Von Nils Reschke 0
Finale dahoam

Bayern München scheitert im Elfmeterdrama gegen den FC Chelsea

Wie viele Chancen wollten sie haben? So bitter das ist: Dieses Finale in der Champions League hat der FC Chelsea nicht gewonnen, der FC Bayern München hat es verloren. Im Elfmeterschießen parierte erst Manuel Neuer, doch dann vergaben Ivica Olic und Bastian Schweinsteiger. Der neue König der Königsklasse kommt aus London.


Samstag in München: Nichts geht mehr. Das Finale ist zu Hause angelangt. „Dahoam“, sagen die Süddeutschen. Im Endspiel der diesjährigen Champions League traf der FC Bayern München in der Allianz Arena auf den Herausforderer FC Chelsea, der immerhin mit der Empfehlung in die bayrische Landeshauptstadt gereist war, den Titelverteidiger FC Barcelona aus dem Wettbewerb geschmissen zu haben. Spannung war angesagt, Spannung wurde gehalten, weil die Bayern es erst über 80 Minuten nicht verstanden, einen Treffer trotz haushoher Überlegenheit zu erzielen, und weil Chelsea sie dann schockte. Erst im Elfmeterdrama fiel die Entscheidung. Doch beginnen wir diesen Finalkrimi von vorne...

Der FC Bayern München war die Partie so angegangen, wie es sich die Fans des deutschen Rekordmeisters sicherlich erhofft hatten. In der heimischen Allianz Arena gab nur eine Mannschaft den Ton an: die von Trainer Jupp Heynckes. Nach gerade einmal 24 Minuten hatten sich die Bayern so schon ein Eckenverhältnis von 7:0 erspielt. Noch bemerkenswerter allerdings: Den ersten Ballkontakt überhaupt verzeichneten die Statistiker für Münchens Schlussmann Manuel Neuer nach sage und schreibe 37 Minuten, als er einen Schuss von Salomon Kalou als halbrechter Position sicher und souverän parierte. Mehr war nicht zu sehen vom FC Chelsea in der ersten Hälfte. Was man von den Bayern nun wahrlich nicht behaupten konnte.

Die allerbeste von unzähligen Torchancen besaß nach 21 Minuten Arjen Robben. Der Niederländer wurde von Teamkollege Franck Ribery im Strafraum der Londoner schön freigeblockt, so dass er zum Abschluss kam. Aber Petr Cech im Kasten des Clubs aus der Premier League reagierte mit einer Fußabwehr fantastisch und bewies, warum er noch immer einer der Besten seiner Zunft ist. Schön anzusehen war auch die Direktabnahme von Thomas Müller nach einer Flanke von Diego Contento, die aber ihr Ziel um zwei, drei Meter verfehlte. Kurz vor der Pause hatte dann auch Mario Gomez eine weitere gute Möglichkeit, geriet aus zwölf Metern aber zu sehr in Rücklage. Sein Schuss segelte so meilenweit über den Querbalken. Und damit blieb es bei einem torlosen Remis, das dem FC Chelsea mehr als schmeichelte.

Im zweiten Abschnitt sollte sich das Bild lange Zeit nicht ändern, sogar der Ball zappelte jetzt endlich im Netz. Dumm nur, dass Franck Riberys passive Abseitsstellung bei Arjen Robbens Schussversuch in der 54. Minute zu einer aktiven wurde. Das Tor des französischen Nationalspielers zählte nicht. Also probierten es die Bayern weiter, immer weiter. Aber sie kamen einfach nicht durch diese blaue Mauer hindurch, ganz gleich, was sie probierten. Eine gute Viertelstunde wurde es dann auf einmal und wie aus heiterem Himmel auf der gegnerischen Seite brenzlig. Didier Drogba, der bisher vorzüglich von Tymoshchuk bewacht wurde, stahl sich das erste Mal aus den Augen des Ukrainers. Den Pass des Ivorers flach vors Tor entschärfte Diego Contento zur Ecke – der ersten für Chelsea nach 73 Minuten! Das sagte alles.

Es musste einem Angst und Bange werden um den deutschen Rekordmeister, denn solche Spiele kennt man ja. Die eine Mannschaft ist drückend überlegen, die andere macht das Tor. Da braucht man nur mal in Barcelona nachfragen. Es sollte anders kommen, das Finale in der Champions League seinen verdienten Sieger finden: In der 83. Minute segelte die Flanke von Toni Kroos von links getreten in den Strafraum. Die gesamte Chelsea-Deckung hatte nur eines im Sinn: Mario Gomez musste entscheidend gestört werden. Dabei ließen sie am langen Pfosten aber aber völlig Thomas Müller außer Acht, der mit einem Kopfballaufsetzer unter die Latte zum 1:0 einnickte. Der Bann gegen die Blues war gebrochen – gerade noch rechtzeitig? Von wegen! Fast im Gegenzig erspielte sich Chelsea seine zweite Ecke. Und die torpedierte Didier Drogba per Kopf zum Ausgleich ins Netz. Unfassbar! Es ging in die Verlängerung, zum sechsten Mal in einem Finale der Champions League.

Fünf Mal gab es auch in der Extra Time keine Entscheidung. Die Bayern hatten die große Chance, das zu ändern. Aber nach einem Foul von Didier Drogba im gegnerischen Strafraum an Franck Ribery verschoss Arjen Robben den fälligen Strafstoß. Schon wieder, wie in Dortmund. Es blieb beim 1:1, doch Ribery konnte nicht weitermachen. Das Blatt schien sich zugunsten der Londoner zu wenden. Chelsea rettete sich ins Elfmeterschießen. Da begann alles wie in Madrid. Manuel Neuer parierte gleich den ersten Elfer von Mata. Den zum 3:1 schoss der Bayern-Keeper sogar selbst. Aber seinen Kameraden versagten die Nerven. Erst scheiterte Ivica Olic an Petr Cech, dann schoss Bastian Schweinsteiger an den Innenpfosten. Der letzte Schuss des Abends blieb dem Mann vorbehalten, der Chelsea überhaupt in die Verlängerung gerettet hatte. Didier Drogba verwandelte eiskalt und machte den FC Chelsea aus London zum ersten Mal zum Sieger der Champions League. München weint. Wo? Dahoam.


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