Von Sabine Podeszwa 0
Promipool-Musikkolumne

Bushido und der Bambi für Integration

Es war DER Aufreger der vergangenen Woche. Bushido bekam den Bambi-Preis für Integration verliehen, und auf der Stelle entbrannte eine wütende öffentliche Debatte um die Texte des Rappers. Unsere Musik-Kolumnistin Sabine hat sich der Sache mal aus einem nüchternen Blickwinkel genähert.


Liebe Leute, letzte Woche war ja wieder was los im deutschen Fernsehen. Die Bambi-Verleihung hat stattgefunden und da gab es wieder viel zu gucken und zu staunen, zumal die deutsche Veranstaltung immer internationaler wird und auch der eine oder andere große Hollywoodstar sich blicken lässt und auch ausgezeichnet wird.

Der Bambi wird seit sage und schreibe 1948 verliehen und ist somit der älteste Medienpreis Deutschlands. Hubert Burda und die Chefredakteure des Burda Verlags bilden die Jury der Bambi-Verleihung und beweisen oftmals ein glückliches Händchen für die richtige Auswahl. Manchmal liegen sie auch voll daneben, aber das liegt natürlich im Auge des Betrachters und seiner Vorlieben.

Auch dieses Jahr war die Bambi-Verleihung wieder sehr spannend, zumal es einen kleinen Skandal gab. Bushido hat den Bambi-Integrationspreis verliehen bekommen! Eine Tatsache, die die Gemüter dermaßen aufgewühlt hat, dass schon im Vorfeld diskutiert und kritisiert wurde wie selten zuvor. Peter Plate von Rosenstolz brachte es schließlich auf den Punkt. Auf der Bühne sagte er als bekennender Homosexueller, dass er nicht verstehen kann, wie ein Mensch, der Frauen und Homosexuelle in seinen Songs diskriminiert, einen Preis für Integration gewinnen kann. Das ist natürlich eine berechtigte Frage, die bis heute noch niemand gezielt beantwortet hat. Ich möchte auch gar nicht darüber spekulieren, ob Bushido immer noch der aggressive Gangster-Rapper ist, als der er sich am Anfang seiner Karriere präsentiert hat, oder ob er sich einer Wandlung vollzogen und den Integrationspreis tatsächlich verdient hat. Heute gibt er sich jedenfalls nett und freundlich als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft, nimmt im Smoking an Preisverleihungen teil und setzt sich für wohltätige Zwecke ein. Ein Schritt in die richtige Richtung! ABER, um dieses Bild nicht zu zerstören, darf man sich zum Beispiel nicht sein aktuelles Musikvideo ansehen. Da ist mit dem netten Typen von nebenan, als der Bushido sich jetzt gibt, nicht mehr so gut Kirschen essen.

Bushido hat seinen Bambi für Integration in Empfang genommen. Es war recht deutlich, dass ihm die Diskussionen um seine Person und den Preis unangenehm waren. Er ging direkt auf die Kritiken um seine Person ein und sagte, dass er die Sachen, die er in seiner Jugend gesagt hat, nicht mehr sagen würde, denn er hätte mit mittlerweile 33 Jahren gelernt, dass sie falsch sind. Dafür erntete er verhaltenen Applaus. Ob das ausreicht für den Integrations-Bambi? Wie seht Ihr das?

So, für heute habe ich genug über Bushido philosophiert und sinniert. Schaut nächste Woche mal wieder vorbei, dann gibt’s ein anderes aktuelles Thema.


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