Von Nils Reschke 0
Leben für die Lieder

Chansonnier Reinhard Mey feiert seinen 70. Geburtstag

Der Liedermacher Reinhard Mey feiert heute seinen 70. Geburtstag – in aller Stille, ohne Trubel und all dem Rummel. Das ist ohnehin nicht sein Ding.


Sein bekanntestes Lied ist ja irgendwie Fluch und Segen zugleich. Jeder kennt diesen Song, der von jenem Platz träumt, an dem „die Freiheit wohl grenzenlos“ sein muss. Im Musikunterricht werden Schüler im Chor dazu verdonnert, „Über den Wolken“ einzustudieren. Das darf bei keinem Festakt in der Aula fehlen. Ehrensache! Und vielleicht kommt es, dass gerade deswegen der verantwortliche Songwriter von vielen Unwissenden gerade nur auf diese Hymne reduziert wird. Die Rede ist natürlich von Reinhard Mey, dem Liedermacher, dem Geschichtenerzähler, dem großen deutschen Chansonnier, der heute seinen runden 70. Geburtstag feiert, zudem auch Promipool.de ihm recht herzlich gratuliert! Und natürlich, wie könnte es bei solche einem Lied wie „Über den Wolken“ anders ein, gilt Reinhard Mey auch als begeisterter Hobby-Flieger.

„Ich wollte wie Orpheus singen“ – mit diesem Lied begann eine einmalige Karriere 1967 für Reinhard Mey, der seit 1984 einen festen Plan folgt: Alle zwei Jahre erscheint ein neues Album. Und das Jahr, das dazwischen liegt, tourt der Liedermacher durch die Republik, erfreut sich bis heute größter Beliebtheit. Seine Konzerte sind nach wie vor ausverkauft. Wer einmal eines von ihnen besucht hat, der weiß, dass Reinhard Mey nicht viel braucht dafür. Im Grunde genommen nur eine Gitarre. Keine Leinwand, keine Lichtershow, kein Spektakel. Er steht da, er sitzt da, zupft an seinem Instrument – und erzählt Geschichten. Ältere, altbekannte, aber auch neue Stücke aus dem jeweils aktuellen Album. Wer sich also darauf einlässt, genießt einen wundervollen leisen Abend, durchaus auch mit ernsten Tönen.

Denn Reinhard Mey mag vielleicht mit ruhiger, sinnlicher Stimme singen. Bequem sind seine Themen deswegen noch lange nicht alle. Oft findet er in seinen Liedern kritische Zeilen gegenüber Kriege, was daran liegen mag, dass Mey an diesem 21. Dezember 1942 in Berlin mitten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges hineingeboren wurde. Dass er seinen 70. Geburtstag allerdings ganz im Stillen feiert ohne großen Trubel und Rummel, auch das passt zu dem großen Chansonnier. So darf man ihn mit Fug und Recht betiteln. Denn was vielleicht nicht ganz so viele Menschen wissen: Als Frederik Mey (Friedrich ist sein zweiter Vorname und so heißt auch sein erster Sohn) veröffentlichte der Berliner sieben Alben in Frankreich, wo Reinhard Mey ebenfalls sehr erfolgreich war. Seine Texte finden sich auch heute noch in französischen Schulbüchern. Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden kamen ebenfalls zwei Alben auf holländisch veröffentlicht. „Als de dag van toen“ ist die niederländische Antwort von „Wie vor Jahr und Tag“. Nur der Versuch, es 1970 auch in England zu schaffen, schlug fehl. Dort fand Reinhard Mey mit seinen Chansons kein Gehör.

60 Alben, weit über 500 Lieder – der Fundus von Reinhard Mey ist schier unerschöpflich. „Mein achtel Lorbeerblatt“ schoss 1972 auf Platz eins der Albencharts. Zu finden sind darauf Lieder wie „Annabelle“ oder „Gute Nacht, Freunde“. Sein Album „Bunter Hund“ aus dem Jahr 2007 wiederholte diesen ersten Platz für den temperamentvollen und gefühlvollen Sänger, der auch mit wunderschöne Balladen, die von der Liebe erzählen, auftrumpfen kann. „Flaschenpost“ aus dem Jahr 1998 oder „Einhandsegler“, das zwei Jahre später kam, sind großartige Alben, die in manchen Liedern den Eindruck erwecken, das Berliner Großstadtkind Reinhard Mey wäre eigentlich am Meer aufgewachsen. Was daran liegen mag, dass Mey auf Sylt direkt an der See ein Haus besitzt.

Sein jüngstes Werk aus dem Jahr 2010 heißt „Mairegen“ und erreichte sowohl in Deutschland als auch in Österreich Rang zwei der Charts. Ein Lied darauf findet sich, das den Namen „Drachenblut“ trägt. Es ist seinem Sohn Maximilian gewidmet, der durch eine nicht erkannte, verschleppte Lungenentzündung und Herzrhythmusstörungen einen Zusammenbruch mit Atem- und Herzstillstand erlitt und seitdem im Wachkoma liegt. Ein schlimmer Schicksalsschlag für den Familienmenschen Reinhard Mey, der neben Max und Frederik noch eine Tochter, Victoria-Luise, hat. Seit 1977 ist er schon mit seiner zweiten Ehefrau Hella verheiratet. „Gute Nacht, Freunde“ singt Reinhard Mey. Aber Zeit zu gehen ist für ihn noch nicht. Im Mai 2013 erscheint das nächste Album „Dann mach´s gut“. Die nächste Tour ist für 2014 geplant und führt Reinhard Mey wieder durch 60 deutsche Städte. Wir freuen uns und gratulieren herzlich zum 70.!


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