Von Kati Pierson 0
Nicht abgeschlossen

Christian Lais: Auf der Suche nach der Vergangenheit

Christian Lais ist dieses Jahr schwer beschäftigt. Er hat nicht nur ein neues Album "Neugebor'n" auf den Markt gebracht. Bei Ute Freudenberg ist er auf ihrer Tournee zum 40-jährigen Bühnenjubiläum der Stargast. Am Anfang des Jahres war er mit der Presse auf der Suche nach seiner Vergangenheit.


Anfang des Jahres war der sympathische und charmante Sänger Christian Lais mit der Presse auf der Suche nach seiner Vergangenheit. Am Ende fand er seinen Vater und Gewissheit, aber am Ende seiner Reise ist er deshalb noch nicht. Im August stellte er sich unseren Fragen zu dieser Suche. Wir möchten die ganze Geschichte jedoch nicht nacherzählen, lauschen wir doch einfach den Worten von Christian Lais.

Promipool: Du hast Anfang des Jahres etwas gesucht und gefunden?

Christian Lais: "Meinen Papa. Das ist eine Geschichte, die glaubt mir eh kein Mensch. Das ist wirklich wahr, was ich Dir jetzt erzähl. Ich hab meinen Papa viele, viele Jahre gesucht. Ich wusste als Kind schon, er wohnt in unserer Region. Hab mich aber nie getraut ihn anzusprechen. Dann mit 12 Jahren hab ich mich zum ersten Mal getraut, ihm einen Brief zu schreiben. Dass er auch ein Kind hat. Ich bin ja sein Erstgeborener. Und es wäre nett, wenn er mich besuchen kommen würde. Ich hätte auch dieses Anrecht. Dann ging lange, lange nix. Und wie es der Teufel so will, war ich im Landschulheim und dann kam der vorbei mit dem Brief. Er will sein Kind sehen und ich war nicht da."

Promipool: Kam er ein paar Tage später noch einmal vorbei?

Christian Lais: "Dann hat sich das ganze wieder im Sand verlaufen. Ich hab dann auch den Mut nicht gehabt. Dann waren andere Dinge vorrangig. Dann hab ich wieder gesucht und wieder gesucht. Ich hatte mittlerweile auch schon erfahren, dass ich noch zwei andere Geschwister habe. Nicht nur die vier, wo es jetzt gibt, sondern noch mal zwei. Dann ging das Gerücht: Mein Vater ist tot"

Promipool: Was hast Du dann gemacht?

Christian Lais: "Ich hab dann Spurensuche gemacht. Ich bin dann mit der Presse los auf meinen Kindheitsweg. Wo ich groß geworden bin, hab ich die ganzen Straßen abgesucht. Das war ja alles Neubau. Aber ich hab das Haus gefunden. Dort lebte sein Bruder. Aber ich mich nicht getraut rein zu gehen. Ich hab mich echt nicht getraut. Ein paar Wochen später, wo ich dann beim Training war, lief mir ne Frau hinterher. Ich dachte, was will jetzt die von mir? Will die jetzt ein Autogramm oder will die jetzt gucken wie ich trainiere? Oder will die ein Bild machen für Facebook oder so? Und dann spricht die mich an und sagt: 'Hallo – ich war 22 Jahre mit deinem Papa verheiratet.' Da schluckst Du erst Mal. Ich war total baff."

Promipool: Mit sowas rechnet man ja in dem Moment auch nicht?

Christian Lais: "Ne, ich hab eher gedacht, was erzählt denn die da? Da kann jeder was erzählen. Ich hatte ja bis dato kein Bild von meinem Vater gesehen. Noch nie ein Foto. Dann sagt sie mir: 'Wir trinken einen Kaffee. Ich war mit Deinem Vater 22 Jahre verheiratet. Du hast noch vier Geschwister.' Und dann hat sie mir die ganze Story erzählt und ne Woche später, haben wir uns wieder getroffen im Fitnesscenter. Sie hat mir ein Kuvert gegeben und da waren zum ersten Mal Bilder von meinem Vater drin."

Promipool: Was war das für ein Gefühl?

Christain Lais: "Ich hab das zwei Tage nicht aufgemacht. Weil ich ganz genau wusste, wenn Du das jetzt aufmachst – das war eine ganz berührende Situation – wenn Du das jetzt aufmachst, dann bist Du am Ziel angekommen. Ich hab irgendwie Schiss davor gehabt. Ich konnte das nicht aufmachen. Meine Mutter hatte damals über die ganze Geschichte immer geschwiegen, wenn ich sie auf meinen Vater angesprochen habe. Zwei Tage später habe ich mich dann getraut, diesen Umschlag aufzumachen. Die Neugier war größer. Es war dann auch die Sterbeurkunde mit drin. Mein Vater ist schon 1990 verstorben. Vor 22 Jahren."

Promipool: Wie ist das, wenn man endlich nach all der Zeit und dem Suchen am Ziel angekommen ist?

Christian Lais: "Ich bin nicht am Ziel angekommen. Weil ich gesagt habe, dass kann es ja jetzt wohl nicht sein. Ich hab ihn jetzt so lange gesucht. Ich bin jetzt am Kämpfen mit den Behörden. Er ist ja in Italien beerdigt. Ich hab jetzt einen Dolmetscher, der das alles managt. Die Italiener bauen immer so ein Haus auf ihren Friedhöfen. Da kommt dann die ganze Familie immer rein. Mein Ziel ist es jetzt das Grab ausfindig zu machen. Ich möchte an dieses Grab. Dann hab ich abgeschlossen. Das ist mein Ziel. Dass ich weiß, ich war da. Dann kann ich damit abschließen."

(Hier geht es zu unserem Interview mit Christian Lais über seine Duette mit Ude Freudenberg und das Album "Ungeteilt")


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