Von Mark Read 0
Free & Easy Festival

Blackmail: Ein Gratiskonzert der sehr bissigen Sorte

In München kommen Liebhaber alternativer Musik jedes Jahr wieder auf ihre Kosten, wenn das "Backstage" völlig umsonst bekannte Größen auftreten lässt. Relativ zu Beginn des "Free & Easy"-Festivals trat dieses Jahr die Koblenzer Institution Blackmail auf. Selbst im 20. Dienstjahr strotzt die Band nur so vor Energie.


Jedes Jahr lädt Münchens größter Alternative-Schuppen "Backstage" zum "Free & Easy"-Festival, wo über 14 Tage hinweg bekannte und unbekannte Bands für umsonst auftreten. Längst hat sich das Gratis-Festival zur Institution entwickelt, und da ist es auch nur logisch, dass an einem der ersten Tage eine weitere Institution die Bühne bespielte. Die Rede ist von Blackmail, einer von Deutschlands dienstältesten und bekanntesten Alternative-Bands.

Ihre größte Zeit hatte die Combo aus Koblenz zu Beginn des neuen Jahrtausends, als das dritte Album "Bliss, please" ein Untergrund-Hit wurde und Blackmail-Videos bei VIVA 2 auf Dauerschleife rotierten. Nun, VIVA 2 gibt es längst nicht mehr, doch Blackmail konnten ihre Popularität bis heute behalten und sogar noch weiter ausbauen. Selbst der Rauswurf des charismatischen Sängers Aydo Abay Ende 2008 führte nicht zum Kollaps. Mit dem neuen Mann am Mikro, Mathias Reetz, meldeten sich Blackmail vor einem Jahr mit dem Album "Anima Now!" triumphal zurück.

Den wiedergefundenen Biss, den Blackmail auf dem ruppigen neuen Album an den Tag legen, zeigte die Band auch beim gestrigen Auftritt im Backstage von Beginn an. Schnell, laut und schnörkellos wurden die Hits des neuen Albums wie "Deborah" oder "The Whys of the Ways" einem begeisterten Publikum präsentiert. Auch die eingängigen Klassiker aus der Abay-Ära wie etwa "Same Sane", "Evon" oder "It Could Be Yours" strotzten nur so vor Energie.

Wo die alten Blackmail eher auf atmosphärischen Rock mit vielen Instrumental-Passagen setzten, kommen die Koblenzer mit dem neuen Sänger nun geradlinig auf den Punkt und geben Vollgas. Dabei übertrumpfen sich die Melodien gegenseitig an Eingängigkeit und bleiben hartnäckig im Ohr. Doch dass sie ihre Wurzeln keineswegs vergessen haben, bewiesen Blackmail dann in der Zugabe. Dort schrubbelte das Quartett eine monumentale Version des Klassikers "The Day the Earth Stood Still" herunter - fast eine Viertelstunde lang peitschten sich die Gitarrenriffs und deftigen Schlagzeug-Parts gegenseitig in die Höhe, trieben sich zu immer lauterem Lärm an. Ein grandioses Noise-Rock-Gewitter, das so manchen Besucher, der Blackmail eher für eine poppige Alternative-Band hielt, mit offenem Mund zurückließ.

Die Altmeister haben nicht nur nichts verlernt, sie sind auch im 20. Dienstjahr keineswegs müde. Eher im Gegenteil. Man hat das Gefühl, dass Blackmail noch nie so voller Leben steckten wie jetzt. Und man darf gespannt sein, wie sich das auf dem neuen, achten Album anhört, an dem die Koblenzer gerade arbeiten.


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