Von Mark Read 1
Triumphales Konzert

Billy Talent: Kanadas Top-Export lässt sich in München feiern

Mit ihrem neuen Album "Dead Silence" setzten Billy Talent ihren Erfolgskurs fort. Das neue Machwerk schoss sofort auf die Spitzenposition der deutschen Charts. Damit bewiesen die Kanadier wieder einmal ihre enorme Popularität in der Bundesrepublik. Gestern Abend legte das Quartett München in Schutt und Asche.


In keinem anderen Land außerhalb ihrer Heimat Kanada sind Billy Talent so erfolgreich wie in Deutschland. Auch das neue Album des Rock-Quartetts, "Dead Silence", schoss nach seiner Veröffentlichung Mitte September sofort an die Spitze der Media-Control-Charts.

Warum die Band ausgerechnet hierzulande so ausschweifend für ihren beinharten Einsatz und mit Herzblut eingespielten Alben belohnt wird, ist den Musikern selbst ein Rätsel. Im Interview mit der Musikzeitschrift VISIONS mutmaßte Bassist Jon Gallant kürzlich: "Wir haben unseren Erfolg bei euch langsam aufgebaut. Wir haben erst kleine Läden gespielt, uns eine Fanbasis erschaffen und später mithilfe von MTV und dem Radio unseren Status ausbauen können."

Mittlerweile ist der Status von Billy Talent so enorm, dass sie auf der laufenden "Dead Silence"-Tour ohne Probleme das Zenith in München füllen können - eine frühere Industriehalle im Norden der Stadt, in die einige Tausend Leute passen. Und wohl selten hat das Zenith eine derart euphorische Stimmung erlebt wie gestern Abend, als nach den beiden Vorbands Arkells und Anti-Flag endlich die Helden des Abends die Bühne betraten. Als Billy Talent mit dem ruhigen Intro der aktuellen Platte begannen und anschließend in das aggressive Riff-Monster "Viking Death March" einstiegen, drohte der Laden aus allen Nähten zu platzen.

Im weiteren Verlauf des Sets wurden mehrere Dinge klar. Zum einen wurde deutlich, wie viele Hits die Kanadier im Laufe der letzten zehn Jahre und über vier Alben hinweg angesammelt haben. Egal ob "This Suffering", "Rusted from the Rain", "River Below" oder "Try Honesty" - ein Kracher folgte auf den Nächsten und versetzte das Publikum in Ekstase.

Zum Anderen wurde klar, dass der Band ihr Ausnahmestatus in Deutschland voll bewusst ist und wie sehr sie es genießt, als Rockstars durch das Land touren zu dürfen. Sänger Benjamin Kowalewicz kriegte sich kaum noch ein vor Lobeshymnen auf die deutschen Fans und auf das euphorische Münchener Publikum. Ob seine Ankündigung, er werde demnächst in die Metropole an der Isar ziehen, wirklich ernst gemeint war, darf bezweifelt werden. Seine Freude war jedenfalls echt. Als der 37-Jährige dann gegen Ende des Sets noch eine Schwarz-rot-goldene Flagge hervorzauberte und über die Bühne trug, war der emotionale Höhepunkt des Jahres erreicht.

Gestern erlebte das altehrwürdige Zenith eine Wechselwirkung zwischen Band und Publikum, die es in dieser Form offenbar noch nicht oft gegeben hat. Das Publikum honorierte die Energie, mit der Billy Talent ihre kompakten, eingängigen Hits zum Besten gab. Und die Band ließ sich wiederum von der Euphorie anstecken und zu noch größeren Leistungen motivieren. Ein in jeder Hinsicht denkwürdiges Konzert.


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