Von Nils Reschke 0
Das Ende ist noch nicht vorbei

Ausverkauftes Haus: „Die Ärzte“ lassen Oberhausen kochen

Als die Straßenbahn die Haltestelle Centroallee erreichte, wusste die Zugführerin ganz genau, dass hier und heute alle aussteigen würden. „Und jetzt viel Spaß bei der besten Band der Welt“, säuselte sie in den Lautsprecher, was für einige Lacher sorgte.


Die beste Band der Welt – dabei kann es sich natürlich einzig und alleine um „Die Ärzte“ handeln, die am Freitag- und Samstagabend zwei restlos ausverkaufte Konzerte ihrer „Das Ende ist noch nicht vorbei“-Tour in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen spielten. Wenige Restkarten gibt es ohnehin nur noch für jeweils ein Zusatzkonzert in Leipzig und Wien. Ansonsten waren die Tickets in Rekordzeit vergriffen, was auch für die beiden Events in Oberhausen galt, wo  eine ewig lange Schlange vor dem Eingang zum Innenraum schon um 15 Uhr auf mehrere hundert Meter an der König-Pilsener-Arena herum angewachsen war. In Deutschland wissen eben nur wenige Künstler, wie sehr Verlass auf die eigenen Fans ist.

„Die Ärzte“ zählen definitiv dazu. Nach Liebe müssen Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo Gonzales jedenfalls nun wirklich nicht schreien und betteln. Die Herzen der Fans haben sie vom ersten Ton an erobert, als sie ins weite Rund fragten: „Ist das noch Punkrock?“ Ja, und was für einer! Nebenbei plaudern die Quasselstrippen Farin und Bela vergnügt quer durcheinander, erzählen amüsante Anekdoten, um dann wieder musikalisch richtig Gas zu geben. Wie sehr Fürsorge, Spaß auf der Bühne aber auch bitterer, tiefschwarzer Humor hart an der Grenze bei den Ärzten beieinander liegen, wird gleich zu Beginn eines im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubenden Konzertes deutlich. Farin Urlaub bittet alle 12.000 Zuschauer in der hoffnungslos überfüllten Halle ohne die bei Fans eher ungeliebten Wellenbrecher im Front-of-the-Stage-Bereich um Nachsicht, Rücksicht und Obacht: „Wenn einer stürzt, hebt die Hand und gebt auf ihn Acht.“ Klatschmarsch; dann Bela B.: „Und wenn etwas schief läuft, dann wird das euer Oberbürgermeister ausbaden müssen!“

Sparen wir uns einen Kommentar dazu, sprechen wir von Musik: „Die Ärzte“ beherrschen ihr Fach in Zeiten von lustlosen „Ich spiel mal eben ne Stunde“-Events in Perfektion. Drei volle Stunden dröhnte der Bass. Das Trio weiß eben „Wie es geht“. Und die Frage nach „Ist das alles?“ beantworten „Die Ärzte“ dann auch prompt mit drei Zugaben. Beim großen Finale mit „Zu spät“ müssen selbst hartgesottene Fans ihre letzten Kräfte mobilisieren, ehe sich „Die Ärzte“ dann mit „Gute Nacht“ in selbige verabschieden. Glücklich verlassen die meisten Fans die Halle. Einige der älteren Semester, die sie noch kennen, die alten Hits der besten Band der Welt, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiert, sind aber auch zumindest ein klein wenig enttäuscht. Farin Urlaub, Bela B. Und Rod Gonazles spielen viele neuen Songs ihres aktuellen Albums „auch“, die „Klassiker“ fehlen. Von Paul und Elke wird nicht gesprochen, über Mädchen und Minirock nicht gesungen. Das ist ein kleiner Wermutstropfen – aber bei 37 Liedern nonstop riefen dann doch alle Fans in ihrem Fazit: „Hipp, hipp, hurra! Alles ist super. Alles ist wunderbar.“ Ob es auch besser als damals war, liegt eben im Auge des Betrachters.

Diese Lieder spielten „Die Ärzte“ beim ersten Konzert in Oberhausen am Freitagabend:

Ist das noch Punkrock? – Bettmagnet – Tamagotchi – Hurra – Lied vom Scheitern – Heulerei – Wir sind die Besten – Angeber – Deine Schuld – Die ewige Maitresse – Sohn der Leere – 1/2 Lovesong – Perfekt – Langweilig – Schunder-Song – Wie es geht – Waldspaziergang mit Folgen – Grace Kelly – Lasse redn – Popstar – Nie wieder Krieg, nie mehr Las Vegas! – Rettet die Wale – Ignorama – Schrei nach Liebe – Ist das alles? – Rebell – Erste Zugabe: TCR – Westerland – Unrockbar Zweite Zugabe: Himmelblau – ZeiDverschwÄndung – Junge – Cpt. Metal – Dritte Zugabe: Der Graf – Punkbabies – Zu spät – Gute Nacht.


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