Von Nils Reschke 0
Bild-Zeitung

Adieu, Seite-1-Girl: Die "Bild" verbannt nackte Tatsachen vom Titel

In den letzten 28 Jahren hat so manches Bild in der Bild bei der Frühstückslektüre dafür gesorgt, dass männlichen Lesern das Brötchen im Hals stecken blieb: Hübsche Mädchen präsentierte nackte Tatsachen. Eva aus Polen gehörte heute dazu. Aber sie ist das letzte Girl von Seite eins.


Katja Kessler wurde der breiten Öffentlichkeit vor allem für ihre Biografien „Nicht als die Wahrheit“ und „Hinter den Kulissen“ von und mit Pop-Titan Dieter Bohlen bekannt. Doch wie die Karriere der Klatschreporterin und Autorin begann, wissen die wenigsten. Im Rahmen ihres Praktikums bei der Bild-Zeitung nämlich textete sie frech und frivol die Bildzeilen zu den Nackedei-Fotos auf Seite eins und ließ Deutschland schmunzeln. Doch das nackte Mädel auf dem Titelblatt hat bei der Bildzeitung jetzt ausgesorgt. Ausgerechnet am Weltfrauentag, an dem in der Redaktion des größten Boulevardblatts Deutschlands nur Männer arbeiteten, verbannten diese das Mädchen von nebenan in den Innenteil der Bild. Es hat sich quasi aus-ausgezogen.

Den „Nachruf“ auf die nackten Tatsachen auf dem Titel schrieb natürlich Franz Josef Wagner, der nette Onkel mit den offenen Briefen: „Wäre ich ein Gärtner, würde ich sagen, Du warst mein Forsythien-Strauch.“ Wagner darf seine Sträuße weiter bewässern, aber bitteschön ab sofort nicht mehr auf Seite eins. Die Ehre, sich als letztes Bild-Girl auf Seite eins zu präsentieren, hatte die barbusige Polin Eva. Nun ist nach 28 Jahren und 5000 Nackedeis Schluss damit. Ab in den Innenteil! Ein Schritt weg vom Schmuddel-Image, auf Schmusekurs mit den Frauen: So soll es ab sofort sein.

Den Arbeitstag ohne Frauen hatten sich die Herren Redakteure dabei wesentlich einfacher vorgestellt. „Die Wahrheit ist: Es war die Hölle. Zunächst. Später wurde es zum Albtraum.“ So liest sich die Liebeserklärung der Blattmacher an ihre weiblichen Kollegen. Man zieht den Hut, auch was die Optik betrifft und macht Nägel mit Köpfen. Viele Frauen hätten sich das gewünscht: Das Bild-Girl nicht mehr direkt auf dem Titelblatt, wo einem bei der morgendlichen Lektüre mehr als nur die Augen anlächelte.


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