Von Nils Reschke 0
Bizarre Wende in Südafrika

Der Fall Oscar Pistorius: Chefermittler Botha steht selbst unter Verdacht

So dramatisch wie sich der Fall um den behinderten Olympioniken Oscar Pistorius gestaltet, wird es gewiss nicht lange dauern, bis Hollywood daraus einen Film macht. Denn im vermeintlichen Mordfall geht es immer bizarrer zu.


Nicht nur Südafrika hält in diesen Tagen den Atem an. Der Fall um Oscar Pistorius und den mutmaßlichen Mord gegen seine Lebensgefährtin, das Model Reeva Steenkamp, beschäftigt die ganze Welt. Und der Fall wird immer bizarrer – nicht nur wegen des südafrikanischen Olympia-Stars, der als behinderter Sportler mit Beinprothesen sogar bei den Olympischen Spielen in London gegen kerngesunde Läufer angetreten war. Die Prothesen spielen bei den Ermittlungen auch eine Rolle. Denn Pistorius hatte angegeben, in Panik und in Dunkelheit geschossen zu haben, als er Geräusche gehört habe. Er sei dabei auf seinen Beinstümpfen in Richtung Badezimmertür gegangen. Doch die Ermittlungen ergaben, dass die Einschusslöcher dafür zu hoch seien. Schon am Dienstag hatte der zuständige Richter eine Anklage auf zusätzlichen Mord zugelassen.

Doch der Chefermittler, Hilton Botha, gerät trotz dieser ersten Erkenntnisse selber unter Druck. Wie sich jetzt herausstellte, laufe gegen Botha ein Verfahren wegen versuchten siebenfachen Mordes. Deswegen soll er Medienberichten zufolge auch von diesem Fall abgezogen werden. Die südafrikanische Polizei dementierte diese Meldungen, der TV-Sender „Eyewitness News“ hingegen zitierte einen Sprecher der Staatsanwaltschaft, wonach „keine andere Wahl“ bliebe, als Botha von den Ermittlungen zurückzuziehen.

Auch in einer anderen Angelegenheit ist die Polizei womöglich etwas zu voreilig mit Informationen umgegangen. In zwei beschlagnahmten Kartons hätten sich Testosteron-Steroide befunden, hieß es demnach – und schon wurde munter darüber diskutiert, dass Oscar Pistorius möglicherweise auch ein Dopingsünder sei. Zudem erhöhen Steroide nachweislich die Aggressivität. Doch tatsächlich scheinen sich in den Kartons nur homöopathische Mittel befunden zu haben. Das zumindest behauptet die Verteidigung, die Ermittler Botha gehörig in die Mangel nahm. Der Fall bleibt spannend – und wird immer verwirrender.


Teilen:
Geh auf die Seite von: