Von Nils Reschke 0
WM-Qualifikation

Austria und Arnautovic riskieren eine kesse Lippe

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist mit einem wenig glanzvollen 3:0-Sieg gegen die Färöer in die WM-Qualifikation gestartet. Doch will sie sich gegen Gegner wie die EM-Teilnehmer aus Schweden oder Irland am Ende durchsetzen und die WM 2014 nicht in Gefahr bringen, muss sich die Mannschaft von Joachim Löw dringend steigern. Und zwar schon heute.


Das Ernst-Happel-Stadion wird heute Abend in Wien restlos ausverkauft sein. Das ist eigentlich immer so, wenn eine deutsche Nationalmannschaft dort gastiert. Und die Euphorie vor einem Duell gegen den „großen Bruder“ ist ebenfalls stets besonders groß. Dieses Mal allerdings findet alles noch eine Steigerung, weil Gegner Österreich ganz genau weiß, dass man eine exzellent besetzte Truppe ins Rennen schickt. Also werden die Töne forscher, die im Vorfeld auf dieses Match fallen. „Ich muss vorne ein Tor machen und hinten muss Robert Almer alles halten“, sagt etwa Marko Arnautovic. Der Kicker von Werder Bremen wird heute Abend einer von neun Bundesliga-Spielern sein, die voraussichtlich in der Startformation der Österreicher stehen. Man kennt sich also bestens.

Ganz falsch mag Arnautovic mit seiner kessen Lippe jedenfalls nicht liegen, denn viel wird auch auf Robert Almer ankommen. Bei Fortuna Düsseldorf ist der Torhüter hinter Fabian Giefer nur zweite Wahl. Auch im Team Austria ist das Match gegen Deutschland, das heute um 20.30 Uhr angepfiffen wird, ebenfalls erst Almers vierter Einsatz in einem Länderspiel. Es wird auch auf seine Glanztaten ankommen, will sich Österreich heute Abend behaupten. Für die Mannen von Bundestrainer Joachim Löw indes geht es darum, mit einem Auswärtssieg erst einmal den Druck zu mildern. Denn danach folgen noch dickere Brocken, so dass im Falle eines ungünstigen Ergebnisses in Wien trotz des 3:0 gegen die Färöer durchaus in der Summe noch ein Fehlstart für die deutschen Kicker passieren könnte. Im Oktober warten dann nämlich am dritten und vierten Spieltag der WM-Qualifikation zunächst heim- und kampfstarke Iren in Dublin. Anschließend kommen die nicht minder unbequemen Schweden in die Hauptstadt nach Berlin.

Doch auch das Duell gegen Österreich birgt so seine Risiken. Das weiß auch Innenverteidiger Mats Hummels, der natürlich auf einen Startplatz hofft und sich gegen seine Konkurrenten auf dieser Position, Holger Badstuber und Per Mertesacker, durchsetzen will. Denn bei einem deutschen Gegentor „käme unnötige Euphorie im Stadion auf“. Das sei dann eine gefährliche Situation, in denen die Österreicher über sich hinauswachsen könnten. Man muss sich nur das Testspiel gegen die Türkei anschauen. Da gelang der von Marcel Koller trainierten Mannschaft ein regelrechter Blitzstart und die österreichischen Fans trugen ihr Team förmlich zu einem spektakulären 2:0 nach gerade einmal sechs Minuten. Zwei Gegentore wären auch für die DFB-Elf in Wien schwer aufzuholen. Zumal die Torausbeute derzeit große Sorgen bereitet.

Selbst gegen einen Underdog wie die Färöer brauchte Deutschland sechs wirklich hundertprozentige Chancen, um im siebten Anlauf endlich einen eigenen Treffer zu erzielen. Gegen bessere Gegner ist solch eine Verwertung der eigenen Möglichkeiten natürlich viel zu wenig, um erfolgreich den Platz zu verlassen. Was Joachim Löw durchaus registriert und anschließend auch kritisiert hat. Und noch etwas ist auffällig: Eckbälle führen so gut wie nie zu einem eigenen Tor. In diesem Länderspieljahr jedenfalls noch gar nicht. Eine traurige Bilanz. Nicht anders sieht es bei Freistößen aus...

Das letzte Mal traf Michael Ballack bei einem direkten Freistoß (genauer gesagt war er indirekt, wurde aber nur kurz vorgelegt) im Jahr 2008 für das DFB-Team. Das war ausgerechnet in Wien, als Deutschland Österreich in der Vorrunde der EM mit 1:0 durch den Ballack-Knaller besiegte. Es war ein besonderes Match, in dem Mario Gomez seinerzeit aus zwei Metern das leere Tor nicht traf. Eine Szene, die ihn ganz lange verfolgen sollte. Bis 2011, um es genau zu sagen. Dann trafen sich Österreich und Deutschland abermals in Wien. Gomez erzielte das 1:0, traf in der Schlussminute zum 2:1 – und rettete der DFB-Elf so den Sieg. Mal schauen, welche Geschichten das Match dieses Mal im „Happel“ schreiben wird. Gomez jedenfalls fällt verletzt aus.


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