Von Mark Read 0
Sport-Held 2012

Alessandro Zanardi: Die Krönung seines ganz persönlichen Märchens

2001 verlor der Rennfahrer Alessandro Zanardi bei einem furchtbaren Unfall beide Beine. Doch er kämpfte sich zurück, fuhr wieder Rennen - und gewann dieses Jahr bei den Paralympics in London Gold. Die Krönung einer märchenhaften Geschichte.


Gestern bei der ZDF-Show "Menschen 2012" begrüßte Markus Lanz einen ganz besonderen Gast. Einen, auf den der Begriff "Stehaufmännchen" passt wie zu keinem Zweiten. Der Italiener Alessandro Zanardi war ein hoffnungsvoller Rennfahrer in der Formel 1, dann fuhr er erfolgreich in einer Rennsportserie in den USA - bis zu seinem schrecklichen Unfall auf dem Lausitzring im September 2001. Er musste an diesem Tag sieben Mal wiederbelebt werden, er verlor beide Beine ab den Oberschenkeln.

Er hatte knapp überlebt. Doch natürlich war das schreckliche Ereignis mit 34 Jahren das Ende seiner Karriere - sollte man meinen. Doch Zanardi kämpfte sich wieder zurück. Er konnte und wollte nicht ohne den Rennsport sein. Schon 2003 fuhr er wieder Rennen, und weitere zwei Jahre später feierte er sein endgültiges Comeback - in einem eigens für ihn umgebauten DTM-Wagen. Selbst mit zwei Prothesen anstatt seiner Beine gewann Zanardi in der DTM-Serie drei Rennen innerhalb von drei Jahren.

Emotionaler Höhepunkt war dabei sicherlich sein erster Sieg im August 2005 in Oschersleben. Sämtliche Fahrer und Mechaniker der anwesenden Teams feierten den tapferen Italiener als ihren Helden, bei der Siegerehrung brach er in Tränen aus. Er war schon jetzt ein strahlender Held - doch er hatte noch nicht genug.

Nach seinem Rücktritt aus dem Motorsport im Jahr 2009 suchte sich Zanardi eine neue Herausforderung. Er stieg auf das Handbike um, ein Fahrrad, das mit Hilfe der Arme betrieben wird. Und auch hier wurde Zanardi zum Meister - er qualifizierte sich locker für die paralympischen Spiele in London im Sommer 2012. Hier sollte sich seine märchenhafte Geschichte krönen.

Denn ausgerechnet auf der Motorsportstrecke von Brands Hatch, wo das paralympische Handbike-Rennen ausgetragen wurde, holte er die Goldmedaille im Einzelfahren. Völlig entkräftet fiel Zanardi im Ziel von seinem Handbike, in die italienische Flagge gewickelt. Er war auf dem Höhepunkt angekommen. Im Alter von 45 Jahren hatte er endgültig das "Happy End" geschafft.

Zu Gast in der Sendung von Markus Lanz am gestrigen Sonntag ließ sich der Mann mit den Beinprothesen zu Recht feiern - und scherzte, dass er seit seinem Unfall auf dem Lausitzring ohnehin schon ein halber Deutscher ist. Denn nach den zahlreichen Bluttransfusionen im Zuge seines verheerenden Unfalls fließe in seinem Körper mittlerweile fast so viel Deutsches Blut wie italienisches.

Er kann wieder lachen, und er kann vor allem stolz auf sich sein. Alessandro Zanardi ist ein Beispiel dafür, was mit purer Willenskraft alles möglich ist. Selbst die härtesten Schicksale lassen sich überwinden, wenn man seinen Mut nicht verliert.


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