Von Nils Reschke 0
EM 2012 Halbfinale

Bella Italia stürzt Deutschland ins Tal der Tränen

Aus, Schluss und vorbei. Der Traum von einem Titel ist wieder einmal vorzeitig geplatzt für die deutsche Nationalelf. Der Fluch gegen Italien allerdings hält an. Andersherum wäre es uns natürlich lieber gewesen. Doch nach der 1:2-Niederlage heißt es nun für Deutschland: Koffer packen!


Ins zweite Halbfinale der EM 2012 in Polen und der Ukraine war die deutsche Nationalmannschaft trotz ihrer schwachen Bilanz gegen Italien als Favorit gegangen. Nach 90 Minuten verließ sie den Rasen dann aber doch als Verlierer. Und eine ganze Nation fragt sich: Wie konnte es zu diesem 1:2 kommen? Bundestrainer Joachim Löw wollte dies nicht tun: „Wir sollten aber nicht den Fehler machen, jetzt alles zu hinterfragen. Ich werde jetzt nicht alles kritisieren“, sagte er nach dem Schlusspfiff im Interview. Tatsächlich war es aber eben so ein Spiel, in dem einfach nichts lief und sich alles gegen die DFB-Elf verschworen haben zu schien.

Da wären zum einen die Großchancen gegen Italien gleich zu Beginn der Partie: Die beste besaß Mats Hummels bereits nach fünf Minuten, als er nach einer Ecke von Toni Kroos war Keeper Gianluigi Buffon überwand, aber Andrea Pirlo den Ball nach vor der Torlinie klärte, so dass es nichts aus der deutschen Führung wurde. Da war auch noch die 13. Minute, als der Flachpass von Jerome Boateng fast zum Eigentor von Barzagli geführt hätte. Aber der Ball kullerte haarscharf am Pfosten vorbei, Buffon wäre machtlos gewesen. Wer solche Möglichkeiten nicht nutzt, der wird nicht selten bestraft. So sollte es kommen.

Denn der zweite Grund waren natürlich die krassen individuellen Fehler der deutschen Mannschaft, gepaart mit der Kaltschnäuzigkeit der Italiener in Person von Mario Balotelli. Vor dem 1:0 in der 20. Minute ließ sich Mats Hummels wie ein Schüler von Schlitzohr Antonio Cassano vorführen, der flankte maßgeschneidert auf Balotelli, und auch Badstuber, der nur auf den Gegner schaute, nicht aber zumindest versuchte, das Kopfballduell zu gewinnen, machte keine gute Figur. Neuer indes blieb beim Kopfballtreffer von „Super Mario“ machtlos.

Grober Abwehrschnitzer Nummer zwei vor dem zweiten italienischen Treffer: Bei einem perfekten Pass von Montolivio auf Balotelli hob Philipp Lahm das Abseits auf und kam dann gegen den doppelten Torschützen zu spät. Balotelli semmelte Manuel Neuer das Leder um die Ohren. Es stand 2:0 für Italien (36.). „Nach dem 0:1 waren wir fahrig und nicht mehr gut organisiert“, hatte auch Joachim Löw erkannt. „Hätten wir das Anschlusstor eher gemacht, wäre noch mehr drin gewesen.“ Doch aus das Schussglück, das man in solch einem Match benötigt, war Deutschland an diesem Tag nicht treu. Sami Khedira, der beste deutsche Akteur in diesem Halbfinale und bei der EM 2012 überhaupt, war mit einem schönen Distanzschuss kurz vor dieser Szene dem so wichtigen 1:1 recht nahe.

Das Problem Nummer drei: Das Passspiel der Deutschen war über 90 Minuten sehr ungenau. Immer wieder gingen Bälle leichtfertig verloren, das störte den Rhythmus. Deutschland verzettelte sich immer wieder im defensiven und gut eingestellten Abwehrgeflecht der Italiener und baute zu selten großen Druck – wie beispielsweise in der Anfangsphase der zweiten Hälfte – auf. Kam man dann doch einmal durch, stand immer noch ein italienisches Bein im Weg. „Die Enttäuschung ist für alle natürlich groß.  In der Kabine fließen Tränen, die Spieler lassen die Köpfe hängen, keiner spricht ein Wort“, schilderte Joachim Löw die Gemütslage nach dem Schlusspfiff. Das Elfmetertor durch Mesut Özil in der Schlussminute zum 1:2 war zu spät gefallen.

Und zu guter letzt war es auch Joachim Löw selbst, der bislang bei dieser Euro immer das richtige wie glückliche Händchen bei seinen Personalentscheidungen getroffen hatte. Dieses Mal griffen seine Maßnahmen nicht. Mario Gomez für Miroslav Klose einzuwechseln machte das deutsche Spiel in vorderster Front zu statisch. Toni Kroos war für Marco Reus ins Team gerückt, um die Mitte besser dicht zu machen, was auch nicht funktionierte – siehe das 2:0. Und wenn doch, dann fehlte über die rechte Seite meist die Offensivpower. Kroos war bemüht, spielte sehr unglücklich. Lukas Podolski, der für Andre Schürrle gekommen war, blieb ebenfalls ganz blass. Mit Klose und Reus in der Mannschaft wurde es besser – doch da war die Partie angesichts einer 2:0-Führung der Squadra Azzurra fast schon verloren. Zumal das nötige Quäntchen Glück Deutschland abhanden gekommen war.


Teilen:
Geh auf die Seite von: