Von Nils Reschke 0
Fußball-Kolumne

Deniz Aytekin verzettelt sich, Miroslav Klose zeigt Charakter

Wenn ich unsere Fußball-Kolumne heute mit einem kleinen Gag starten wollen würde, dann könnte die Einleitung vielleicht so aussehen: Endlich wieder Bundesliga! Das war in dieser englischen Woche ja auch kaum auszuhalten. Ein Donnerstag ohne „richtigen“ Fußball – unerträglich. Zweite Liga, na gut. Aber wir wollen endlich wieder Bundesliga schauen. Da passt es doch hervorragend ins Konzept, dass Düsseldorf und der Schalke Freitagabend mit einem 0:0 in den sechsten Spieltag starten werden. Oder?


Fußball lief ja reichlich unter der Woche. Doch noch bemerkenswerter als beispielsweise das 3:3 von „Borussia Frankfurt“ war die 0:3-Niederlage von Lazio Rom beim SSC Neapel. Eigentlich waren die Römer ja mit 1:0 in Führung gegangen. Eigentlich. Denn dann schlug die Stunde von Mister Fair Play Miroslav Klose. Eine Sekunde lang fühlte sich der deutsche Nationalstürmer wohl an die WM 1986 erinnert. Und da genau an Argentiniens Auftritt gegen die Engländer.

Klose jedenfalls bugsierte nach bereits drei Minuten im Sao Paolo das Leder mit der Hand über die Linie. Aber während Diego Maradona, der zweifelhafte argentinische Torschütze im besagten England-Match, bis heute hartnäckig behauptet, es sei nicht etwas seine Hand sondern die „Hand Gottes“ gewesen, die den Ball ins Tor lenkte, ist der irreguläre Klose-Treffer längst aufgeklärt. Ihm sei der Ball an die Hand gesprungen, beichtete Klose dem Referee. Also wieder alles auf Null – und weiter ging´s.

Was danach geschah, glich einer Heldensaga. Noch auf dem Platz bestürmten Neapels Spieler den gegnerischen Angreifer, um ihn zu beglückwünschen. SSC-Trainer Walter Mazzarri applaudierte spontan Beifall. „Bravo!“ Und Sepp Blatter, der Boss der FIFA, griff zum Smartphone und twitterte eifrig: „Du hast gezeigt, dass man zugleich ein guter und ein fairer Spieler sein kann.“ Moment mal! Blatter? „Fair Play ist kein Thema, das die Leute vor Begeisterung von den Sitzen reißt.“ So ließ sich der FIFA-Chef auch schon einmal zitieren. Und jetzt zeigt Miroslav Klose, dass Blatter mit diesem Statement gewaltig irrte.

Neapels Fans waren aus dem Häuschen, die ganze Serie A, der komplette italienische Fußball ist es. Da konnte selbst Kloses Trainer Vladimir Petkovic nicht mehr anders: „Miro hat gezeigt, was ein wahrer Mann ist.“ Und die Gazetta dello Sport behauptet sogar: „Klose ist in diesem kranken Fußball eine Anomalie.“ Schönen Gruß an die Wettbetrüger und Manipulations-Täter.

Dabei – das sei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich erwähnt – ist Miroslavs Klose Ehrentat vom vergangenen Mittwoch für den Stürmer eher eine Selbstverständlichkeit. Schon einmal nämlich trug der Nationalstürmer, damals noch im Dress von Werder Bremen, dazu bei, dass der Schiedsrichter einen Elfmeter zurücknahm. „Kein Foul“ hatte Klose die Grätsche des gegnerischen Keepers Hain von Arminia Bielefeld an ihn höchstpersönlich bewertet. Referee Fandel korrigierte also seinen Pfiff. Deniz Aytekin tat das an jenem Mittwochabend allerdings nicht.

Weil Ivo Ilicevic schwieg. Stattdessen gab Aytekin dem vermeintlichen Übeltäter Martin Stranzl im Match zwischen Borussia Mönchengladbach und dem Hamburger SV glatt Rot. Dabei hatte der Verteidiger der Fohlen den HSV-Stürmer gar nicht berührt. Eine doppelte Fehlentscheidung also, die der Fußballgott prompt bereinigte. Den fälligen Strafstoß schoss Rafael van der Vaart nur an den Pfosten. Hamburg kassierte anschließend in der Nachspielzeit noch das 2:2.

Und leider müssen wir an dieser Stelle noch einmal zu Sportskamerad Deniz Aytekin zurückkehren. Der stand zuletzt im Fokus, als er im Nordderby zwischen Hannover und Werder den 96-Spieler Huszti nach dessen „Doppel-Vergehen“ beim Jubel, also das Trikot ausziehen und dann den Zaun der Fankurve erklimmen, Gelb-Rot gezeigt hatte. Irrsinn! Warum Aytekin aber tatsächlich in der Kritik steht – und zwar immer wieder – bewies er im Stadion im Borussia Park. Dieses Mal jubelte der Torschütze des 2:2 in der Nachspielzeit, Alvaro Dominguez. Und zwar mit blanken Oberkörper. Des Trikots hatte er sich bereits entledigt, der Zaunjubel blieb vorsichtshalber aus. Und was macht Deniz Aytekin? Der lässt die Gelbe Karte stecken! Unfassbar! Hannover 96, das ohne Huszti in Hoffenheim seine erste Saisonniederlage hatte einstecken müssen, wird sich im Nachhinein doppelt verschaukelt vorkommen. Auch Schiedsrichter tragen zum Fair Play bei. Oder aber eben nicht, nicht wahr, Herr Aytekin?


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