Von Nils Reschke 2
Panische Zeiten

Altmeister und Panikrocker Udo Lindenberg feiert seinen 66. Geburtstag

Das wohl schönste Geschenk zu seinem Geburtstag überreichten dem Panik-Meister seine Fans höchstpersönlich. Und das schon im März. Denn die „Ich mach mein Ding“-Tour von Udo Lindenberg war restlos ausverkauft. Ein Riesenerfolg, mit Schleifchen sozusagen. Ob sich Lindenberg das auf die alten Jahre noch erträumt hatte? Irgendwie ja schon, denn „Der G


Udo Lindenberg ist ein brodelnder Vulkan, von mittlerweile 66 Lenzen keine Spur. Wer den Wahl-Hamburger auf einen der Konzerte im März zuhören durfte, rieb sich verwundert die Augen und Ohren. Entertainment der Extraklasse. Ein guter, alter Wein: Je älter, desto besser. Auch wenn der Musiker mit seinem Panikorchester eher den Eierlikör bevorzugt. Mit dem wird er heute gewiss auch anstoßen. Und Promipool.de prostet ihm ebenfalls zu: Herzlichen Glückwunsch, Udo Lindenberg!

Geboren wurde Udo Lindenberg kurz nach dem Krieg, am 17. Mai 1946 in „Gronau an der Donau“, wie er seine Geburtsstadt mittlerweile scherzhaft taufte. Denn durch das Städtchen direkt an der niederländischen Grenze fließt nicht die Donau, sondern die Dinkel. An seinem Geburtshaus in der Gartenstraße mit der großen Treppe vor der Eingangstür (Lindenberg: „Meine erste Showbühne“) erinnert mittlerweile eine große Metalltafel an den Panikrocker. „Hier hab ich meine ersten Auftritte geprobt“, erinnert sich Udo Lindenberg mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Auch der Platz auf dem damaligen Gelände in Gronau, wo die Landesgartenschau stattfand, trägt mittlerweile seinen Namen. Das hat auch einen berechtigten Grund: Hier eröffnete das Rock- und Popmuseum 2004 in einer Kesselhalle, die damals zur Textilfirma van Delden gehörte.

Die ersten musikalischen Sporen verdiente sich Udo Lindenberg aber nicht als Sänger mit der damals wie heute ausgeprägten Nuschelstimme, die zu seinem Markenzeichen wurde. Lindenberg war ein ebenso talentierter Schlagzeuger. Für die City Preachers, der ersten Folk-Rock-Band Deutschlands überhaupt, saß der Panikrocker noch an den Drums. 1969 war das, als er auch seine erste eigene Band, die Free Orbits gründete und dort zum Teil auch den Gesangspart übernahm. Als Lindenbergs erstes Album 1971 mit dem schlichten Namen „Lindenberg“ nicht überzeugte, es war komplett auf Englisch gesungen, traf der Gronauer die wohl wichtigste Entscheidung seiner Karriere: Er probierte es auf Deutsch. 1973 schließlich schaffte er den Durchbruch mit der LP „Andrea Doria“, auf dem die gleichnamige Single, aber auch „Cello“ zu den ersten auch kommerziellen Erfolgen gehörten. „Cello“? Richtig, jener Song, den Lindenberg viel später noch einmal mit Clueso für MTV Unplugged und dem umjubelten, gefeierten und preisgekrönten Album „ohne Stecker“ aufnehmen sollte.

Udo Lindenbergs „Panische Nächte“ und „Panische Zeiten“ wurden zur „Udopia“ – allesamt Namen weiterer Alben. Die „Odyssee“ erreichte 1983 ihren vorläufigen Höhepunkt mit Platz drei in den Albumcharts, was wohl auch an seinem „Sonderzug nach Pankow“ lag. In diesen Jahren lebte Lindenberg längst in Hamburg, unter anderem in einer WG mit Marius Müller-Westernhagen und auch Komiker Otto Waalkes. Weil der Panikrocker schon immer eine Vorliebe zu kuriosen Namen wie Rudi Ratlos oder Bodo Ballermann hatte, ließ sich auch der erfolgreichste Ostfriesen-Export der Republik, Otto, davon inspirieren und es entstanden Susi Sorglos und natürlich Harry Hirsch. Mitte und Ende der 80er Jahre folgte eine sehr balladenlastige, aber ebenso erfolgreiche Zeit mit „Horizont“, „Ein Herz kann man nicht reparieren“ oder „Airport“. Danach wurde es etwas stiller um den Panikrocker. Doch im Hintergrund kündigte sich Großes an.

2008 gelang Udo Lindenberg ein Wahnsinns-Comeback, wenn man es so bezeichnen möchte, mit dem Album „Stark wie zwei“. Das Udo-Fieber war neu entbrannt, die Lindianer versammelten sich, um ihren Häuptling zu huldigen. Lindenberg startete durch – und wie! Gemeinsam mit Jan Delay präsentierte er sich „Ganz anders“, 2011 für MTV Unplugged spielte er mit Clueso „Cello“. Das im September 2011 erschienene Album enterte die Charts 33 Wochen, selbst dann noch, als Udo Lindenberg im März bereits wieder auf Tour ging. Panische Zeiten, wir sind noch nicht satt. Der Meister darf weiter rocken. Alles Gute, Udo. Ahoi!


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