Von Olga Lügenscheidt 0
Immer hip bleiben!

Angesagt oder ausgelutscht? Das Problem mit dem Hipster-Phänomen

Man sieht sie überall: Die jungen, meist schönen, Menschen, die aber so was von hip durch die Gegend laufen. Aber ist die ständige Trend-Hinterherrennerei nicht schon wieder langweilig? Wo genau verläuft die Grenze zwischen Modetrend und Massenkonsum? Dieser Frage geht unsere knallharte Mode-Expertin Olga Lügenscheidt in ihrer Kolumne nach.


Was bleibt, wenn andere Trends gehen? Was verweilt beständig an unserer Seite und zaubert uns oftmals ein süffisantes Lächeln auf die Lippen? Welches modische Phänomen spaltet und verbindet so sehr in unserer heutigen Zeit? Na, schon drauf gekommen?

Letzte Woche bin ich mal wieder drüber gestolpert, auch wenn besagter Trend ständig auf der Straße umherirrt. Polyeyed Phantom haben mit ihrem Werk „Der Berliner Hipster“ mal wieder die altbewährte Diskussion ins Rollen gebracht: Lieben oder Hassen? Angesagt oder nur Nervig? Auslachen oder Nachmachen? Tja, dass sind die Fragen, die mich heute beschäftigen. Seit mehr als einigen Jahren ist der Indie-, Hipster-, Beatnikstrend unangefochten an der Spitze der Streetstyles und es vergeht wahrlich kein Tag, an dem mir nicht ein junger Hüpfer in Strumpfhosen, Blümchenkleid und Fellweste über den Weg läuft! Aber was macht diese modische Richtung so kontrovers?

Ganz einfach: Jemand ist nicht besser oder hübscher, wenn er einen kaputten iPod um den Hals, ein Buch von Jack Kerouac unter dem Arm, um seine Belesenheit zu demonstrieren, und eine zu enge, alles abschnürende Röhrenjeans trägt. Auch ist es in keinem der Fälle mehr extravagant, neu oder besonders! Wie viele junge Leute, Musiker, Stars, Sternchen hüllen sich in oversized Schals, Mäntel, enge Leggings und lassen einen Jutebeutel mit einem besonders coolen Spruch, wie „This is not a Louis Vuitton“, von ihren Ärmeln baumeln? Fast alle! Das ist der Trend, den man am aller meisten vermarkten kann und der trotzdem immer noch Nachahmung und Jünger findet. Reist man von Berlin nach Kopenhagen, München, LA, London – einfach um die ganze Welt – dann findet man genügend gläubige Hipster mit einer Ray Ban Wayfarer. Woran man sie noch erkennt? Sie tragen meistens den ach-so-angesagten Undercut und eine extrem große und sperrige Brillenkonstruktion mitten im Gesicht. Heutzutage könnte man sie alle unter dem Begriff „Lana Del Rey Fans“ zusammenfassen oder unter Gotyes Slogan „You became addicted to a certain kind of sadness“ vereinheitlichen.

Auf der einen Seite sind es wirklich schöne Kreationen und tolle modische Outfits, doch wenn einfach jeder so rumläuft und sich gerne noch als einzigartig betitelt, dann ist das meiner Meinung nach der größte Unsinn, der mir je zu Gehör gekommen ist! Sind wir doch mal ehrlich: Karohemden, gestreifte Shirts á la Coco Chanel, Apple Geräte und alte Stoffsackerl sind alles keine weltbewegenden Erscheinungen mehr in der Modewelt. Aber trotzdem strebt die andere Hälfte stets danach, dieses Phänomen nachzuahmen, denn sie hegen insgeheim eine stille Bewunderung für diesen ausgelutschten Trend. Ich sage nicht, dass man das Hipsterideal nicht hochheben oder es zum absoluten Style ausrufen darf, unter dem sich alle Applejünger vereinigen. Ich will nur andeuten, dass es völlig sinnfrei und einfach nur dumm ist, wenn man diese von jeglicher Industrie zu Vermarktungszwecken auserkorene Modeerscheinung als einzigartig, etwas Besonderes und neuartig bezeichnet! Es ist und bleibt ein Trend, der Nachahmung findet und keiner der sich ein Stirnband über den Kopf zieht und The Cure hört, hebt sich ab von der ach-so-einheitlichen Menge!

Aber was wäre Mode und ihre Stilrichtungen ohne extrovertierte Menschen, nervige Diskussionen und Provokation? Sie wäre langweilig und wir hätten viel mehr Zeit, um uns um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu kümmern! Aber wollen wir das? Eben. In diesem Sinne, eine schöne Woche und Bisous.


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