Mark 0
Bush in München

Bush in München: Gavin Rossdale feiert Vergangenheit und Zukunft

Im September erschien "The Sea of Memories", das Album, mit dem Bush nach zehn Jahre Pause ihr Comeback feierten. Auf der laufenden Tour zum Album machte Gavin Rossdale mit seinen Kollegen in München Station. Promipool ließ es sich nicht nehmen, das Konzert der Alternative-Rocker zu besuchen. So viel vorweg: Das lange Warten hat sich gelohnt.


Es gab gestern im Münchener Backstage einen Augenblick, der das Konzert von Bush gut zusammenfasst. Beim Song "The Afterlife", einem der vielen dargebotenen Lieder des neuen Albums "The Sea of Memories" legte Frontmann Gavin Rossdale seine Gitarre beiseite und tauchte nur mit dem Mikrofon bewaffnet ab ins Publikum. Klar, das machen viele Rockstars – sie gehen ein paar Schritte und lassen sich dann von den Securities wieder hinter die sichere Absperrung führen. Doch nicht Rossdale. Der Gatte von Gwen Stefani ließ es sich nicht nehmen, das komplette Backstage abzuklappern, Fans zu umarmen, mit ihnen gemeinsam den Song zu singen. Auf der Ehrenrunde, die der 45-Jährige durch die Location drehte, hängte er sogar den ihn begleitenden Sicherheitsmann ab, der irgendwann einfach nicht mehr durchkam. Gavin Rossdale genoss jede Sekunde seines Ausflugs, er ließ sich feiern – und das völlig zu Recht. Denn Bush haben gestern ein wahrlich imposantes Comeback-Konzert hingelegt.

Dabei war Skepsis durchaus angebracht. Bush waren schließlich fast zehn Jahre von der Bildfläche verschwunden. Und als Rossdale dann 2009 beschloss, seine alte Band wiederzubeleben, hatte aus der Originalbesetzung, die in den 90ern Riesenerfolge feierte, nur noch Drummer Robin Goodridge Lust, mitzumachen. Im September erschien schließlich "The Sea of Memories", das erste Album seit 2001. Eine gute Scheibe, ohne Frage, doch die verhältnismäßig glatte Produktion und die poppigen Refrains dürften nicht allen Fans zugesagt haben. Doch sämtliche Zweifel am Sinn der Bush-Rückkehr wischten Gavin Rossdale und Kollegen auf der Bühne eindrucksvoll beiseite.

Als der immer noch blendend aussehende Frontmann und seine Kollegen Chris Traynor (Gitarre), Corey Britz (Bass) und Robin Goodridge (Schlagzeug) ihr Set mit dem sägenden Gitarrenriff des Klassikers "Machinehead" eröffneten, geriet das Publikum im restlos ausverkauften Backstage in eine Welle der Euphorie, von der sie eineinhalb Stunden lang getragen wurde. Voller Energie, mit messerscharfen Gitarrenriffs und wuchtigen Rhythmen rockte sich das Quartett durch ein Best-Of der frühen Jahre und viele Lieder des neuen Albums. "The Sound of Winter" und das erwähnte "The Afterlife" sind zwar brandneue Songs, doch die Zuschauer sangen sie genauso laut mit wie die Gassenhauer aus den Neunzigern. Alte Kracher wie "The Chemicals Between Us", "Everything Zen", "Little Things" und den Megahit "Swallowed" brachte Rossdale mit einer Power dar, die erahnen lässt, wie viel ihm dieses Comeback bedeutet. Der kräftige, dunkle Bariton seiner Stimme war stets das Markenzeichen von Bush. Gestern zeigte er, dass sein Organ nichts an Kraft verloren hat. Das Publikum sah das genauso und feierte den Briten wie einen Messias.

Nur eine Frage blieb bis zum Schluss offen: Wann kommt er endlich, der Über-Song aus Rossdales Feder? Gemeint war natürlich "Glycerine", die anrührende Schrammel-Ballade, die seit 1994 so ziemliche jedes Alternative-Mixtape ziert. Bis zur Zugabe ließ sich Rossdale damit Zeit. Und hunderte Kehlen stimmten mit ein: "Don't let the days go by / Could have been easier on you / I couldn't change though I wanted to". In diesem Augenblick hätte niemand etwas ändern wollen.

Und dann auch noch das: Rossdale war gerührt. Nicht professionell gerührt wie so manch anderer Rockstar, der auswendig gelernte Dankesphrasen auf Deutsch mit gelangweilter Miene herunterleiert. Nein, richtig gerührt. Nach der Hälfte des Konzertes stand er da, verschwitzt, mit im Gesicht klebenden Haaren und verkündete in ungelenken Worten, dass er jedem einzelnen Besucher des Konzertes unendlich dankbar dafür sei, dass sie seiner Band auch während der langen Abwesenheit die Treue gehalten hatten. So ziemlich jeder Konzertbesucher dürfte sich in seiner Entscheidung bestätigt gefühlt haben. Bush haben eine große Vergangenheit, doch nimmt man das gestrige Konzert zum Maßstab, hat die Band auch noch eine Zukunft.


Teilen:
Geh auf die Seite von: