn früher litt der charismatische Sänger, man hält es kaum für möglich, unter Sprachstörungen. „Der Graf“, der mit tiefsinnigen Texten und warmer Stimme die Massen begeistert, ein Stotterer? Unvorstellbar, aber so war es. Selbst heute passiere es ihm nach eigenen Aussagen dann und wann, dass er sich in einem Satz verhaspele. Seine Feuertaufe sei aber eine Laudatio auf einer großen Gala gewesen, erzählt der Frontmann von Unheilig. Es habe ihm viel Überwindung gekostet. „Aber ich habe es gemacht“, sagt „Der Graf“ heute stolz. Er wollte seine Angst endlich besiegen.

Der Grund für sein Stottern ist in der Kindheit zu suchen, in der der Sänger mit einem schweren Schlag des Schicksals konfrontiert wurde. Dieses Trauma verarbeitete er lange nicht, erzählte „Der Graf“ jüngst noch der Bild. Monatelang habe er kein Wort gesprochen. Als der Sänger es dann doch tat, begann das Stottern. Musik ist seitdem nicht nur eine treue Wegbegleiterin, sie bedeutet für den Unheilig-Sänger auch immer noch ein Stück weit Therapie gegen die Sprachstörung. Auf dem neuen Album „Lichter der Stadt“, das seit heute erhältlich ist, ist davon freilich nichts zu hören.


Teilen:
Geh auf die Seite von: